Hotels in Deutschland Der große Sterneschummel

Viele Hotels in Deutschland rühmen sich zu Unrecht mit bis zu fünf Sternen - und täuschen damit ihre Gäste. Sie verleihen sich die Auszeichnung zum Teil selbst, ergab erneut eine Überprüfung des ZDF.

Je mehr Sterne ein Hotel hat, desto teurer können die Zimmer sein. Klar, dass man als Hotelier lieber eine Fünf-Sterne-Plakette an der Rezeption kleben hat als eine mit nur einem Stern. Um sich mit so einer Auszeichnung rühmen zu können, bedarf es der Klassifizierung durch den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Damit jedoch scheinen es viele Unterkünfte nicht so genau zu nehmen, wie das ZDF nach genauerer Betrachtung bestätigt.

Beim Überprüfen von 1000 Hotels in zehn deutschen Städten kam heraus, dass 251 Häuser offiziell gar nicht klassifiziert waren. Sie warben mit jeweils drei, vier oder fünf Sternen, die sie sich "entweder selbst verliehen haben oder die zum Teil lange abgelaufen sind", schreibt das ZDF auf seiner Website .

Durchgeführt wurde der Test von den Redaktionen "ZDFzoom" und "Frontal21". Vor allem in Köln gebe es dem Bericht nach viele Hotels, die ihre Gäste in die Irre führen: 34 Prozent der überprüften Häuser werben unrechtmäßig mit Sternen. In Berlin sind es zehn Prozent, München liegt mit 25 Prozent genau im Durchschnitt.

Unter den Mogel-Hotels ist unter anderem das Sofitel am Berliner Gendarmenmarkt. Laut dem TV-Beitrag rechtfertigt die Direktion die falsche Sterneangabe mit einer Kommunikationspanne. Es habe sich um eine "interne Bewertung" gehandelt, die "aus Versehen in die Öffentlichkeit gelangt" war: "ein Einzelfall". Das Sofitel gehört zur internationalen Gruppe Accor Hotels, die im Internet unrechtmäßig weitere sechs Häuser als Sternehotels kennzeichnete.

Ob es sich um "falsche" oder "echte" Sterne handelt, sei für Kunden meist nicht ersichtlich, sagt Tourismuswissenschaftler Martin Linne in dem Beitrag. Er glaubt allerdings, dass man "relativ schnell auf schwarze Schafe bei der ganzen Geschichte" stoßen könne. Dafür allerdings müsste der verantwortliche Dehoga die Unterkünfte genauer unter die Lupe nehmen. Der Verband dürfe es sich nicht gefallen lassen, "dass sein eigenes System auf diese Art und Weise missbraucht und verwässert wird", sondern es regelmäßig kontrollieren. Für Linne ist dieser "lasche" und "inkonsequente" Umgang mit dem Sternesystem unhaltbar.

Viel Spielraum zum "Tricksen"

Um sich überhaupt mit Sternen brüsten zu können, muss ein Hotelbetreiber die Klassifizierung durch den Dehoga anmelden und allerhand Details in einen Erhebungsbogen eintragen - von der Größe der Zimmer und Betten bis hin zu den Einwegschlappen. Vor Ort sollen sich die Prüfer dann von der Richtigkeit der Angaben überzeugen. Dies geschehe aber nur stichprobenartig, berichtet das ZDF unter Berufung auf Branchenkenner. "Das heißt, die Prüfer schauen sich nur einen Bruchteil aller Zimmer an."

Laut dem Dehoga ist "ein systematisches Durchsuchen des Internets" nach schwarzen Schafen "schlichtweg unmöglich". Man könne nicht umfassend überprüfen, "ob irgendwo Sterne mit Hotels in Verbindung stehen und prüfen, ob diese offiziell klassifiziert wurden", sagt Markus Luthe in dem Beitrag, der beim Bundes-Dehoga für die Sterneklassifizierung verantwortlich ist.

Dennoch will der Dehoga nun laut einer aktuellen Stellungnahme seine "Eigenrecherchen intensivieren und systematisieren, um die Interessen klassifizierter Betriebe und unsere Markenrechte zu wahren". "Das vom ZDF ermittelte Ausmaß illegitimer Sternewerbung scheint erheblich zu sein."

Hoteliers müssen für die Klassifizierung mehrere hundert Euro an den Dehoga zahlen. Die verliehenen Sterne sind drei Jahre lang gültig. Nach Ablauf dieser Frist muss sich die Unterkunft erneut um die Auszeichnung bemühen, wenn sie sich damit schmücken will. Rund 8700 von 20.000 Hotels in Deutschland sind derzeit klassifiziert.

Der aktuelle ZDF-Bericht wirft ein extrem schlechtes Licht auf das Bewertungssystem der deutschen Hotellerie, an dem sich Menschen aus aller Welt orientieren, wenn sie zwischen Berlin und dem Bodensee eine Übernachtung buchen wollen. Dass mit Sternen gemogelt wird, ist allerdings keine ganz neue Erkenntnis. Die NDR-Sendung "Markt"  hatte bereits 2013 über die zweifelhafte Praxis berichtet. Bei einer Stichprobe von 120 Hotels in Norddeutschland kam heraus, dass 50 Häuser falsche Angaben gemacht hatten.

In dem Beitrag von "ZDFzoom" kommt auch ein Hotelier zu Wort, der seit Jahren im Geschäft ist und weiß, dass man viel Spielraum zum "Tricksen" hat. "Man kennt sich und hilft sich im Verband. Da wird dann auch mal jemand auf eine bestimmte Sternekategorie hochgehievt, die er objektiv gar nicht erfüllt."


Den Beitrag zum großen Sterneschummel  können Sie hier ansehen.

jus

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