Wintereinbruch Schnee legt Stromversorgung und Bahn lahm

Der Brocken ist weiß, am Feldberg beginnt die Skisaison: Der Winter hat sich kurz gezeigt - und in Mittelgebirgen für Chaos auf den Straßen und im Zugverkehr gesorgt. Die Bahn musste mehrere Strecken komplett sperren.


Hamburg - Vom Alpenvorland und dem südlichen Schwarzwald bis zum Harz hat Schnee in der Nacht zum Donnerstag die Landschaft verzaubert. In Baden-Württemberg wurde mit 29 Zentimeter im Zollernalbkreis die höchste Schneedecke gemessen. Auf dem 1493 Meter hohen Feldberg war sie 26 Zentimeter hoch und auf dem höchsten Berg des Harzes, dem Brocken (1142 Meter) etwa 18 Zentimeter. In Niedersachsen und in Hessen betrugen die Schneehöhen in den Mittelgebirgen bis zu zehn Zentimeter. Wegen steigender Temperaturen soll die weiße Pracht aber schnell wieder abschmelzen.

Auf dem Feldberg hoffen die Liftbetreiber dennoch, dass der Schnee bis zum Wochenende hält. Erwartet werden Wintersportler und Touristen aus dem ganzen Land. In Thüringen hält man sich zurück: "Noch lohnt es sich nicht, die Lifte anlaufen zu lassen, weil es nicht lange richtig kalt bleiben wird", sagte eine Tourismus-Sprecherin.

Die Kehrseite der weißen Pracht waren Unfälle, Behinderungen und Stromausfälle, vor allem in Baden-Württemberg. Landesweit mussten Polizei und Feuerwehr zu Hunderten Einsätzen ausrücken.

Am frühen Morgen waren mehr als 20 Straßen und 17 Bahn-Strecken komplett gesperrt, weil abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume auf der Strecke lagen. Es habe teilweise "massive Verspätungen" gegeben, sagte ein Bahnsprecher, Fernzüge hätten weiträumig umgeleitet werden müssen. Die Bahn musste bis in den Abend hinein Hunderte Bahnreisende mit Bussen befördern. In der Region Reutlingen waren viele Haushalte zeitweise ohne Elektrizität, weil Strommasten umgestürzt waren.

In Schleswig-Holstein starb eine Autofahrerin beim ersten Glatteis des Herbstes. In Thüringen schneite es vor allem im Osten des Landes bis in tiefer gelegene Regionen. Zahlreiche Verkehrsunfälle waren die Folge, allerdings blieb es bei Blechschäden. Im sächsischen Erzgebirge schneite es fast 24 Stunden ununterbrochen. Autofahrer wurden vom Innenministerium in Dresden darauf hingewiesen, dass Straßen in höheren Lagen nur noch mit Winterausrüstung zu befahren waren. Das gleiche galt für Teile des Harzes.

In Sachsen-Anhalt schneite es etwa zwölf Stunden lang. Die Straßen des Landes waren zum Teil gefährlich glatt, so dass sich mehrere Unfälle ereigneten. In Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz blieben die ersten Schneeflocken ohne größere Auswirkungen.

Rekord-Neuschneemengen in der Schweiz

Auch in den Schweizer Nachbarkantonen machte das Winter-Gastspiel den Einsatzkräften schwer zu schaffen. Die heftige Schneefälle haben zu massiven Verkehrsproblemen geführt. Im Bahn- und Straßenverkehr mussten Dutzende Strecken unterbrochen werden, weil Bäume unter der Schneelast umgestürzt waren Betroffen waren unter anderem die Kantone Thurgau, Zürich und Schaffhausen. Bei Autounfällen wurden nach Angaben der Polizei im Kanton Thurgau drei Menschen verletzt.

Der Wintereinbruch gleich an mehreren Orten zu Rekord-Neuschneemengen geführt. Wie der Wetterdienst MeteoSchweiz mitteilte, wurden in Einsiedeln am Donnerstagmorgen 46 Zentimeter Neuschnee und in Langnau im Emmental 27 Zentimeter gemessen. Beide Werte stellen neue Rekorde für den Monat Oktober dar. Auch am Hauptsitz von MeteoSchweiz in Zürich lag auf 556 Metern Höhe eine 20 Zentimeter dicke Schneedecke. Diese Neuschneemenge übertrifft bei weitem den bisherigen Maximalwert von 14 Zentimetern vom 27. Oktober 1939.

Nach Angaben der Meteorologen ist der plötzliche Winter aber nur von kurzer Dauer. "Die nächsten Tage werden trockener und wärmer", sagte Martin Puchegger vom Wetterdienst meteomedia. In einigen Teilen Deutschlands wie in Sachsen-Anhalt wird aber auch Regen den Schnee fortwaschen.

abl/AP/ddp/dpa



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