Zyklon "Yasi" Australien-Touristen bringen sich in Sicherheit

Der gigantische Zyklon in Australien betrifft auch zahlreiche Reisende: Die Küstenstädte Cairns und Townsville sind vor allem bei Tauchern beliebt, die zum Great Barrier Reef wollen. Von den berühmten Whitsunday-Inseln wurden 3000 Touristen evakuiert.

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Hamburg - Die Menschen haben ihre Häuser mit Brettern verbarrikadiert, Tausende versammelten sich in Notunterkünften: In Australien trifft am Mittwoch der schlimmste Zyklon seit Jahrzehnten auf die Ostküste. Die am stärksten betroffenen Regionen im Norden des Bundesstaates Queensland sind beliebte Touristenziele. Von Cairns und Townsville aus reisen viele Besucher zum Great Barrier Reef, das als eine der spektakulärsten Tauchregionen der Welt gilt.

Während die Australier erst im Jahr 2006 mit "Larry" einen verheerenden Zyklon erlebten und mit den Sicherheitsmaßnahmen für Tropenstürme vertraut sind, trifft viele Touristen die Notfallsituation völlig unvorbereitet.

Vergeblich suchte die Österreicherin Jeannie Kirchberger in Cairns nach einem Platz in den überfüllten Notunterkünften, wie sie der Zeitung "Cairns Post" berichtete. Sie traf am Dienstag aus Papua-Neuguinea in Cairns ein. "Niemand hat uns etwas gesagt. Unsere Verwandten zu Hause machen sich große Sorgen", sagte sie der Zeitung.

Viele Backpacker-Unterkünfte wurden geräumt, die Angst vor Einstürzen durch das gigantische Unwetter ist groß. "Anscheinend bedeutet das eine enorme Zerstörung", sagte eine Rucksacktouristin in einer der Notunterkünfte dem australischen Medienkonzern "ABC". "Wir wissen das nicht so genau, wir kommen aus England." Auch eine französische Touristin war sich nicht sicher, was von dem Unwetter zu erwarten sei. "Wir waren im roten Bereich auf der Zyklon-Karte, darum sind wir hierher gekommen."

Mehrere Flughäfen geschlossen

In Cairns waren Freiwillige damit beschäftigt, die Facebook-Seiten der Polizei von Queensland ins Deutsche und ins Japanische zu übersetzen, wie das Internetportal "Ninemsn" berichtete. Tourveranstalter machen sich Sorgen um Australien-Besucher. "Wir merken, dass speziell Rucksacktouristen überfordert sind, und können sie alle nur ermahnen, vorsichtig zu sein und den Ratschlägen der Hostel-Betreiber zu folgen", sagte Robert Thomas, Chef des Busunternehmens Greyhound Australia. Zusätzliche Busse seien im Einsatz, um Backpacker aus den Küstenorten Airlie Beach und Mission Beach südlich von Cairns zu bringen.

Am Dienstag und am Mittwochmorgen setzte auch die Fluggesellschaft Qantas noch mehrere Sondermaschinen ein, um Menschen aus Cairns und Townsville in Sicherheit zu bringen. Laut Medienberichten waren die Maschinen schnell ausgebucht, verzweifelte Reisende sicherten sich demnach zuletzt noch Sitze in der Business Class, die für eine Strecke 1100 australische Dollar (804 Euro) kosteten.

Am Mittwoch wurde der Flughafen von Cairns geschlossen. Mindestens bis Donnerstag werde man wegen des Unwetters keine Starts und Landungen mehr in Cairns und Townsville durchführen können, kündigte Qantas auf ihrer Webseite an. Auch sämtliche Flüge aller Fluggesellschaften zu den Airports in Proserpine und auf Hamilton Island wurden bis Donnerstag gestrichen.

Insgesamt 3000 Touristen wurden von den Whitsunday Islands in Sicherheit gebracht, wie die Zeitung "Courier Mail" berichtet. Die Inselgruppe ist populär für Segelausflüge und für ihre phantastischen Sandstrände.

Reisende müssten sich darauf einstellen, dass der Zyklon die Reisebedingungen im Norden Queenslands in den nächsten Tagen beeinträchtigen wird, teilte "Tourism Queensland" mit. Die Reiseveranstalter FTI in München sowie Dertour und Meier's Weltreisen in Frankfurt am Main bieten für Reisen ins nördliche Queensland inzwischen kostenlose Stornierungen und Umbuchungen an. Das gelte für alle Buchungen mit Anreise bis einschließlich 5. Februar, teilten die Unternehmen übereinstimmend mit. Schon laufende Rundreisen seien umgeleitet und Gäste am Ort informiert worden. Wer nur ein Flugticket nach Queensland gebucht hat, müsse sich wegen eventueller Stornierungen direkt an seine Fluggesellschaft wenden.

Die ersten Ausläufer des Sturms haben nun die Küste erreicht. Gegen Mitternacht, etwa um 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit, soll "Yasi" mit voller Wucht das Festland zwischen Innisfail und Cardwell erreichen. Die Küstenwache fürchtet eine meterhohe Flut, die Tausende Häuser überfluten könnte. Innisfail war erst 2006 von dem Zyklon "Larry" schwer verwüstet worden. Doch "Yasi" ist wesentlich größer und auch stärker als der Zyklon "Tracy", der Weihnachten 1974 Darwin verwüstete und 71 Menschen in den Tod riss.

sto/dpa



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