Zu schwer zum Fliegen Airline lässt übergewichtiges Personal am Boden

Wer nicht abspeckt, bleibt am Boden: Eine indische Fluggesellschaft darf laut einem Gerichtsurteil übergewichtige Crew-Mitglieder vom Dienst in der Luft ausschließen. Pfundige Passagiere wurden in den USA per Zeitungsanzeige mit einem gewichtsabhängigen Ticket-Preismodell erschreckt.


Neu-Delhi/Philadelphia - Keine Gnade für das Flugpersonal von Air India: Die rund 1600 Crew-Mitarbeiter der nationalen Fluggesellschaft müssen Arbeiten am Boden verrichten, wenn sie übergewichtig sind. Diese Entscheidung bestätigte jetzt ein Gericht in Neu-Delhi. Es sei nichts "Unvernünftiges oder Willkürliches" an dieser Entscheidung, hieß es nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur zur Begründung. "Das Gericht hat unseren Standpunkt in allen Punkten gerechtfertigt", sagte ein Sprecher von Air India.

2,25 Dollar pro Pfund Körpergewicht: Für schwere US-Flugpassagiere wird es bei "Derrie-Air" angeblich teurer
AP

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Das Unternehmen hatte vor zwei Jahren seine Mitarbeiter aufgefordert, in den folgenden zwei Monaten abzunehmen, ansonsten drohten Arbeiten am Boden. Einige Mitarbeiter hatten daraufhin geklagt. Fitness und Tauglichkeit seien die Gründe für die Gewichtsstandards der Airline, begründete Air India den Schritt. Das Unternehmen hatte in Abhängigkeit von Gewicht, Größe und Geschlecht die Maße für ihre Beschäftigten festgelegt

Dass auch übergewichtige Passagiere diskriminiert werden können, erfuhren Leser von zwei Zeitungen in den USA: Eine Fluggesellschaft namens Derrie-Air hatte in Philadelphia ganzseitige Anzeigen mit dem Slogan "The more you weigh, the more you pay" - "Je mehr Sie wiegen, desto mehr zahlen Sie" - geschaltet. Auf der Webseite rühmt sich die angebliche Fluglinie damit, die einzige CO2-neutrale Airline der Welt zu sein. Ein Flug von Philadelphia nach Chicago koste 1,40 Dollar pro Pfund Körpergewicht, die Strecke nach Los Angeles schlage mit 2,25 Dollar zu Buche.

Besorgte Leser, die angesichts ihrer Leibesfülle satte Ticketpreise errechneten, durften jedoch aufatmen: Bei der Kampagne handelte es sich um einen Werbegag eines Anzeigenvermarkters, die Fluggesellschaft entpuppte sich als reine Erfindung. Der Auftraggeber habe mit der Idee lediglich die Reaktion auf Anzeigen in Print- und Online-Produkten testen wollen und ein aktuelles Umweltthema gewählt, das alle Bürger interessiert, erklärte die Philadelphia Media Holding. "In anderen Worten", heißt es dort weiter, "lächeln Sie bitte. Wir nehmen Sie auf den Arm."

reh/AP



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