Wintereinbruch Deutsche Bergsteigerin erfriert in den Ötztaler Alpen

Eine Gruppe von Alpinisten ist in den Ötztaler Alpen vom Wintereinbruch überrascht worden. Die Bergretter konnten sich wegen schlechten Wetters erst am nächsten Morgen auf den Weg machen - für eine Frau kam die Hilfe zu spät.


Innsbruck - Schneedrama statt Sommerurlaub: Ein plötzlicher Wintereinbruch in Österreichs Bergen hat eine deutsche Wanderin das Leben gekostet. Die Frau war mit fünf anderen deutschen Urlaubern am Montagabend an der Wildspitze in der Nähe von Sölden unterwegs, berichteten österreichische Medien am Dienstag. Plötzlich wurde die Gruppe von dichtem Schneetreiben überrascht und verirrte sich.

Noch in der Nacht setzten sie einen Notruf ab, die Bergretter konnten sich wegen des heftigen Schneetreibens aber erst am Morgen auf die Suche machen. Sie mussten zu Fuß bis zur Unglücksstelle aufsteigen, da ein Hubschraubereinsatz nicht möglich war.

Gegen zehn Uhr morgens hatten die Retter dann alle verirrten Bergsteiger gefunden, berichtete der ORF. Nur die Frau hatte die Nacht im Freien nicht überlebt - sie starb an Erschöpfung und Unterkühlung. An der Unglücksstelle waren in der Nacht rund 70 Zentimeter Neuschnee gefallen. Die übrigen Wanderer wurden zunächst in eine nah gelegene Berghütte gebracht und mit warmen Getränken und Nahrung versorgt. Sie seien physisch in einem relativ guten Zustand, sagt Josef Fiegl, Einsatzleiter der Bergrettung, der österreichischen Agentur APA. Psychisch seien sie aber mitgenommen.

Bei einer Verbesserung der Bedingungen soll die Gruppe im Laufe des Dienstags ins Tal absteigen. Ein Hubschrauber soll dann auch die Leiche bergen - wenn sich das Schneetreiben lichtet. Die Polizei Sölden konnte zur genauen Herkunft der Gruppe zunächst keine Auskunft geben.

Auch in anderen höher gelegenen Teilen Österreichs fielen bis auf 1200 Meter viele weiße Flocken vom Himmel und die Temperaturen stürzten ab. "Auf höher gelegenen Passstraßen muss man sich auf winterliche Fahrverhältnisse einstellen und auch für das Weidevieh auf den Hochalmen könnte der Schnee zu einem Problem werden", warnte die Wetterforscherin Claudia Riedl von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Wien. So viel Schnee im August kommt nach ZAMG-Aufzeichnungen in Österreich im Schnitt nur alle fünf Jahre vor. Ab Mittwoch soll das Winterwetter aber wieder vorbei sein.

sto/dpa/apn



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