Bild aus besseren Tagen: Die Ju 52 bei einem Testlauf in Johannesburg 2009
Bild aus besseren Tagen: Die Ju 52 bei einem Testlauf in Johannesburg 2009
Foto: John Austin-Williams / dpa

Aussortiert Bitteres Ende für Südafrikas Ju 52

Sie war Filmstar, Publikumsliebling und Aushängeschild: die Ju 52 in Johannesburg. Der Wellblech-Oldtimer ist eins der letzten flugfähigen Exemplare des Typs – und verrottet nun.

Flugfähige Exemplare der Ju 52 und ihrer Lizenzbauten gehören zu den seltensten Flugzeugen der Welt; es gibt nur noch eine Handvoll. Dennoch verstaubt einer dieser dreimotorigen Tiefdecker seit einigen Jahren unbeachtet in der Ecke eines Hangars am internationalen Flughafen Johannesburg. Das Wellblech an Rumpf und Flügeln war einst das Markenzeichen der Junkers-Flugzeuge aus Dessau – wie sie auch die Lufthansa lange im Einsatz hatte.

Südafrikas Wellblechflieger erfreute jahrelang Schaulustige und Passagiere bei Nostalgieflügen und Airshows. Doch dann kam das Aus. »Hangar Queen«, nennen Piloten solche Flugzeuge, die in ihrem Quartier verrotten. Und nun droht auch dort noch der Rauschschmiss.

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Junkers Ju 52: Oldtimer am Boden

Foto: John Austin-Williams / dpa

Denn der Hangar, in dem die historische Maschine steht, gehört der strauchelnden Traditions-Airline South African Airways (SAA) – und deren Überleben in der Post-Covid-Ära gilt als fraglich. »Die Ju 52 wird wahrscheinlich noch ein letztes Mal fliegen – von Johannesburgs OR-Tambo-Flughafen zum Rand-Airport; da müsste ich sie dann im Freien abstellen«, sagt Pilot Flippie Vermeulen bedauernd.

Vor fünf Jahren flog er den Tiefdecker zum letzten Mal, erzählt der frühere Leiter der mittlerweile aufgelösten historischen Abteilung von SAA. Deren Aktiva gingen an die am historischen Flughafen Rand beheimatete South-African-Airways-Museumgesellschaft – die zu wenig Hangarplatz hat. Zwei ausgemusterte Boeing-Jumbos müssen daher schon im Freien stehen.

Vermeulen flog den historischen Wellblechflieger mehr oder weniger regelmäßig – und nahm auch so einige deutsche Kapitäne im fliegenden Oldtimer mit. »Doch dann gab es zunehmend Probleme mit den Reifen«, sagt Vermeulen, der im Laufe seiner Karriere von der einmotorigen Cessna bis zum vierstrahligen Jumbo so ziemlich alles flog, was Flügel hat. Sie besiegelten die Karriere des Nostalgiefliegers: »Wir mussten die Fliegerei einstellen, weil es keine passenden Reifen gab.« Zwar wurde noch ein Satz Originalreifen in Deutschland aufgetrieben, doch auch die waren bald abgenutzt.

Auch die Expertise stirbt aus

Die Betreiber suchten Rat bei der Deutsche-Lufthansa-Berlin-Stiftung, die lange mit ihrem Paradestück – der 1935 in Dessau gebauten Junkers Ju 52 mit dem Traditionskennzeichen D-AQUI – Nostalgieflüge anbot. Auch die Schweizer des Dübendorfer Oldtimer-Vereins Ju-Air lieferten Input; sie hatten schon bei der Ausbildung der südafrikanischen Junkers-Piloten Entwicklungshilfe gegeben und verfügten noch über entsprechende Maschinen. Schließlich wurde das Fahrgestell durch ein anderes ersetzt. Laut Vermeulen stieß das aber nur auf wenig Gegenliebe bei Südafrikas Luftfahrtbehörde.

»Unsere Luftfahrtbehörde hat einfach nur Angst, alte Flugzeuge wie die Junkers für Nostalgieflüge zuzulassen«, glaubt der Direktor des SAA-Museums, John Austin-Williams. Zumal ein schwerer Unfall eines solchen Traditionsfliegers in der Schweiz diese Angst noch befeuert hat.

Allerdings, so muss auch der Direktor zugeben und erwähnt einen mittlerweile 80 Jahre alten Museumsmechaniker, sterbe allmählich auch die Expertise aus, die viele der freiwilligen Helfer in den Wartungshallen des Museums haben. Trotz Corona-Beschränkungen und damit ausbleibender Besuchereinnahmen versucht Austin-Williams die Flugzeugsammlung finanziell über Wasser zu halten. Da ist kein finanzieller Spielraum mehr für einen Hangar-Neubau.

Zuletzt war die Junkers im Jahr 2015 bei einer Flugshow am Rande von Johannesburg auf dem historischen Rand Airport, der mit seinem Art Déco-Abfertigungsgebäude einst das SAA-Hauptquartier war. Selbst Hollywoodstars wie Hilary Swank und Richard Gere drehten hier. Auch die Traditionsmaschine spielte oft mit. In den Filmen »Cry, the Beloved Country« oder »African Express« spiele sie zum Beispiel eine Rolle, erzählt Austin-Williams.

SAA war einer der ersten ausländischen Ju-52-Kunden

Das Management der South African Airways hatte den Wellblechflieger einst mit Blick auf ihr anstehendes 50-jähriges Bestehen gekauft. Immerhin war die dreimotorige Junkers Ju 52 mal das Rückgrat der Kap-Airline: Die Fluggesellschaft hatte 1934, im Jahr ihrer Gründung, als eines der weltweit ersten ausländischen Flugunternehmen die ersten von 15 bestellten Maschinen aus Dessau in Empfang genommen.

Der als Jubiläumsmaschine gekaufte Tiefdecker dagegen wurde 1954 als Junkers-Lizenzbau in Spanien unter der Typenbezeichnung Casa 352 gebaut und flog bis 1972 für die dortige Luftwaffe, bevor er an einen englischen Sammler ging.

In Lemwerder wurde er im damaligen VFW-Werk zerlegt und in Containern in Südafrikas Hafen Durban verschifft, bevor es auf dem Landweg nach Johannesburg ging. Am 14. Januar 1984 gab ein Schweizer Flugkapitän dann den ersten südafrikanischen Piloten beim Erstflug nach der liebevollen Restaurierung die technische Einweisung auf dem Oldtimer. Schon damals waren die abgenutzten Reifen eine Art Achillesferse des Fliegers, notierte der Schweizer Pilot Georg Schilling später.

Mit der Johannesburger Ju 52 muss eines der letzten flugfähigen Exemplare am Boden bleiben. In Hamburg wurde im Januar 2019 einer der Oldtimer außer Dienst gestellt, er hatte zuvor auf Rundflügen über der Hansestadt Passagiere an Bord genommen. Inzwischen ist diese »Tante Ju« am Flughafen Paderborn/Lippstadt angelangt, wo sie im Hangar von Quax, einem Verein zur Erhaltung historischer Flugzeuge, ausgestellt werden soll. In deutschen Museen gibt es inzwischen einige Ju-52-Exemplare.

Ralf E. Krüger, dpa/abl
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