Heiratsantrag im Yosemite-Park Fotograf sucht nach verlobtem Paar

Ein US-Fotograf sieht an einem Aussichtspunkt im Yosemite-Park ein Paar, das sich offenbar gerade verlobt. Er drückt auf den Auslöser seiner Kamera. Nun sucht er im Internet nach ihnen.


Die Szenerie könnte romantischer kaum sein: Das Abendlicht der untergehenden Sonne wirft Strahlen zwischen die zerklüfteten Berge des Yosemite-Nationalparks im US-Bundesstaat Kalifornien. Ein kleines Felsplateau ragt in die Schlucht. Der Blick über die senkrecht abfallenden Felsen muss atemberaubend sein. Kein Wunder, dass ein Mann genau diesen Ort gewählt hat, um seine Freundin zu fragen, ob sie ihn heiraten will.

Der Felsen nennt sich "Taft Point" und ist ein bekannter Aussichtspunkt im Nationalpark. Schon viele Paare sind hierhergekommen, um sich zu verloben, um zu heiraten oder einfach Arm in Arm den Sonnenuntergang anzuschauen. An manchen Tagen ist der Ansturm so groß, dass die Besucher warten müssen, bis sie auf den Aussichtspunkt treten können.

Der Fotograf Matthew Dippel positionierte sich Anfang Oktober gegenüber des Felsens, um seinen Freund Josh zu fotografieren, der auf dem markanten Felsvorsprung posieren wollte. Dippel wartete darauf, dass sein Kumpel auf den Felsen tritt - stattdessen erschien ein Paar auf dem Aussichtspunkt. Der Mann kniete nieder, nahm ihre Hand. Dippel drückte reflexartig auf den Auslöser seiner Kamera, offenbar hatte er gerade einen Heiratsantrag vor der Linse.

"Ich habe mich umgedreht, ob da noch ein anderer war, der das Paar fotografierte" sagte Dippel der BBC. "Aber da war niemand außer mir." Er wartete noch auf Josh, machte ein Foto seines Freundes auf dem Taft Point und rannte anschließend hinüber zu dem Felsvorsprung, um dem frisch verlobten Paar das wohl einzige Foto ihrer Verlobung zu zeigen.

Das perfekte Erinnerungsfoto - aber wo ist das Paar?

Doch als er ankam, fand er den Bereich vor dem berühmten Aussichtspunkt voller Menschen. "Ich habe versucht, die beiden zu finden, habe etwa 20 oder 25 Leute gefragt", sagte Dippel laut CNN. "Aber sie waren nicht da." Auch Josh habe die beiden nicht bemerkt. Ärgerlich, denn Dippel hatte gerade das perfekte Erinnerungsfoto ihrer Verlobung gemacht.

Zurück zu Hause in Michigan postete er das Foto auf seiner Facebook-Seite zusammen mit dem Aufruf: "Okay, Internet, ich brauche deine Hilfe. Helft mir, diese beiden zu finden. Das hier wurde am Taft Point, im Yosemite-Nationalpark am 6. Oktober 2018 aufgenommen. Ich habe das Foto gemacht und würde mich freuen, wenn sie es finden würden." Tausende teilten den Beitrag.

Doch auch zwei Wochen später bleibt die Internetsuche, die sich auch auf Twitter und Instagram ausweitete, ohne Erfolg. Dippel erhielt nicht nur positive Rückmeldung auf seinen Aufruf. Einige Nutzer bezweifelten die Echtheit des Bildes. Das Paar stehe viel zu nah an der Klippe. Und: Es gebe keine Kamera, die es schaffe, ein Foto aus dieser Entfernung in solcher Detailstärke zu machen.

Andere warfen ihm vor, die Privatsphäre des Paares zu stören. "Warum lässt du diese Menschen nicht in Frieden? Dieser Moment war nur für sie bestimmt, nicht für irgendwen anders. Warum zwingst du sie nun um jeden Preis, die neuen Internet-Lieblinge zu sein?", schrieb ein Nutzer unter das Foto. Die meisten der rund 1000 Kommentatoren jedoch zeigten sich entweder romantisch berührt oder hilfsbereit und versprachen, bei der Suche nach dem frisch verlobten Paar zu helfen.

Dippel nahm auf Instagram zu den Hassbotschaften Stellung: "Ich habe das Paar noch nicht gefunden", schrieb er am Dienstag. "An alle, die mir Hassnachrichten geschrieben haben, die mich beschuldigt haben, das für Internet-Ruhm gefälscht zu haben, oder die versucht haben, meinen Ruf zu ruinieren: Ich hoffe, ihr wisst, dass ich auch Gefühle habe. Ich würde niemals etwas für kurzen Ruhm im Internet fälschen. Wer mich kennt, weiß, dass ich einfach nur aufrichtig das Paar auf dem Foto finden will."

kry



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