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Coronakrise Was die Verlängerung der Reisewarnung für Urlauber bedeutet

Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung die Reisewarnung für die ganze Welt bis Mitte Juni verlängert. Welche Auswirkung hat das für Urlauber? Hier sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Von Antje Blinda

Die Bundesregierung verlängert die internationale Reisewarnung - was bedeutet das?

Das Auswärtige Amt (AA) warnt seit 17. März  aufgrund der Coronakrise vor allen touristischen Reisen ins Ausland. Solche Reisewarnungen sind "dringende Appelle" und werden selten ausgesprochen - und zwar nur, "wenn aufgrund einer akuten Gefahr für Leib und Leben vor Reisen in ein Land oder in eine bestimmte Region eines Landes gewarnt werden muss", schreibt die Behörde auf ihrer Website . Es ist das erste Mal, dass die Maßnahme für alle Länder der Welt verhängt wurde.

Diese Warnung wurde am Mittwoch vom Bundeskabinett bis zum 14. Juni verlängert. Das AA hat einen entsprechenden Beschlussvorschlag vor der Kabinettssitzung unter den Bundesministerien abgestimmt. Ob dies auch bis oder sogar für die Dauer der Sommerferien verlängert wird, ist noch nicht entschieden. Mitte Juni und danach wöchentlich solle die Situation neu bewertet werden.

Warum wurde die Reisewarnung verhängt?

Zum einen soll mit der Reisewarnung verhindert werden, dass Deutsche in der Ferne stranden. Zum anderen soll so die weitere Verbreitung des Coronavirus in der Welt eingedämmt werden.

Als sich Sars-CoV-2 Anfang März in immer mehr Ländern verbreitete - nach China vor allem zunächst in Iran, Italien und dann auch Deutschland, verweigerten viele Staaten deutschen Reisenden die Einreise und verlangten zudem die sofortige Ausreise beziehungsweise verhängten Quarantänen. Ebenso durften viele Flugzeuge nicht mehr landen - der Luftverkehr wurde nach und nach eingestellt, bis er fast ganz zum Stillstand kam.

Wer sich in dieser Zeit im Urlaub im Ausland befand oder dorthin aufbrach, geriet in Gefahr, an seinem Reiseziel zu stranden. Einer Viertelmillion Deutschen passierte genau dies - in einer Kraftanstrengung und mit Kosten von 50 Millionen Euro organisierte das Auswärtige Amt in Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern und Fluglinien die Rückholung.

Etliche Reisende kamen noch mit regulären Flügen wieder nach Hause, für viele wurden Sonderflüge losgeschickt. Noch immer warten Deutsche in der Ferne auf ihre Rückreise. Außenminister Heiko Maas mahnt, dass die Bundesregierung eine derartige Rückholaktion nicht noch einmal wiederholen könne.

Nach wie vor warnt das AA, dass Urlauber mit "drastischen Einschränkungen im internationalen Luft- und Reiseverkehr, weltweiten Einreisebeschränkungen, Quarantänemaßnahmen und der Einschränkung des öffentlichen Lebens in vielen Ländern" rechnen müssen. Diese Maßnahmen könnten ohne Vorankündigung und mit sofortiger Wirkung verhängt werden.

Eine Reise nach Dänemark in ein Ferienhaus ist doch weniger gefährlich als eine Fernreise. Wieso gilt die Warnung für die ganze Welt?

Zurzeit besteht in fast allen der rund 190 Länder der Welt ein Einreiseverbot für Deutsche - in Dänemark etwa bis zum 10. Mai. Ausnahmen gibt es - Schweden etwa oder Großbritannien haben ihre Grenzen nicht generell geschlossen. Sie wären zurzeit aber, auch aufgrund der Grenzschließungen anderer Länder, lediglich per Flugzeug und Fähren erreichbar, und dieser Verkehr ist fast völlig eingestellt. (Aktuelle Hinweise zu den einzelnen Länder gibt das AA hier .)

Dennoch sieht die Tourismusbranche die allgemeine Reisewarnung kritisch. Auch Länder wie Österreich pochen auf eine stärkere Differenzierung. Dabei gilt auch in Österreich laut AA zurzeit: "Personen, die von Deutschland nach Österreich einreisen wollen, müssen im Rahmen der Kontrolle ein ärztliches Zeugnis vorweisen." Solche Corona-Gesundheitspässe hält die WHO allerdings für nicht sinnvoll, da sie noch nicht zuverlässig sind.

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Vermutlich werden in den kommenden Wochen einige Länder - vor allem solche, die stark auf Tourismus angewiesen sind und geringe Infektionszahlen vorweisen wie Österreich, Griechenland, Kroatien - ihre Einreisebeschränkungen lockern. Diskutiert werden in Europa bilaterale Regelungen, also solche zwischen Deutschland und einem weiteren Land.

Inzwischen haben sich sowohl Maas als auch Österreichs Kanzler Sebastian Kurz dahingehend geäußert, dass solche Lockerungen keine Alleingänge sein sollten, sondern - samt Schutzkonzepten und Reisestandards - mit der EU-Kommission abgestimmt werden müssten. Da die Pandemie in den verschiedenen EU-Staaten aber unterschiedlich verlaufe, so wiederum Maas am Mittwoch, seien auch Abweichungen von einer koordinierten Lösung denkbar.

All dies wird dann wieder auf den Tisch kommen, wenn vor dem 14. Juni erneut über eine Verlängerung der internationalen Reisewarnung verhandelt wird. Eine Lockerung wäre allerdings schwer erklärbar, solange die Deutschen selbst im eigenen Land nicht reisen dürfen.

Ich habe eine Reise gebucht - bekomme ich mein Geld zurück?

Die Reisewarnung bis zum 14. Juni und dazu die auch für private Reisen in Deutschland geltenden Kontaktbeschränkungen (vorerst bis 3. Mai) geben Verbrauchern eine rechtliche Sicherheit. Nach geltendem Recht können Urlauber ihre Reise kostenlos stornieren - wenn sie nicht sowieso von Veranstaltern, Hotels oder Fluglinien abgesagt wird -, wenn sie ihr Ziel nicht erreichen können. Ihnen steht dann eine Rückzahlung zu. Wer sein Hotel oder eine touristische Leistung im Ausland gebucht hat, könnte allerdings Schwierigkeiten bekommen. Auch sind Fluglinien sehr zögerlich bei der Erstattung.

Mehr dazu lesen Sie hier in diesen Übersichten:

Touristische Unternehmen wie Reiseveranstalter pochen jetzt darauf, statt Geld Gutscheine ausgeben zu dürfen, um liquide zu bleiben. Das Argument: Andernfalls drohen massenhaft Insolvenzen. Auch die Bundesregierung unterstützt diese Maßnahme, scheitert bisher jedoch an der Zustimmung der EU-Kommission. Diese ist der Ansicht, dass die Verbraucher die Wahl haben sollten zwischen Geld und Gutschein. Mehrere andere europäische Länder haben inzwischen dennoch die verpflichtende Gutscheinlösung eingeführt.

Was bedeutet dies für einen Urlaub in Deutschland, und wann dürfen wir im Land wieder reisen?

Die Verlängerung der internationalen Reisewarnung hat keine Auswirkung auf das Reisen im eigenen Land. Bis vorerst 3. Mai  sollten private Reisen - ob zu Freunden, Verwandten oder in den Urlaub - in Deutschland unterbleiben, auch müssen Restaurants, Hotels, Cafés und Bars noch geschlossen bleiben. Bis zunächst 30. April ist die touristische Vermietung im Inland generell behördlich untersagt. Auch dazu wird es wohl - wie jetzt zur internationalen Reisewarnung - demnächst eine neue Ankündigung von der Bundesregierung geben. Erwartet wird, dass die Kontaktbeschränkungen bis 10. Mai verlängert werden und dass über eine mögliche schrittweise Öffnung von Restaurants und Hotels frühestens bei der nächsten Bund-Länder-Konferenz am kommenden Mittwoch entschieden wird.

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Mindestens zwei Bundesländer haben sich schon Gedanken über einen Lockerungsfahrplan gemacht: In Mecklenburg-Vorpommern dürfen Besitzer von Ferienwohnungen und heimische Dauercamper ab 1. Mai wieder diese privaten Unterkünfte nutzen. Danach könnten die Gastronomie, dann Übernachtungsmöglichkeiten öffnen - erst für Urlauber aus dem Bundesland, dann aus dem Rest Deutschlands. Zuletzt sollen Tagestouristen und internationale Touristen wieder kommen können. In Schleswig-Holstein dürfen Zweitwohnungsbesitzer ab dem 4. Mai kommen, ansonsten sind die Schritte ähnlich.

Wann aber die einzelnen Stufen umgesetzt werden, hängt von der Entwicklung der Infektionen ab. In Bayern stellt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zum Beispiel eine Öffnung der Gastronomie frühestens Ende Mai/Anfang Juni in Aussicht – also zu Pfingsten.

Die Tourismusbranche selbst hat einen Plan für den "Neustart des Deutschlandtourismus"  vorgestellt. Der Deutsche Tourismusverband (DTV) schlägt eine Maskenpflicht auch bei der Anreise vor, Einlasskontrollen, Mindestabstände von Tischen und Terminvergaben in Restaurants, außerdem Schutz- und Hygienepläne oder dass Campingplätze für autarke Reisemobile öffnen können. Der Erfolg solle in einer Testphase überprüft und dann erweitert werden.

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