Anbieter im Test Wie kompensiere ich meine Reise am besten?

Wer in den Urlaub fliegt, hinterlässt einen großen CO₂-Fußabdruck. Mit einer Kompensationszahlung kann man zumindest einen Ausgleich schaffen. Finanztest hat vier Anbieter geprüft.
Flugreise: CO₂-Ausstoß kompensieren – nur wie?

Flugreise: CO₂-Ausstoß kompensieren – nur wie?

Foto: Mathias Zaglmayer / EyeEm / Getty Images

Egal, ob mit Auto, Bahn, Flugzeug oder Kreuzfahrtschiff, ob im Hotel oder in einer Ferienwohnung: Wer reist, verursacht meist einen CO₂-Ausstoß, der größer ist als der, den man im Alltag zu Hause produziert.

Auch wenn das Vermeiden der Emissionen – entweder durch die touristischen Anbieter oder die Reisenden – die beste Lösung wäre: Ausgleichen lässt sich die Emission durch die Unterstützung von Klimaschutzprojekten, die wiederum CO₂ einsparen sollen. So die Idee der Klimakompensationsanbieter, die mit den freiwilligen Spenden etwa den Bau von Biogas- oder Solaranlagen oder Waldaufforstung finanzieren.

Doch wo ist die Spende am wirkungsvollsten? Das hat die Stiftung Warentest in ihrer Zeitschrift »Finanztest« (11/2022) (kostenpflichtiger Link ) untersucht. Ihr Fazit: Vor allem in der Qualität der Kompensation – also dem Kern des Angebots – gibt es unter großen Anbietern auf dem deutschen Markt Unterschiede. Für die Untersuchung hat Finanztest nach eigenen Angaben Fragebögen verschickt und die Internetseiten der Anbieter ausgewertet. Untersuchungszeitraum war von Juni bis September 2022.

Nur Atmosfair  konnte vollumfänglich überzeugen, weil dort »ausschließlich nach dem hochwertigen Goldstandard zertifizierte Klimaschutzprojekte« betrieben werden, heißt es in dem Bericht. Der Anbieter bekam auch die einzige »Sehr gut«-Gesamtnote (0,5) im Test und die beste Note in der Kompensationsqualität (ebenfalls 0,5).

Die Anbieter Klima-Kollekte , Primaklima  und Myclimate Deutschland  hätten sich bei der Qualität der Kompensation im Vergleich zu einer vergangenen Untersuchung im Jahr 2018 verschlechtert, so Finanztest. Bemängelt wird die Entwicklung des Zertifikate-Portfolios, hier habe die Güte abgenommen. Mit Zertifikaten wird – vereinfacht gesagt – die Treibhausgaseinsparung durch bestimmte Klimaschutzprojekte bestätigt.

Klima-Kollekte (1,7) und Primaklima (2,5) wurden insgesamt »gut« benotet, Myclimate Deutschland »ausreichend« (4,0). Hier kritisierten die Tester, dass auch sogenannte Ex-ante-Zertifikate genutzt werden. Diese bescheinigen demnach Einsparungen, die erst in Zukunft anfallen. Das sei negativ bewertet worden.

Schon bei der Flugbuchung sparsame Airline auswählen

Jeder kann über die Webseiten der Anbieter spenden, um seine CO₂-Emissionen auszugleichen – egal ob sie beim Autofahren im Alltag oder bei Flugreisen in den Urlaub anfallen. Bei einigen Reiseveranstaltern ist die Kompensation von Flügen inzwischen im Reisepreis enthalten, oder sie bieten etwa an, die Kosten dafür zur Hälfte zu übernehmen. Oder der Ausgleich wird bei der Buchung mit angeboten und kann ausgewählt werden.

Atmosfair führt auf einer Seite solche »klimafreundlichen Reiseveranstalter« auf, die mit dem Unternehmen kooperieren  – darunter etwa Hauser Exkursionen oder Reisen mit Sinnen. Mit Myclimate arbeitet etwa der Studienreiseanbieter Studiosus zusammen, der nicht nur Flüge, sondern auch Transporte vor Ort, Übernachtungen und Verpflegung über den Bau von Biogasanlagen kompensiert.

Ein Beispiel zur Orientierung, das Atmosfair berechnet: Ein Flug von Hamburg nach Palma de Mallorca verursacht im Schnitt 367 Kilogramm CO₂, einer nach New York 1795 Kilogramm. Mit einem Beitrag von 9 Euro beziehungsweise 42 Euro an Klimaschutzprojekte lässt sich die Emission kompensieren.

Was Atmosfair zur Orientierung der Reisenden auch darstellt: den unterschiedlichen CO₂-Ausstoß der verschiedenen Fluglinien auf den jeweiligen Strecken. So lässt sich schon mit der Buchung eines Fluges steuern, dass möglichst wenig Emissionen überhaupt erst entstehen.

abl/dpa
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