Wintersport in Südtirol Behaglichkeit zwischen Brenner und Bozen

Im norditalienischen Eisacktal ist die Wintersportsaison in vollem Gange. Obwohl schon Albrecht Dürer den Südtirolern eine gewisse Langsamkeit nachsagte, können die Alpenländler eines sehr gut: Ihren Gästen Behaglichkeit bieten.


Abwechslung auf der Piste: Rund um das Eisacktal kommen nicht nur Skifans auf ihre Kosten
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Abwechslung auf der Piste: Rund um das Eisacktal kommen nicht nur Skifans auf ihre Kosten

Brixen - "Andiamo, amici!" - die Dame im eleganten Skioutfit zieht ihre Pelzmütze tief in die Stirn. Hinter ihr stapfen drei junge Männer durch den knirschenden Schnee. Hier auf der Plose - dem Hausberg von Brixen in Südtirol in 2445 Metern über dem Meer - entspinnt sich zwischen ihnen und anderen Skifahrern schnell ein lebhaftes Gespräch in einem Gemisch aus Deutsch und Italienisch. So etwas hat Tradition im Eisacktal zwischen dem Brenner und Bozen. Das seit dem Ende des Ersten Weltkrieges zu Norditalien gehörende "Valle Isarco" war seit jeher eine Brücke zwischen Mittel- und Südeuropa.

Johann Wolfgang von Goethe begleitete - getrieben von seiner Sehnsucht nach dem "Land, wo die Zitronen blühen" - den munter dahin rauschenden Eisack bis ins Bozener Tal. Ihm gefiel das behäbige "wohlbehagliche Dasein" der alpenländischen Bevölkerung. Albrecht Dürer flüchtete hierher aus dem von der Pest heimgesuchten Nürnberg. Er verstand Land und Leute - ganz im Gegensatz zu Heinrich Heine, der 350 Jahre später in seinen "Reisebildern" festhielt: "Die Tiroler sind schön, heiter, ehrlich, brav und von unergründlicher Geistesbeschränktheit. Sie sind eine gesunde Menschenrasse, vielleicht weil sie zu dumm sind, um krank werden zu können."

Erhabene Bergwelt: Im Villnößtal, aus dem auch Bergsteiger Reinhold Messner stammt, bietet sich ein Atem beraubender Blick auf die Gipfel der Geislergruppe
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Erhabene Bergwelt: Im Villnößtal, aus dem auch Bergsteiger Reinhold Messner stammt, bietet sich ein Atem beraubender Blick auf die Gipfel der Geislergruppe

Auf solche Despektierlichkeiten reagieren die Eisacktaler jedoch gelassen: "Unsere Beschränktheit sichert uns immerhin einen soliden Wohlstand", lacht Peter Righi, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Eisacktal, der wie die meisten jüngeren Südtiroler sowohl Deutsch als auch Italienisch spricht.

Im Eisacktal ist die "fünfte Jahreszeit", die Wintersportsaison, gerade in vollem Gange. Es wurde viel investiert in die Ski- und Snowboardpisten, Liftanlagen, Rodelbahnen und mehr. Für Entspannung nach der Pistengaudi sorgt in Brixen die neue "Aquarena", ein Badehaus mit mehreren Becken, Rutschen, Saunalandschaft sowie einem mit Salzwasser gefüllten Freibecken, von dem aus das Treiben oben am Berg betrachtet werden kann. Eine Kabinenbahn befördert die Skiläufer zum Bergrestaurant "Kreuztal" in 2050 Metern Höhe. Sessellifte schweben bis auf 2226 Meter oberhalb der Rossalm und bis zur 2477 Meter hoch gelegenen Pfannspitz-Hütte.

Aus dem Villnößtal, einem Seitental des Eisacktals, stammt der Bergsteiger Reinhold Messner. Hier in den Dolomiten begann auch seine Karriere: "Die Berge der nicht leicht zugänglichen Geislergruppe hat er schon früh bestiegen - natürlich ohne Seil und Haken", erzählt einer, der den Bezwinger des Mount Everest noch von früher kennt.

Die fünfte Jahreszeit: In der Wintersportsaison kommen Skifahrer und Snowboarder ins Eisacktal, um sich tagsüber auf den Hängen und Pisten zu amüsieren
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Die fünfte Jahreszeit: In der Wintersportsaison kommen Skifahrer und Snowboarder ins Eisacktal, um sich tagsüber auf den Hängen und Pisten zu amüsieren

Aber auch unterhalb der Bergriesen haben die Besucher ihren Spaß. Da bewegen sich ganze Familien auf Schneeschuhen in Richtung Alm, und in der von einem Kachelofen erwärmten Gaststube wird eine deftige Brotzeit aus Spinatknödeln, Schweinebraten und würzigem Kraut gehalten. Wenn er bei Laune ist, spielt der Wirt Toni ein paar Volksweisen auf der Gitarre, und alle singen mit.

So gestärkt geht es durch die herrliche Schneelandschaft. Mitten durch einen mit Eiskristallen behangenen "Märchenwald" führt die Langlaufloipe, auf der Wintersportler stundenlang die Natur genießen können, ohne anderen Menschen zu begegnen. Auf der Rodelbahn, die am Abend von Windlichtern beleuchtet wird, herrscht bis spät Trubel.

Nicht umsonst wird das Eisacktal auch das "Elsass Italiens" genannt. In den alten Städten wie Brixen, Sterzing und Klausen laden urgemütliche Gasthäuser zu kulinarischen Genüssen ein. Zum frischen Fisch aus den heimischen Gewässern bietet sich ein spritziger Weißer an, der in Italiens nördlichstem Weinanbaugebiet kultiviert wird.

Von Ute Buhr, gms



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