World Trade Center als Landeplatz Googles Flugsuche startet mit Fauxpas

Google hat ein neues Internetangebot gestartet, über das Nutzer Flüge recherchieren können. Die Suchmaschine beinhaltet in der Anfangsphase nur ausgewählte US-Airports - dafür aber am ersten Tag gleich einen peinlichen Fehler: Unter den Landeplätzen in New York war das World Trade Center.

Screenshot der Google Flugsuche: "New York - World Trade Center - nicht verfügbar"

Screenshot der Google Flugsuche: "New York - World Trade Center - nicht verfügbar"


Mountain View - Google hat am Dienstag seine lange angekündigte neue Flugsuchmaschine gestartet. Sie funktioniert zunächst nur für ausgewählte Ziele in den USA. Mit dem neuen Dienst greift Google erstmals auf Technologien des für 700 Millionen Dollar gekauften Software-Spezialisten ITA zurück.

Sucht ein Google-Nutzer jetzt zum Beispiel nach Flügen von San Francisco nach Chicago, bekommt er eine Liste mit den Angeboten verschiedener Fluggesellschaften, ihren Verbindungen und Preisen angezeigt.

Gibt es in einer Stadt mehrere Flughäfen und Landeplätze - wie in New York -, kann sich der Nutzer zwischen den Airports entscheiden. Kurioserweise wurden im Falle von New York am ersten Tag nach Freischaltung der Flugsuche nicht nur der John F. Kennedy International Airport, La Guardia und Newark gelistet, sondern auch das World Trade Center. Ein Leser der australischen Tageszeitung "The Age" hatte die peinliche Panne entdeckt.

Zwar wurde das World Trade Center in der Google Flugsuche als "unavailable" (auf Deutsch: nicht verfügbar) gekennzeichnet. Doch gerade das könnten manche Nutzer als geradezu zynische Bemerkung verstehen - erst am Sonntag hatten Menschen auf der ganzen Welt der Opfer gedacht, die bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den Trümmern des World Trade Center starben.

Inzwischen hat Google den Datenbankeintrag zum World Trade Center gelöscht und will nun "prüfen, ob weitere Flughäfen gestrichen werden müssen", wie eine Unternehmenssprecherin der Zeitung "The Age" sagte. "Wir wollen nur solche Airports in der Suchmaschine listen, die in Betrieb sind", heißt es weiter. Den unsinnigen Eintrag habe man schlicht übersehen.

Dass das World Trade Center überhaupt in der Suchmaschine auftauchen konnte, lag dem Bericht nach an den Datenbanken, aus denen Google seine Informationen speist: Flughafenlisten der International Air Transport Association (IATA) und der International Civil Aviation Organisation (ICAO). Airport-Codes (zum Beispiel SFO für San Francisco oder JFK für den New Yorker Flughafen John F. Kennedy) bleiben im System, auch wenn ein Flughafen gar nicht mehr angeflogen wird - oder aber nicht mehr existiert wie im Falle des Helikopter-Landeplatzes auf dem World Trade Center.

Suchkriterien wie gutes Preis-Flugzeit-Verhältnis

Über den Entwicklungsstatus seiner Flug-Suchmaschine schreibt Google in einem Blogeintrag, die aktuelle Version sei "the takeoff, not the final destination" (auf Deutsch etwa: "der Start, nicht das Ziel der Reise"). Man wolle das Angebot nach und nach verbessern.

Schon jetzt verspricht Google "super-schnelle Ergebnisse" sowie "eine simple Auflistung der relevantesten Flüge". Die voreingestellten Suchmechanismen filterten vor allem Flüge heraus, die ein gutes Preis-Flugzeit-Verhältnis hätten.

Zudem biete die Website praktische Optionen für Nutzer, die bezüglich ihres Reiseziels oder -zeitraums flexibel sind. Auf einer interaktiven Landkarte kann man als Abflugort beispielsweise Chicago markieren und dann Ziele suchen, die von dort aus in weniger als zwei Stunden und für weniger als 200 US-Dollar erreichbar sind. Erweitert man die Suchbedingungen, zum Beispiel auf maximal fünf Stunden Flugzeit und 500 US-Dollar Flugpreis, werden weitere Flughäfen auf der Karte angezeigt.

Googles ITA-Übernahme war im Frühjahr nach längerer Prüfung durch US-amerikanische Kartellwächter freigegeben worden. Reise-Suchmaschinen wie Kayak hatten zuvor öffentlich Sorge um die Wettbewerbssituation geäußert. Besonders brisant: Kayak ist auch ein ITA-Kunde. "Wir sind von unserer Konkurrenzfähigkeit überzeugt", sagte Marketingmanager Robert Birge am Dienstag. Trotzig fügte er hinzu: Die Suchtechnologie von Kayak sei besser als die des Internet-Giganten Google.

jus/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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MaewNam 14.09.2011
1. WTC hatte IATA-Code
Des Rätsels Lösung ist ganz einfach. Die der Datenbank sind alle IATA-Abkürzungen der Flugplätze hinterlegt, und da haben auch etwas exotische Landeplätze einen Dreibuchstabencode. Unter anderem hatte der Heliport auf dem WTC eben den Code WTC. Da gab es zwar noch nie Linienflüge hin, und den als Flugziel und zur Zeit unerreichbar anzuzeigen klingt nach Realsatire oder schlechtem Scherz, ist aber nur eine etwas zu größzügigem Datenbankimport zuzuschreiben.
hans_spam 14.09.2011
2. Zynismus...
Dass das World-Trade-Center gelistet wird, ist genauso zynisch wie die Anzeige, die das Buch "Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt" bewirbt. In beiden Fällen werden es offenbar keine fehlgeleiteten Menschen gewesen sein, sondern vielleicht ein erratischer Algorithmus?! Naja, vielleicht reicht's dann noch für eine Verwertung der Verschwörungstheoretiker.
fo5 14.09.2011
3. Unavailable zeigt nicht an ob der Flughafen physisch verfügbar ist.
Wie man auf dem Bild sieht ist nicht nur das WTC unavailable sondern alle Heliports in NYC. Normalerweise gehen von dort aus auch keine Linienflüge sonder nur Charter- & Rundflüge. Wobei es früher mal einen regulären Zubringerdienst PAN-AM building - JFK gegeben hat.
hdudeck 14.09.2011
4. Habe es
ausprobiert und bin begeistert. Wiklich schnell und ich habe viele Parameter, die ich veraendern kann, ohne wieder von Vorn starten zu muessen.
joachim_m. 14.09.2011
5. Das gibt zu denken
Bösartigkeit oder ähnliches sind bestimmt nicht der Grund. Aber es ergibt sich eine andere Frage: Wie aktuell sind eigentlich die Daten? Fehlen vielleicht auch neuere Flugplätze, die erst nach 9/11 eröffnet wurden?
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