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03. November 2015, 16:59 Uhr

Günstige Winterziele

Diese Reiseländer schonen die Reisekasse

Der Euro hat Urlaubern das entspannte Leben in diesem Jahr nicht besonders billig gemacht. Ein Überblick, welche Winterreisen jetzt trotzdem lohnen, wo Urlaub richtig teuer wird - und was der Big Mac damit zu tun hat.

Seit Jahresbeginn schwächelt der Euro. Während die Exportindustrie jubelt, machen alle, die gerne jenseits der Eurozone ihren Urlaub verbringen, lange Gesichter. Doch es gibt sie noch, Winterziele, die auch mit dem Euro in der Tasche erschwinglich sind.

Wer sie sucht, sollte neben Kurs und Inflation auch den sogenannten Big-Mac-Index (BMI) des Urlaubslandes checken. Der BMI, von der Zeitschrift "Economist" erfunden, vergleicht die Preise des Fast-Food-Happens in verschiedenen Währungen. Der Big Mac gilt als simpler Indikator für die Kaufkraft einer Währung, da es ihn fast überall auf der Welt in standardisierter Größe, Zusammensetzung und Qualität gibt.

Osteuropa: Viel Kultur und kaum Wechselkursschwankungen

Wer Lust auf einen spontanen Städtetrip hat, der sollte nicht immer nur nach London oder Paris fliegen, sondern nach Osteuropa. Krakau, Prag oder Budapest zählen zu den kulturellen Höhepunkten Europas - und es gibt die Städte zu niedrigen Preisen. Denn von der Euroschwäche haben die Währungen dieser drei Länder nicht profitiert. Das heißt: Es gibt kaum Wechselkursschwankungen und noch dazu deflationäre Tendenzen. Die Kaufkraft eines Euro entspricht in Tschechien 1,57 Euro, in Polen 1,81 Euro und in Ungarn 1,78 Euro. Laut Big-Mac-Index zufolge am billigsten ist der Burger in Polen. Dort kostet er 2,52 Euro.

Türkei und Ägypten: Preiswert überwintern

Wer den kalten Temperaturen in unseren Breitengraden entfliehen will, kann immer noch sehr günstig in der Türkei und in Ägypten überwintern. Die Türkische Lira hat gegenüber dem sinkenden Euro sogar leicht verloren. Mit einem Euro können deutsche Urlauber deshalb Waren im Wert von 1,59 Euro in der Türkei einkaufen. Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: Mit sieben Prozent Inflation ist die Türkei nicht gerade preisstabil. Das Ägyptische Pfund hat zwar leicht an Wert gewonnen, aber teuer ist das Land am Roten Meer deswegen noch lange nicht, und das trotz einer Inflation von rund zehn Prozent. Mit 1,97 Euro für einen Big Mac gehört das Land mit zu den billigsten Reisezielen überhaupt.

Südafrika und Australien: Erschwinglich in die Ferne

Bei den Fernzielen punktet Südafrika mit einem guten Wechselkurs und einer Inflationsrate von mehr oder weniger vier Prozent. Das macht das Land am Kap sehr erschwinglich. Am 7. Oktober 2014 bekam man für einen Euro 14,16 Rand, genau ein Jahr später sind es 15,26 Rand. Hinzu kommt, dass Südafrikas Preisniveau laut Big-Mac-Index mit 1,91 Euro zu den zehn niedrigsten der Erde gehört. Auch ein Trip nach Australien kann die Reisekasse schonen. Wie bei Südafrika ist auch hier der Wechselkurs gegenüber dem Euro schwächer geworden und mit zwei Prozent ist die Preissteigerung sehr moderat. Dass Down Under aber insgesamt kein Billigland ist, zeigt der BMI an. Ein Big Mac kostet hier 3,58 Euro.

Thailand: Teuer nur bei Importwaren

Eines der beliebtesten Winterziele - Thailand - wird auf jeden Fall nicht teurer. Zwar hat der Euro gegenüber dem Baht leicht an Boden verloren, aber das Königreich hat mit zwei Prozent seine Inflation in den Griff bekommen. Mit 2,89 Euro für einen Big Mac sieht es zwar aus, als sei Thailand gar nicht mehr so preiswert. Aber das täuscht. Importierte Ware und viele Dienstleistungen im Tourismussektor werden in US-Dollar abgerechnet, Euro-Besitzer haben deswegen einen Wechselkursnachteil. Anders ist es bei allen Produkten, die im Land produziert werden, oder Dingen, die man vor Ort bucht.

Brasilien: Nicht mehr besonders preiswert

Zu den Verlierern unter den preiswerten Urlaubsländern gehört Brasilien. Zwar verliert Brasiliens Real beständig an Wert gegenüber dem Euro, aber zugleich zeichnet sich eine galoppierende Inflation ab. Sie liegt bei rund zehn Prozent, Tendenz schnell steigend. Das kann man auch am Big-Mac-Index ablesen. Mit 3,91 Euro für einen Fleischklops zwischen zwei labbrigen Rundbrötchen liegt der Preis über 21 Cent über dem Durchschnitt der Eurozone. Billiger als Europa ist Brasilien also nicht.

Schweiz: Teurer Winterspaß

Groß war der Schock zu Beginn des Jahres für alle Schweiz-Fans. Mitte Januar gab die Schweizer Nationalbank den Franken frei. Das bedeutete: Der Kurs schoss in die Höhe und hat sich seitdem auch nicht mehr nach unten bewegt. Deshalb bleiben Ferien bei den Eidgenossen auch in diesem Herbst und Winter eine teure Angelegenheit. Vor allem Wintersportler bekommen das zu spüren. Derzeit beträgt die Kaufkraft eines Euros in der Schweiz 57 Cent.

Wer sich wegen der hohen Preise in Arosa oder Zermatt nur einen Big Mac zum Mittagessen leistet, muss selbst dafür tief in die Tasche greifen: Laut Big-Mac-Index sind für den Fast-Food-Happen 6,23 Euro fällig - so viel wie nirgendwo anders in der Welt. Zum Vergleich: Der BMI für die Eurozone liegt bei 3,70 Euro. Einen kleinen Trost gibt es dennoch, Inflation gibt es derzeit im Alpenland nicht.

Tinga Horny/srt/ele

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