Gesundheitsminister Spahn hält Sommerurlaub in der EU für möglich – auch ohne Impfung

Noch gelten wegen der Coronakrise in vielen EU-Ländern strikte Reisebeschränkungen. Gesundheitsminister Spahn hält Sommerurlaub dennoch für möglich, selbst für Ungeimpfte.
Blick auf Palma de Mallorca: Sichert schon ein negativer Coronatest den Urlaub?

Blick auf Palma de Mallorca: Sichert schon ein negativer Coronatest den Urlaub?

Foto: JMN/ Getty Images

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigt sich mit Blick auf einen Sommerurlaub in Europa optimistisch. »Innerhalb der EU wird das Reisen voraussichtlich nicht von der Impfung abhängig sein. Auch mit den Testungen wird man sich europaweit gut bewegen können«, sagte Spahn der »Rheinischen Post«. Er selbst plane seinen Urlaub in Deutschland. »In dieser hoffentlich letzten Phase der Pandemie würde ich keine großen Fernreisen planen, Nordsee statt Südsee quasi.«

Aktuell gelten in vielen Ländern allerdings wegen der Coronakrise noch strenge Reisebeschränkungen für touristische Zwecke, auch innerhalb Deutschlands. Lediglich in einigen Modellregionen haben Hotels wieder geöffnet. Viele Menschen in Deutschland sind deshalb noch zögerlich, was Urlaubsbuchungen angeht. Für Unsicherheit sorgt auch die Frage, ob die ganze Familie reisen darf oder nur Geimpfte, was Kinder de facto ausschließen würde, weil für sie noch kein Coronaimpfstoff zugelassen ist. In Mecklenburg-Vorpommern dürfen seit Mittwoch beispielsweise nur vollständig Geimpfte einreisen. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

Abkürzung zum Impfschutz?

In vielen Fällen sind für einen vollen Impfschutz allerdings zwei Dosen notwendig. Der Coronaimpfstoff von AstraZeneca könnte dadurch für Urlauber unattraktiv werden, weil laut Empfehlungen zwischen erster und zweiter Impfung drei Monate vergehen sollten. Spahn hat deshalb angeregt, den Abstand zwischen zwei AstraZeneca-Impfungen auf höchstens vier Wochen zu verkürzen. Experten halten das jedoch für riskant.

Auch die Bundesärztekammer warnt davor, das Intervall zwischen zwei AstraZeneca-Dosen zu verkürzen, um früher als geimpft zu gelten. Die Verkürzung des Intervalls müsse überdacht werden, sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Wenn das Argument ist, dass damit die Menschen früher von Lockerungen profitieren können, halte ich das für bedenklich«, betonte er. Studien hätten ergeben, dass ein größerer Abstand zwischen den beiden Impfungen positive Auswirkungen auf die Wirksamkeit der Vakzine haben könne. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach teilte diese Kritik.

Deutschland unter Top 5 bei Sequenzierungen

Für Mutationen des Coronavirus ist Deutschland nach Ansicht von Spahn jedoch gut gerüstet und liegt demnach mittlerweile weltweit unter den Top 5 bei den Sequenzierungen. »Und wir sichern uns in den EU-Rahmenverträgen auch Impfstoffe, die auf Mutationen angepasst werden können«, sagte Spahn. Nach Aussage der mRNA-Forscher seien diese Entwicklungen innerhalb von sechs bis acht Wochen möglich, die anschließende Zulassung sei in ein bis zwei Monaten machbar.

Währenddessen werden Rufe nach stärkeren Maßnahmen laut, um überhaupt alle Bevölkerungsgruppen für eine erste Coronaimpfung zu erreichen. »Mobile Impfteams müssen in die sozialen Brennpunkte fahren und ein Angebot machen – digital beworben, wenn der Datenschutz das zulässt«, sagte Grünenchef Robert Habeck den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Dann können die Menschen eine SMS bekommen: Morgen um 9.00 Uhr steht das Impfmobil vor Aldi.« Und dann werde von morgens bis abends vor dem Supermarkt geimpft.

Impfen im Supermarkt

Das lasse sich ausbauen, so Habeck. »Wenn Impfstoffe für Jugendliche zugelassen sind, kann man in den Schulen impfen und dort doch zum Beispiel auch die Eltern mit. Da sollte viel Kreativität an den Tag gelegt werden.« Die Aufhebung der Impfreihenfolge könne nicht bedeuten, dass sich jeder selbst darum kümmern müsse.

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Der Deutsche Städtetag hat indes versichert, dass die Kommunen bei der Impfkampagne Menschen in sozial benachteiligten Vierteln gezielt ansprechen. Alle großen Städte hätten die stadtteilbezogenen Inzidenzen im Blick, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages Helmut Dedy dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Sie kümmern sich darum, Menschen zielgruppengenau anzusprechen, die über übliche Kommunikationswege schwer erreichbar sind. Ziel ist, dass die bestehenden Impfangebote von priorisierten Personen akzeptiert und angenommen werden.« Darüber hinaus kämen bereits mobile Impfteams zum Einsatz, um die Menschen in benachteiligten Stadtteilen zu erreichen.

koe/dpa/AFP
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