ICE am Berliner Hauptbahnhof: Immer noch geringere Auslastung
ICE am Berliner Hauptbahnhof: Immer noch geringere Auslastung
Foto: Paul Zinken/ picture alliance/dpa

Auf Schienen in den Sommerurlaub So geht Bahnfahren während der Coronakrise

Reisen in Deutschland ist längst wieder möglich, die Züge werden voller. Was Bahnfahrer im Corona-Sommer erwartet und was sie beachten sollten - hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Sommerferien fangen in den Bundesländern nach und nach an - Urlauberinnen und Urlauber nutzen langsam wieder mehr die Bahn. Und ein Gutes hat die Coronakrise: So pünktlich wie in den ersten sechs Monaten dieses Jahres war die Deutsche Bahn (DB) eigenen Angaben zufolge zuletzt im Jahr 2008. Im Schnitt kamen 83,5 Prozent der Fernzüge pünktlich ans Ziel. Natürlich war dafür ein Grund unter mehreren auch die geringere Zahl der Züge.

Was erwartet Reisende jetzt beim Bahnfahren? Worauf müssen sie achten? Lesen Sie hier Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Fahren die Züge wieder wie vor der Coronakrise?

Noch ist das Angebot der DB reduziert - es sei aber nah dran am vollständigen Angebot, gibt ein Sprecher an. Im Inland lag es zu Beginn der Coronakrise bei etwa 65 Prozent im Regional- und 75 Prozent im Fernverkehr. Die "touristischen ICE- und IC-Linien" wurden wieder aufgenommen sowie besonders nachgefragte ICE-Städteverbindungen verstärkt: München-Dortmund via Nürnberg, Frankfurt am Main und Köln, München-Dortmund via Stuttgart und Köln sowie Basel-Dortmund via Karlsruhe und Köln. Hier setze die Bahn Züge mit der doppelten Zahl an Sitzplätzen ein, so das Unternehmen. Ebenso fahren die ICE-Sprinter-Züge zwischen Berlin und München zunehmend häufiger.

Seit Ende Juni gibt es jeden Samstag eine neue ICE-Verbindung von Berlin nach Innsbruck mit Halten etwa in Erfurt, Nürnberg und München. Außerdem wurde eine neue Direktverbindung zwischen München und Norddeich Mole eingerichtet. Ab dem 31. Juli wird Rügen von Stuttgart via Würzburg, Kassel, Berlin und Stralsund nach Binz angefahren.

Ins Ausland wird laut der DB wieder das vollständige Angebot gefahren. Unter anderem fahre ein neuer Zug von Berlin über Prag und Wien nach Graz.

Bei den Privatbahnen gelten bis auf einige Ausnahmen weitgehend wieder die regulären Fahrpläne. Das Unternehmen Flixtrain, das etwa die Strecken Hamburg-Köln und Aachen-Berlin-Leipzig abdeckt, nimmt den Betrieb ab 23. Juli wieder auf. 

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Unterwegs per Bahn: So sieht es in den Zügen aus

Foto: Arne Dedert/ dpa

Wie voll sind die Züge?

Abgesehen von offiziell pünktlicheren Zügen gibt es zurzeit noch einen Vorteil für jene, die lieber die Bahn statt das Auto nutzen wollen: Für sie gibt es noch jede Menge Platz an Bord. Bei der DB liegt die Auslastung im Fernverkehr derzeit im Schnitt nur bei rund 30 Prozent. Zwischenzeitlich waren die Fahrgastzahlen um bis zu 90 Prozent eingebrochen. Allerdings kann es natürlich zu den Hochzeiten wie an Freitag- oder Sonntagabenden dennoch zu voll besetzten Zügen kommen.

Wo gibt es Informationen über die Auslastung der Züge?

Um die Reisenden möglichst gleichmäßig auf alle Züge zu verteilen, hat die DB schon lange vor der Krise eine Auslastungsanzeige in der eigenen Buchungs-App installiert. Diese wurde den neuen Bedingungen angepasst: Schon wenn ein Zug nur zur Hälfte ausgebucht ist, wird eine hohe Auslastung angezeigt - in der Hoffnung, dass weitere Kundinnen und Kunden frühzeitig auf weniger ausgelastete Züge ausweichen.

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Welche Regeln müssen Passagiere beachten?

Nach den Verordnungen von Bund  und allen Ländern gilt in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Bahnhöfen eine "Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen" - also auch in den Zügen der DB und anderer Bahngesellschaften.

Außerdem sollten Passagiere mindestens 1,5 Meter Abstand voneinander halten und sich an die bekannten Vorsorgehinweise des Robert Koch-Instituts wie Nies-, Hust- und Waschregeln halten. Zum Essen und Trinken dürfen die Masken abgesetzt werden, Kinder unter sechs Jahren müssen keine aufsetzen. Wer ohne die nötige Maske zum Zug geeilt ist, kann eine im Bordbistro der Deutschen Bahn kaufen. Auch dürfen Schals und ähnliches vor Mund und Nase gebunden werden.

Auch die Privatbahnen wie etwa die Bayerische Oberlandbahn , Westfalenbahn , Metronom  oder Keolis  verweisen auf die allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln.

Auf den Mundschutz weist die DB auch in ihren Zügen hin. Ein Zugsprecher in einem ICE Richtung Schweiz versuchte auf humorvolle Art, die Passagiere zum Tragen zu motivieren: Als "Hinweis an alle Verschwörungstheoretiker bei uns an Bord" sagte er: "Denken Sie bitte daran, dass die Bundesregierung heimlich Speichelproben sammelt, um Klone von Ihnen zu produzieren, die Sie dann ersetzen sollen." Dies könne mit einem Mundschutz verhindert werden.

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Mitte Juni hat die DB eine "bundesweite Präventionsaktion" gestartet. Zunächst auf dem Berliner Hauptbahnhof und dann auf weiteren Bahnhöfen sprechen "Präventionsteams" Reisende an, informieren über die Maskenpflicht und teilen gegebenenfalls kostenlose Einwegmodelle aus. Insgesamt stehen 300.000 Masken für die Aktion zur Verfügung.

Inzwischen hatte Bahn-Ansager Heiko Grauel, die neue Stimme für die automatischen Ansagen an den Bahnhöfen, mit einem Corona-Hinweis seinen ersten großen Auftritt. Seit Anfang Juni ruft der 46-jährige professionelle Sprecher an Bahnhöfen auf: "Schützen Sie sich und andere" - und bittet die Fahrgäste, den Mindestabstand einzuhalten, die Mund-Nasen-Bedeckung im gesamten Bahnhof zu tragen und die gesamte Zuglänge zum Ein- und Aussteigen zu nutzen. "Bleiben Sie gesund", heißt es zum Schluss.

Was passiert, wenn andere Passagiere keinen Mundschutz haben?

Trotz der Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung halten sich immer wieder Reisende nicht daran. Die Bahn teilt dazu mit: "Wir setzen weiter auf die Kooperation, das Verständnis und die gegenseitige Rücksichtnahme aller Fahrgäste. Die überwiegende Mehrheit verhält sich verantwortungsbewusst und kommt der Pflicht, Mund und Nase zu bedecken, in unseren Zügen nach."

Sollten Personen die Masken verweigern und es dabei zu Konflikten kommen, würden - wie grundsätzlich in allen eskalierenden Konfliktsituationen - die Ordnungsbehörden hinzugeholt, so die Bahn. Die Bahngesellschaften haben zwar in ihren Zügen und auch - mit Einschränkungen - auf ihren Bahnhöfen das Hausrecht. Ihr Personal darf daher Kundinnen und Kunden zum Verlassen von Zügen auffordern. Die Durchsetzung ist allerdings eine Sache der Bundespolizei.

Im Forum der DB  wurde diese Frage auch gestellt und diskutiert. Das Unternehmen empfiehlt dort:

"1. Abstand halten!

2. Den anderen Fahrgast ansprechen und ihn auf die Tragepflicht hinweisen   

3. Unser Personal zur Unterstützung ansprechen. Unser Personal ist angehalten, den Fahrgast auf die Tragepflicht hinzuweisen, kann sie aber nicht durchsetzen, wenn der Fahrgast sich weigert. Wir können den Fahrgast bitten, den Zug zu verlassen, wirklich 'rausschmeißen' kann ihn aber nur die Polizei, die unser Personal rufen kann."

Wie reguliert die Bahn die Auslastung und ermöglicht das Abstandhalten?

Die Privatbahn Metronom  in Niedersachsen zum Beispiel hat die Regel "Sitzplatz am Fenster - der Gang bleibt frei" etabliert. Diese gelte auch für Familien, damit andere Passagiere und das Personal, das den Gang passiert, den nötigen Abstand einhalten könnten.

Wie Bahn-Personenverkehrsvorstand Huber vor Pfingsten sagte, könne die Deutsche Bahn nicht garantieren, dass der nächste Reisende mindestens anderthalb Meter entfernt und "nie ein Fahrgast neben dem anderen sitzt". Demnach bleibt es auch möglich, Sitzplätze nebeneinander zu reservieren. Eine Konzernsprecherin sagt dazu: "Wir schaffen die Rahmenbedingungen, unsere Kunden halten die Hygiene- und Abstandsregeln ein."

Eine Maximalbelegung verkündete die Bahn nicht. Das Angebot solle nicht "künstlich verknappt werden", und eine generelle Passagierobergrenze "würde zu schwierigeren Situationen führen, als wir sie heute haben", sagte Huber und verwies dabei insbesondere auf die für den Konzern wichtigen Pendlerinnen und Pendler mit Bahn-Abo. Auch eine Reservierungspflicht sieht die Bahn nicht vor. Sie will Reservierungen aber begrenzen, damit Reisende unterwegs nach Bedarf verteilt werden können. Die Grenze variiere je nach Baureihe, erklärte eine Bahn-Sprecherin.

Die Bahn behält sich allerdings vor, den Ticketverkauf bei Zügen mit voraussichtlich sehr hoher Auslastung komplett auszusetzen. In welchen Fällen genau diese Regelung greifen soll, erklärte der Konzern nicht. Ohnehin hätte sie keine Auswirkungen für alle Reisenden, die schon ein Ticket gekauft oder eine Bahncard haben: Sie können am Bahnsteig auch weiterhin in einen vollen Zug einsteigen, für den in der App und auf der Website keine Fahrkarte oder Reservierung mehr gekauft werden kann.

Was passiert bei einem Corona-Verdachtsfall im Zug?

Wird durch Behörden während der Fahrt ein Corona-Verdacht festgestellt, wird der betroffene Bereich gesperrt und später professionell gereinigt und desinfiziert. Die Passagiere werden durch das Zugpersonal gebeten, ihre Kontaktdaten zu hinterlassen. Das kann entweder durch eine sogenannte Aussteigekarte , per Onlineformular  oder telefonisch unter 0800 5141514 geschehen. So könnten die Behörden später gegebenenfalls die Mitreisenden kontaktieren.

"Wenn Sie in einem betroffenen Zug waren, beobachten Sie Ihre eigene Gesundheit", schreibt die DB in einem Merkblatt. "Sollten Sie mehr als einen Meter von dem Erkrankten entfernt gewesen sein, ist die Gefahr einer Infektion gering."

Was tut die DB in Sachen Hygiene?

Die DB hat nach eigenen Angaben  eine Reihe von Maßnahmen getroffen, "um das Coronavirus weiter erfolgreich einzudämmen":

  • Die DB setzt zusätzliches Reinigungspersonal ein und intensiviert die Reinigungspläne in Zügen und in Bahnhöfen. Bis Juli sollen zum Beispiel im Fernverkehr 500 Mitarbeiter und damit doppelt so viele wie bisher die ICEs und ICs während der Fahrt reinigen. Ab August sind dann 600 "Unterwegsreiniger" im Einsatz, die während der Fahrt insbesondere Kontaktflächen und WCs reinigen. Am Frankfurter Hauptbahnhof ist eine neue Technik im Einsatz: Mit UV-C-Lichtbestrahlung sollen die Handläufe an Rolltreppen desinfiziert werden.

  • In den Reisezentren in den Bahnhöfen wurden Plexiglasscheiben installiert. Kundinnen und Kunden sollten möglichst bargeldlos zahlen.

  • Auf 20 großen Bahnhöfen sind nach wie vor Waschgelegenheiten zugänglich, die vor den Bezahlschranken zu den Toilettenanlagen liegen. Desinfektionsmittelspender stehen in 180 Bahnhöfen und 150 ServiceStores zur Verfügung. Der Betrieb der DB Lounges ist wieder aufgenommen - hier müssen die Gäste wie in Restaurants üblich ihre Kontaktdaten angeben. Auch ist die Sitzkapazität beschränkt.

  • In den Zügen kontrolliert das Personal die Tickets nur noch auf Sicht. In der ersten Klasse werden keine Zeitungen mehr verteilt, und es gibt auch sonst keinen persönlichen Service mehr am Platz und im Restaurant. In den Bordbistros sind Speisen und Getränke in Einwegverpackungen erhältlich. Das Angebot Kids on Tour und die Kinderbetreuung im Fernverkehr wurden ausgesetzt.

  • Bordtoiletten sowie Türdrücker, Griffe und Haltestangen im Eingangsbereich werden laut Bahn mehrmals täglich gesäubert und desinfiziert. Das Zugpersonal achtet auf das Auffüllen der Seifen- und Desinfektionsspender an Bord.

Auch die privaten Bahnen geben durchweg an, die täglichen Reinigungen ihrer Züge ausgeweitet zu haben.

abl/dpa
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