Wintersport-Trends Nanotechnologie macht Skier leichter

Die Wintersportsaison steht vor der Tür und der Skifan in den Startlöchern. Hersteller wie Atomic, Rossignol und Kneissl setzen in dieser Saison auf gemütliche Skier für entspannte Fahrer - und erproben neue Technologien.


München - Immer schneller, immer dynamischer, immer aggressiver: Skifahrer mit Mut zu Tempo und rasanten Kurven kamen in den vergangenen Wintern voll auf ihre Kosten. Doch jetzt drehen die Skihersteller das Rad wieder ein wenig zurück. Schnelle Slalom- und Race-Carver sind natürlich noch immer im Programm. Neuheiten werden im kommenden Winter aber vor allem für die Skifahrer angeboten, die die Piste ganz entspannt hinunterfahren wollen.

Izor-Linie von Atomic: Nanotechnologie wird für den mittleren Geschwindigkeitsbereich eingesetzt
GMS

Izor-Linie von Atomic: Nanotechnologie wird für den mittleren Geschwindigkeitsbereich eingesetzt

"Spielerisch, einfach und sicher fahren" lautet das Motto für die kommende Saison, heißt es bei der Messe München, die alljährlich die Wintersportmesse Ispo ausrichtet. Typisch für die neue Entwicklung ist zum Beispiel leichtes Equipment, das bequem zu tragen und zu bedienen ist und Fahrschwächen gut abfedern kann.

Härter und leichter für Anfänger

"Die Leute wollen in ihrer Freizeit viel Spaß und die Natur erleben - dafür muss ein Ski nicht schnell sein", erklärt Ludwig Gruber vom Hersteller Rossignol in Maisach (Bayern) diesen Trend. Ähnlich wird das beim Unternehmen Atomic aus Altenmarkt in Österreich gesehen. Die Firma setzt nach eigenen Angaben als weltweit erster Skihersteller auf die so genannte Nanotechnologie, verwendet sie aber nicht bei den absoluten Top-Modellen, sondern im gemäßigteren Geschwindigkeitsbereich. "Zielgruppe der neuen Izor-Linie sind Anfänger bis mittelgute Skifahrer", sagt Helge Gützlaff von Atomic.

Durch die ansonsten unter anderem in der Automobilindustrie und der Medizin verwendete Nanotechnologie können die behandelten Materialien zugleich extrem gehärtet und wesentlich leichter gemacht werden als üblich. Das soll laut Gützlaff den Kraftaufwand für Bewegungen verringern und dabei gleichzeitig für eine hohe Drehfreudigkeit und eine leichte Handhabung des Skis sorgen.

Mehr Sicherheit und Komfort

Das Unternehmen Kneissl aus Tirol setzt ebenfalls verstärkt auf Entspannung. Während der vergangenen zehn Jahre sei selbst der Breitensport sehr aggressiv konzipiert gewesen, heißt es bei Kneissl. Mittlerweile habe ein weltweiter Trend zur sanften Erholung eingesetzt. Entsprechend soll die neue "Glide"-Serie nicht für höheres Tempo, sondern in erster Linie für mehr Fahrsicherheit und -komfort sorgen. Ein Doppelkanten-Effekt verleihe den insgesamt drei Carver-Modellen, die für verschiedene Zielgruppen von Einsteigern bis zu sportlichen Fahrern gedacht sind, einen verbesserten Kantengriff und eine hohe Spurstabilität beim Kurvenfahren.

Enspannter Wintersportler: Die neuen Modelle setzen weniger auf Tempo und verzeihen kleine Fahrfehler
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Enspannter Wintersportler: Die neuen Modelle setzen weniger auf Tempo und verzeihen kleine Fahrfehler

Vor allem Pistenexperten hat dagegen die Konkurrenz von Head im österreichischen Schwechat im Blick. "Liquidmetal" - auf Deutsch: flüssiges Metall - heißt die neue Technologie, die aus dem Tennissport übernommen wurde und in allen Topmodellen zum Einsatz kommt. "Wir haben natürlich keine Flüssigkeit im Ski", erklärt Stefan Vollbach von Head. Vielmehr handle es sich dabei um ein Metall mit einer besonderen Molekularstruktur. Die Neuentwicklung soll nach Angaben von Vollbach den Ski extrem reaktionsschnell machen.

Damenkollektion gehört zum guten Ton

Zu den weiteren großen Trends des kommenden Winters zählt das stark gewachsene Angebot an so genannten Allround-Ski, die vielseitig einsetzbar sind - etwa auf einer harten Piste, aber auch für kleine Ausflüge ins Gelände. Immer häufiger finden sich zudem integrierte Ski-Bindungssysteme. "Es gibt noch Ski, die ohne Bindung verkauft werden, aber die Systeme setzen sich immer mehr durch", sagt Ludwig Gruber. Durch die genau abgestimmte Kombination sollen die Fahreigenschaften des Skis optimiert, das Fahren sicherer gemacht und die Kraft präziser übertragen werden.

Darüber hinaus setzt sich eine Entwicklung aus den vergangenen Jahren fort: Eine eigene Damenkollektion gehört für so gut wie alle Hersteller mittlerweile zum guten Ton - die meisten haben zu dieser Saison ihr Programm erheblich ausgebaut.

"Der Markt an Frauenprodukten wächst sehr stark - die USA sind da Vorreiter", sagt Stefan Vollbach. Bei der Entwicklung von Ski für Skifahrerinnen müssten das geringere Gewicht und die geringere Kraft sowie ein ausgeprägteres Sicherheitsbewusstsein berücksichtigt werden. Das Ergebnis sind beispielsweise Ski des Herstellers Head, die pro Paar etwa 500 Gramm weniger auf die Waage bringen und bei denen der Körperschwerpunkt um 1,5 Zentimeter nach vorne verlegt wurde.

Rosageblümte Girlie-Ski

Bei Rossignol finden sich 13 spezielle Damenmodelle. "Das geht von sehr sportlich bis zu Modellen für gelegentliche Skifahrerinnen", erklärt Ludwig Gruber. Ähnlich umfassend ist die Frauenlinie des Hersteller K2 aus Penzberg (Bayern), bei der "Women Will"-Kollektion von Salomon oder der "Balanze"-Serie von Atomic.

Die technischen Unterschiede zur männlichen Konkurrenz stehen zwar im Vordergrund, aber auch optisch unterscheiden sich die Damenmodelle - die Auswahl reicht dabei vom rosageblümten "Girlie"-Ski von Atomic bis hin zu klassisch gestalteten Brettern. "Erstmals bieten wir auch ein getrenntes Design für Mädchen und Jungen", erzählt Gruber.



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