Winterwetter Airports kämpfen mit Folgen des Chaos-Wochenendes

Der Schneefall hat nachgelassen, Räumkommandos schaufeln die Landebahnen frei: Nach dem chaotischen Wochenende kehren Europas Großflughäfen langsam zum Normalbetrieb zurück. Trotzdem starten noch viele Maschinen verspätet, in Frankfurt fallen mehr als 300 Flüge aus.


Frankfurt am Main/London/Paris - Schnee und Eis bescheren Europa auch zum Wochenanfang massive Verkehrsprobleme - doch Besserung ist in Sicht. In Frankfurt hat sich das Wetter nach den starken Schneefällen am Wochenende etwas beruhigt. "Der Flughafenbetrieb läuft weitgehend normal, die Start- und Landebahnen sind schnee- und eisfrei", sagte ein Fraport-Sprecher. Dennoch habe es 300 Annullierungen der 1340 geplanten Flüge gegeben. Diese seien aber auf die Wetterlage an anderen Flughäfen zurückzuführen.

Betroffen seien hauptsächlich Strecken innerhalb Deutschlands und Europas - vor allem von der Lufthansa, die in Frankfurt ihr wichtigstes Drehkreuz hat. Die Airline musste ihre Planung umstellen. Sie weitete den am Samstag eingesetzten Sonderflugplan mit erheblichen Streichungen von innerdeutschen und europäischen Flügen von und nach Frankfurt auf Montag aus.

Allerdings kann sich die Lage jederzeit wieder verschärfen. Inzwischen schneit es zwar in Frankfurt nicht mehr. Doch jetzt taue der Schnee, und es bilde sich Glätte, sagte eine Fraport-Sprecherin. Der Streudienst sei im Einsatz. Für den weiteren Tagesverlauf seien in Frankfurt erneut ein bis drei Zentimeter Neuschnee angekündigt.

Seit Freitag sind allein in Frankfurt weit über 1000 Flüge ausgefallen. Rund 800 Passagiere verbrachten laut einer Sprecherin die Nacht zum Sonntag auf Feldbetten im Terminal und wurden mit Getränken und Essen versorgt. "Die Stimmung ist unaufgeregt", sagte die Sprecherin . Für die Versorgung der Fluggäste seien die Airlines verantwortlich. "Wir stellen aber Schokolade, Getränke und Brötchen bereit."

Auch an anderen deutschen Flughäfen entspannt sich die Situation etwas. Die Lage am Düsseldorfer Flughafen besserte sich in der Nacht zum Montag merklich. "Es ist hier recht entspannt", sagte eine Sprecherin am frühen Montagmorgen. Am Vortag hatten wegen des winterlichen Wetters noch Dutzende Verbindungen gestrichen werden müssen. Nun sehe es so aus, als werde sich die Lage normalisieren.

Am Hamburger Flughafen sind am Montag alle Lufthansa-Flüge in Richtung Frankfurt gestrichen worden. Auch einige Maschinen nach London und Paris konnten nicht starten. An diesen Zielen sorgen Schnee und Eis weiterhin für Behinderungen und Ausfälle. "Von uns aus könnte alles gehen", sagte eine Sprecherin des Airports. Der alltägliche Betrieb laufe normal: "Wir haben keine langen Schlangen an den Terminals."

Chaotische Zustände in Heathrow

Auch an Europas größtem Flughafen London-Heathrow ist nach eineinhalb Tagen Sperrung der Flugbetrieb am Montag wieder angelaufen. Flugausfällen und Verspätungen sind aber weiterhin die Regel. "Wir arbeiten rund um die Uhr, um alles wieder normal laufen zu lassen", sagte ein Sprecher des Betreibers BAA. Für den Nachmittag seien aber neue Schneefälle angesagt, weshalb mit weiteren Beeinträchtigungen zu rechnen sei. Das Unternehmen teilte mit, dass in Heathrow am Montag nur eine begrenzte Anzahl von Flügen abgewickelt werden könnten. Auch in den nächsten Tagen sei mit weiteren Ausfällen und Verspätungen zu rechnen.

Auch eine Verbesserung der Wetterlage würde an der Situation zunächst nichts ändern, sagte Analyst Gert Zonneveld von Panmure Gordon. "Heathrow war die letzten beiden Tage mehr oder weniger geschlossen und es dauert seine Zeit, bis Normalität wieder hergestellt ist." Am Wochenende waren in Heathrow Hunderte Flüge wegen Schnee und Eis gestrichen worden.

Die Ausfälle hatten zu chaotischen Zuständen in den fünf Terminals des Flughafens geführt, der eines der wichtigsten Luftfahrt-Drehkreuze der Welt ist. Tausende Reisende saßen fest und mussten unter Isolierfolien und auf Isomatten campieren. Viele kritisierten, dass sie weder Informationen noch genügend Verpflegung erhalten hätten. Vor allem für Kinder, Alte und Kranke war die Situation schwierig.

Auch an den anderen Londoner Flughäfen Gatwick, Stansted, Luton sowie am kleineren City Airport begann sich der Flugbetrieb nun wieder zu normalisieren. Allerdings mussten auch dort die Passagiere mit Verspätungen rechnen.

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Schneechaos in Europa: Nächte am Flughafen
Wieder voll aufgenommen wurde auch der Luftverkehr auf den Pariser Großflughäfen Orly und Charles de Gaulle. Wegen heftigen Schneetreibens hatte der im Süden der französischen Hauptstadt gelegene Flughafen Orly am Montagmorgen zunächst komplett gesperrt werden müssen. Die Betreiber warnten aber auch am Montag vor Verspätungen. "Der Flugverkehr auf den Flughäfen in Paris ist stark beeinträchtigt", teilte die Zivilluftfahrtbehörde mit.

Tausende Reisende saßen in der Nacht am Flughafen Roissy-Charles de Gaulle fest, da ihre Maschinen nicht starten konnten. Die Fluggesellschaft Air France stellte den Gestrandeten 3000 Hotelzimmer zur Verfügung. Da jedoch auch Reisende von anderen europäischen Flughäfen nach Paris umgeleitet wurden, reichten die Unterkünfte nicht aus. Auch der Zugverkehr war stark beeinträchtigt, da die Züge wegen des Schnees langsamer fahren mussten. In 21 der 100 Departements in Frankreich galt die Alarmstufe Orange.

Verspätungen bei der Bahn

Auf der französischen Luftverkehrsdrehscheibe Roissy-Charles-de-Gaulle lief der Flugverkehr ebenfalls wieder an. Mehr als 3000 Menschen hatten dort die Nacht verbringen müssen, nachdem am Vortag Hunderte Flüge wegen Eis und Schnee gestrichen worden waren.

In Deutschland kämpft die Deutsche Bahn im Regional- und Fernverkehr nach wie vor mit dem Winterwetter. Die meisten Zugverspätungen lagen am Morgen allerdings unter 30 Minuten. Noch am Sonntag hatte die Bahn Reisende wegen der chaotischen Wetterzustände gebeten, die Züge wegen Überfüllung zu den Stoßzeiten nicht zu nutzen und auf die Randzeiten auszuweichen.

In Nordrhein-Westfalen verursachten mehrere Lastwagen trotz landesweiten Fahrverbots auf den Autobahnen einige Unfälle. Das Autobahnverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen wurde inzwischen für die Bezirke Münster und Detmold aufgehoben. Die Polizei warnt vor Blitzeis auf den Straßen.

abl/dpa/Reuters/dapd



insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
Koana 20.12.2010
1. bitte mehr Schnee
Zitat von sysopDer Schneefall hat nachgelassen, Räumkommandos schaufeln die Landebahnen frei: Nach dem chaotischen Wochenende kehren Europas Großflughäfen zum Normalbetrieb zurück. Trotzdem starten viele Maschinen verspätet, in Frankfurt fallen mehr als 300 Flüge aus. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,735596,00.html
.... wenn die Terminals überquellen, denken vielleicht manche mal über den Irrsinn der täglichen Völkerwanderung via "Luftstraße" nach, übrigens genauso auf dem Boden - der mobile Bürger wird von der Natur eingebremst - schön!!!
Herzbubi 20.12.2010
2. Im Chaos Ruhe bewahren
Zitat von sysopDer Schneefall hat nachgelassen, Räumkommandos schaufeln die Landebahnen frei: Nach dem chaotischen Wochenende kehren Europas Großflughäfen zum Normalbetrieb zurück. Trotzdem starten viele Maschinen verspätet, in Frankfurt fallen mehr als 300 Flüge aus. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,735596,00.html
Es ist schon beachtlich wie gut sich der internationale Frankfurter Flughafen seit Jahren im Winter bewährt. Viele fleißige Bienen halten dort die Startbahnen frei von Eis und Schnee: Respekt. Leider haben sich auch in diesem Jahr viele Reisende nicht auf den Winter entsprechend vorbereitet. Umso Erfreulicher dass, auch der Regionalflughafen Hamburg mit seinen wenigen Start und Landungen keine langen Schlangen an den Terminals hat.
Homanx 20.12.2010
3. Chaos Wochenende
Zitat von sysopDer Schneefall hat nachgelassen, Räumkommandos schaufeln die Landebahnen frei: Nach dem chaotischen Wochenende kehren Europas Großflughäfen zum Normalbetrieb zurück. Trotzdem starten viele Maschinen verspätet, in Frankfurt fallen mehr als 300 Flüge aus. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,735596,00.html
Welch ein Schmarrn: Chaoswochendende! Die einzigen, die chaotisch waren, waren die Autofahrer, die mit den Verhältnissen nicht klar kamen. 90% weniger dieser Hirnlosen auf den Straßen (unter anderem Fahrer von LKWs ohne Winterbereifung) und alles liefe wunderbar! Das ist wieder typisch: Immer ist jemand anderer/anderes Schuld, jetzt halt mal das Wetter. Hallo, das ist ein ganz normaler Winter mit Schnee!!!!!!! der Schneehomanx
GrafZahl 20.12.2010
4. Satire?
Zitat von HerzbubiEs ist schon beachtlich wie gut sich der internationale Frankfurter Flughafen seit Jahren im Winter bewährt. Viele fleißige Bienen halten dort die Startbahnen frei von Eis und Schnee: Respekt. Leider haben sich auch in diesem Jahr viele Reisende nicht auf den Winter entsprechend vorbereitet. Umso Erfreulicher dass, auch der Regionalflughafen Hamburg mit seinen wenigen Start und Landungen keine langen Schlangen an den Terminals hat.
Das war Satire, oder? Das einzige, was in Frankfurt zählt, ist Geld, die Fluggäste sind da nur störendes, meckerndes Beiwerk, das die vorübergehend nicht einnehmbaren Startgebühren durch hohen Konsum an teurer Flughafen-Verpflegung bezahlt, weil die Fraport AG sogar zu geizig ist, mehr als eine Tafel Schokolade rauszurücken und den Leuten ein richtiges Essen zu spendieren - von einer ordentlichen Schlafgelegenheit ganz abgesehen. Es wird immer mal wieder eine Schneefront oder einen Vulkanausbrich geben, aber darauf muß man sich als stinkreiches Unternehmen ja nicht einstellen... Ein unerwarteter Wintereinbruch - er ist jedes Jahr für die Flughäfen, die Bahn, den öffentlichen Nahverkehr, die Räumdienste, die Autofahrer und vor allem für die Speditionen total unerwartet.
TheBear, 20.12.2010
5. Unverschämtheit
Zitat von sysopDer Schneefall hat nachgelassen, Räumkommandos schaufeln die Landebahnen frei: Nach dem chaotischen Wochenende kehren Europas Großflughäfen zum Normalbetrieb zurück. Trotzdem starten viele Maschinen verspätet, in Frankfurt fallen mehr als 300 Flüge aus. http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,735596,00.html
Es ist zwar traurig, dass technisch hochgerüstete Staaten offensichtlich nicht mit doch relativ moderaten Unwettern fertig werden, sondern, dass Flughäfen und -linien nicht willens sind in die Informationspolitik zu investieren. Bei solchen - aus der Sicht der Fluglinien! - katastrophalen Zuständen sollte es zwingend vorgeschrieben sein, dass potentielle Passagiere sich, *bevor* sie zum Flughafen fahren, informieren können, ob ihr Flug stattfindet oder nicht. Dass würde natürlich etwas kosten, aber keiner kann mir sagen, dass dies heutzutage nicht möglich ist. Dass dies nicht - oder nicht ausreichend gemacht wird - ist die wirkliche Unverschämtheit bei der ganzen Sache.
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