"Yoga on Snow" in St. Moritz Sonnengruß mit Skibrille

Der Krieger, der Baum und ein Engel im Schnee: St. Moritz hat eine Piste für die Yoga-Fans unter den Skifahrern eingerichtet. Im Interview erzählt Sportlehrerin Sabrina Nussbaum, was ihre Schüler von der Natur lernen können und warum auch Männer ihre Lektionen schätzen.

Nick Nussbaum

Zur Person
    Sabrina Nussbaum ist Bewegungspädagogin, Hatha-Vinyasa-Yoga-, Ski- und Snowboardlehrerin. Die 48-Jährige macht seit 27 Jahren Yoga, am liebsten im Freien.
SPIEGEL ONLINE: Guten Morgen, Frau Nussbaum, heute schon Yoga gemacht?

Nussbaum: Ja, aber ich hatte ein Problem mit der Heizung - es ging also ein bisschen schneller als sonst.

SPIEGEL ONLINE: Ihnen war kalt? Das klingt wie eine gute Vorbereitung für Ihre Arbeit als "Yoga on Snow"-Lehrerin. Wie kamen Sie dazu?

Nussbaum: Mein Mann und ich haben vor ein paar Jahren einen Yoga-Wanderweg in einem Wald im Tessin, in der italienischen Schweiz, gebaut. Dieses Konzept haben wir in St. Moritz auf die Piste gebracht. "Yoga on Snow" ist aufgebaut wie eine normale Lektion: Man macht acht Übungen an vier mit Holzpfosten markierten Orten etwas außerhalb der Piste. Die Skier können Sie bei fast allen Übungen angeschnallt lassen.

SPIEGEL ONLINE: Ist das Winterwetter überhaupt Yoga-tauglich?

Nussbaum: Heute ist es wunderschön, keine Wolke am Himmel, sehr kalt - minus 15 Grad und ein bisschen windig. Das ist eigentlich das Wichtigste: wahrzunehmen, wie das Wetter ist, und es dann so anzunehmen. Wenn es zum Beispiel so richtig schön schneit, entsteht eine innere Ruhe, die viele erst wieder kennenlernen müssen. Unser Job als Skilehrer ist es, in den Bergen auch so etwas zu vermitteln.

SPIEGEL ONLINE: Wie kamen Sie denn zum Yoga?

Nussbaum: Ich unterrichte seit mehr als 25 Jahren Ski, Snowboard, Windsurfen und andere Sportarten. Yoga hat mich dabei immer begleitet. Auch in Verbindung mit Skifahren habe ich es schon lange praktiziert, ohne das zu vermarkten. Für mich ist Yoga eine Lebensphilosophie, die mir hilft, das Leben bewusster zu erleben. Und die mir auch hilft, die vielen Menschen, denen ich beruflich begegne, besser zu verstehen.

SPIEGEL ONLINE: Was fällt Ihnen an Ihren Schülern am meisten auf?

Nussbaum: Viele Menschen gehen Ski laufen, weil sie in die Natur wollen. Aber oft ist ihnen dann gar nicht bewusst, dass sie sich auf einem Berg befinden - und nicht nur auf einer angelegten Piste. Ich möchte meinen Schülern helfen, sich selbst wieder als Teil der Natur zu spüren und diese wieder wahrzunehmen. Sich nicht vom GPS-Gerät die Richtung vorgeben zu lassen, sondern vom Wind. Bei Yoga geht es um Respekt. Und die Natur ist da die beste Lehrerin.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Nussbaum: Ein Beispiel: Die Leute fahren mit ihrem Auto auf den Parkplatz und rennen zur Sesselbahn, bis sie auf einmal merken: Oh, ich bekomme keine Luft mehr, ich bin gar nicht fit genug fürs Skifahren. Die Natur sagt ihnen, dass sie aufgrund der Höhe langsamer gehen müssen. Solche Selbstwahrnehmungen sollte man versuchen, mit nach Hause zu nehmen.

SPIEGEL ONLINE: Und da hilft "Yoga on Snow"?

Nussbaum: Ja, denn was der Körper erlebt hat, erinnert er auch. Wenn ich nur Theorie lerne, ist die spätestens nach dem Urlaub vergessen. Das entspannte Gefühl der Füße in den Schuhen aber bleibt.

SPIEGEL ONLINE: Wer macht "Yoga on Snow"?

Nussbaum: Yoga wird von Frauen dominiert, die sind offener dafür. Männer vermuten oft, dass sie für Yoga extrem beweglich sein müssten oder spirituell - was wir dann aber auf Skiern machen, ist das genaue Gegenteil. Sie können ja trotzdem schnell fahren und freeriden. Wir bringen ihnen nur ein besseres Körperbewusstsein bei, zum Beispiel wie man bewusst den Atem einsetzen kann. Und dann merken auch die Männer, dass sie das Skifahren noch auf eine andere, rundere Art genießen können.

SPIEGEL ONLINE: Rasante Abfahrten und Yoga schließen sich nicht aus?

Nussbaum: Nein, man darf niemanden verbieten, schnell Ski zu fahren. Andere Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind, ist ein Teil von Yama und Nijama, der Yoga-Philosophie. Vielleicht haben ja solche Raser ein ganzes Jahr gespart, um einen Tag in St. Moritz Skifahren zu können. Lasst sie die Piste runterrasen, das ist ihr Recht!

SPIEGEL ONLINE: Es geht also um Respekt.

Nussbaum: Ja, und den kann man beim Skifahren wieder lernen. Warum nicht mal einen Sessel am überfüllten Lift auslassen? Warum nicht mal warten und eine große Gruppe am Hang vorbeilassen? Was würde das an deinem Leben andern? Nichts. Aber viele Menschen können sich nicht mehr einfügen, heute füttert jeder sein Ego.

SPIEGEL ONLINE: Yoga ist sehr populär, es gibt alle möglichen Varianten - warum jetzt noch "Yoga on Snow"?

Nussbaum: Von diesen ganzen Asanas, den Positionen, habe ich die Nase voll: Jeder macht Kopfstand, steckt die Füße hinter den Kopf - aber Yoga ist keine verrückte Übung. Für mich ist jeder Mensch ein Yogi.

SPIEGEL ONLINE: Wie meinen Sie das?

Nussbaum: Jeder hat Yoga in sich, auch wenn er es nicht weiß. Yoga bedeutet, sorgsam mit sich, seinem Körper und seinen Mitmenschen umzugehen. Und aufmerksam zu sein in allem, was man tut. Wenn Sie heute Abend eine Karotte schneiden und sich dabei sagen: Ich ernähre mich gut, das tut mir gut. Dann kommt das von Herzen. Und alles, was man mit Herz tut, hat mit Liebe zu tun. Wenn wir eine Karotte mit Liebe schneiden, dann ist das schon Yoga.

Das Interview führte Eva-Maria Träger

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insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
Jöge 15.01.2014
1. Bitte nicht ...
... oh Gott, was für ein hanebüchener Stuss: "Wenn wir eine Karotte mit Liebe schneiden, dann ist das schon Yoga." Warum landet so ein sinnfreies Interview in SPON? Was soll diese St. Moritz-Promo? Dinge, die die Welt wirklich nicht braucht!
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