Winterprobleme Ramsauer räumt Versäumnisse bei der Bahn ein

Schnee und Eis machen dem Verkehr in diesen Tagen zu schaffen: Minister Ramsauer gibt zu, dass die technischen Probleme bei der Bahn durch Einsparungen bedingt sind. Auf dem Frankfurter Flughafen müssen erneut 60 Flüge gestrichen werden, und die EU-Kommission kritisiert Europas Airports.
Eiszeit bei der Deutschen Bahn: Zu viel an den Reserven gespart

Eiszeit bei der Deutschen Bahn: Zu viel an den Reserven gespart

Foto: dapd

Berlin/Frankfurt - Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat angesichts der aktuellen Verkehrsprobleme jahrelange Versäumnisse bei der Bahn eingeräumt. "Wir haben mit erheblichen technischen Problemen zu kämpfen, die aus der Vergangenheit herrühren", sagte der CSU-Politiker am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". In den letzten zehn Jahren sei zudem an der sogenannten Bereithaltung gespart worden.

"Es macht sich jetzt bemerkbar, dass man geglaubt hat, man könne sich das eine oder andere an der Reserve sparen." Diese baue man zurzeit in allen Bereichen der Bahn wieder auf. "Die Bahn nimmt ja bereits wesentlich mehr Geld in die Hand, um diese notwendigen Reserven wieder zu schaffen", sagte Ramsauer. Die Probleme ließen sich nicht von heute auf morgen beheben. "Aber die Öffentlichkeit kann erwarten, dass die Politik zusammen mit den einzelnen Verkehrsträgern alles daran setzt, dass die Dinge in Ordnung gebracht werden - und das tun wir."

Bei der Deutschen Bahn ist der Verkehr am Dienstag nach den Worten eines Sprechers etwas reibungsloser gelaufen. Es habe dennoch vereinzelte Zugausfälle und Verspätungen gegeben. Ab Mittwoch will die Bahn einen Sonderfahrplan mit mehr IC-Zügen auf stark nachgefragten Strecken einsetzen.

Frankfurter Flughafen: Alle Start- und Landebahnen in Betrieb

Auf dem wichtigsten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main sind am Mittwochmorgen wieder alle Start- und Landebahnen in Betrieb. Das sagte ein Sprecher des Betreibers Fraport. "Es deutet alles darauf hin, dass sich die Dinge entspannen. Die Überhänge vom Dienstagabend sind fast abgebaut." Die weitere Entwicklung hänge aber nicht allein vom Frankfurter Flughafen ab, sondern auch von der Leistungsfähigkeit der anderen europäischen Airports.

Obwohl der Flugbetrieb in Frankfurt "reibungslos" laufe, müssten 60 Flüge gestrichen werden. "Die Umläufe stimmen europaweit noch nicht", sagte der Sprecher. Den Tag über werde man versuchen, die etwa 3500 gestrandeten Passagiere zusätzlich zum normalen Passagieraufkommen in den Maschinen unterzubringen - und dass bei einem noch immer durcheinandergewirbelten Flugplan mit Ausfällen und Verspätungen. Die Terminals seien am Morgen schon wieder "gut belebt".

Rund 600 Passagiere hatten die Nacht am Flughafen auf Feldbetten verbracht. Der Großteil der Wartenden ließ sich die Nacht über in Hotels einquartieren, teilweise 70 Kilometer außerhalb der Stadt. Für Donnerstag sei außerdem noch einmal mit einem Zuwachs an Fluggästen zu rechnen, weil in neun Bundesländern die Weihnachtsferien beginnen.

Auch die Lufthansa rechnet trotz des anhaltenden Winterwetters für Mittwoch mit einem "nahezu normalen Flugbetrieb" am Flughafen Frankfurt am Main. Die Fluglinie rechne damit, dass die Lage in den kommenden Tagen normal bleibe, sagte eine Sprecherin. "Eine Prognose, ob sich rechtzeitig zu Weihnachten wieder alles normalisiert haben wird, kann wirklich noch keiner geben", hatte schon am frühen Morgen ein Fraport-Sprecher gesagt. Zumindest die Wettervorhersage sei vorteilhaft.

EU-Kommission: Situation auf Flughäfen ist "inakzeptabel"

Die EU-Kommission kritisierte das Schneechaos auf Europas Flughäfen scharf. Verkehrskommissar Siim Kallas nannte die Situation "inakzeptabel" und kündigte für die kommenden Tage ein Treffen mit Flughafen-Verantwortlichen an. Die Flughafenbetreiber müssten sich gegen Schnee und Eis besser wappnen. Andernfalls behält sich die Kommission vor, Gesetze für Mindestanforderungen an Flughäfen zu erlassen.

In Großbritannien hat Premierminister David Cameron nach den massiven Problemen am Londoner Flughafen Heathrow militärische Unterstützung für die Schneeräumung vorgeschlagen. Verkehrsminister Philip Hammond sei in "intensiven Gesprächen" mit dem Flughafenbetreiber BAA, um eine schnellstmögliche Wiederaufnahme des Betriebs zu gewährleisten, erklärte Cameron am Dienstag bei einer Pressekonferenz in London. Hunderte Passagiere sind wegen des Winterwetters seit Tagen am geschäftigsten Flughafen Europas gestrandet.

abl/dpa/AFP
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