Gepackte Koffer: Der Urlaub naht und die Maske kommt mit – oder?
Gepackte Koffer: Der Urlaub naht und die Maske kommt mit – oder?
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Coronamaßnahmen Wann kommt das Ende der Maskenpflicht für Flugreisen?

Der Mund-Nasen-Schutz verschwindet immer mehr aus unserem Alltag. Die EU-Gesundheitsbehörde rät nicht mal mehr im Flugzeug zum verpflichtenden Tragen. Was das für Ihren nächsten Urlaub bedeutet.
Von Julia Stanek

Die Packliste für den Urlaub hat derzeit stets einen dick markierten Eintrag: den kleinen bis mittleren Vorrat an Schutzmasken, der beim Reisen während der Pandemie nun mal nötig ist. Können wir diesen Punkt bald ganz abhaken, auch ohne eine Tüte FFP2- oder OP-Masken ins Handgepäck und den Koffer geworfen zu haben? Die Luftsicherheitsagentur EASA und die EU-Gesundheitsbehörde ECDC empfehlen jedenfalls ab sofort nicht mehr ein verpflichtendes Maskentragen in Flughäfen und Flugzeugen. Was heißt das für den Sommerurlaub oder für den Frühlingstrip in die Lieblingsstadt? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Fällt nun auf allen europäischen Flügen die Maskenpflicht?

Nein. Mit der gelockerten EU-Empfehlung wird die Maskenpflicht längst nicht auf allen Flügen abgeschafft. Europas größter Billigflieger Ryanair veröffentlichte eine Liste von 15 EU-Staaten, in denen über nationale Gesetze das Tragen von Masken zur Corona-Prävention weiter gilt. Darunter sind wichtige Urlaubsziele wie Spanien, Griechenland, Portugal und Italien.

Auch bei Flügen von und nach Deutschland gilt weiter die Maskenpflicht zum Schutz vor Corona-Ansteckungen. Dies betrifft nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums alle Maschinen, die in Deutschland starten oder landen. Beim Ein- und Ausstieg und während des gesamten Fluges sind FFP2- oder medizinische Masken zu tragen. Abnehmen kann man sie nur beim Essen und Trinken. Ausgenommen von der Pflicht sind Kinder unter sechs Jahren. Die Maskenpflicht entspreche auch den neuen EU-Empfehlungen, hatte das Ministerium erläutert.

In welchen Ländern ist Fliegen ohne Maske bereits möglich?

In Frankreich gilt seit Montag keine Corona-Maskenpflicht mehr im öffentlichen Verkehr – weder in Bussen, Bahnen und Taxis noch im Flugzeug. Auch Kroatien, Irland und Island haben das Ende der Maskenpflicht im Flugzeug besiegelt. Die skandinavischen Länder sind mit dem Thema schon länger lockerer umgegangen. Die Fluggesellschaft Scandinavian Airlines (SAS) erlaubt bereits seit Mitte Oktober den maskenlosen Aufenthalt an Bord auf Flügen zwischen skandinavischen Ländern. Am 4. April hob die Airline die Maskenpflicht für alle SAS-Flüge auf  – mit Ausnahme von Flügen aus und nach China und Italien. Die norwegische Airline Norwegian  stellt es ihren Fluggästen – ebenfalls seit Anfang April – zur Wahl, ob sie eine Maske tragen wollen oder nicht. Finnland – und damit die finnische Airline Finnair – hob die Maskenpflicht auch bereits auf .

In der Schweiz müssen im öffentlichen Verkehr, also auch im Flugzeug, keine Masken mehr getragen werden. Die Lufthansa-Tochter Swiss hat die Pflicht zum Maskentragen an Bord entsprechend ab dem 1. April für Fluggäste und Besatzungsmitglieder schrittweise aufgehoben. Sie gilt jedoch weiter, wie oben beschrieben, auf Flügen, bei denen die Regeln des Ziellandes die Maske an Bord vorschreiben. »Fluggäste werden vor Abflug jeweils über die geltenden Bestimmungen informiert«, heißt es in einer Mitteilung der Airline.

Auch die britische Fluggesellschaft British Airways schreibt auf ihrer Website: »Je nach Richtlinien Ihres Zielorts müssen Sie möglicherweise eine Maske an Bord oder beim Ausstieg aus dem Flugzeug tragen.« Fluggäste werden gebeten, sich vor Abreise über die Regeln zu informieren – dafür gibt es eine Tabelle mit den maskenpflichtigen Ländern .

Wie reagieren deutsche Airlines?

Noch bis zum 23. September gilt in Deutschland eine bundesweite Maskenpflicht in Flugzeugen – so sieht es das Infektionsschutzgesetz vor. »Daher müssen auf Lufthansa-Flügen derzeit medizinische oder FFP2-Masken getragen werden«, sagt eine Sprecherin von Deutschlands größter Airline. Die Lufthansa Group sehnt jedoch das Ende der Maskenpflicht an Bord herbei. »Es ist an der Zeit, auf Freiwilligkeit zu setzen, so wie es in anderen Bereichen des täglichen Lebens, etwa im Supermarkt oder Restaurant, inzwischen auch die Regel ist«, teilt eine Unternehmenssprecherin mit.

Für Wolf Kindt, Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), ist es ebenfalls »nicht nachvollziehbar, warum die Verpflichtung zum Maskentragen ausgerechnet im Flugzeug weiterhin gilt«. Flugzeuge seien »mit sehr leistungsfähigen Lüftungssystemen ausgestattet, die die Kabinenluft alle zwei bis drei Minuten austauschen«. Daneben werde die Luft durch hochwirksame Schwebstofffilter (HEPA-Filter) gereinigt; sie seien in der Lage, Viren, Bakterien und andere Schwebstoffe sehr zuverlässig aus der Luft zu filtern. »Das Ansteckungsrisiko in Flugzeugen ist daher gering«, sagt BDL-Sprecher Kindt, »insbesondere im Vergleich zu den meisten anderen Lebens- und Arbeitsbereichen, in denen die Maskenpflicht bereits aufgehoben wurde«.

Welche Regeln gelten nun an deutschen Flughäfen?

Seit April ist das Tragen einer Maske an den Airports nicht mehr verpflichtend. Allerdings setzen viele deutsche Flughäfen lieber auf Nummer sicher und bitten die Reisenden weiter um »Unterstützung« in der Pandemiebekämpfung. »Hamburg Airport  tut alles dafür, die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern«, heißt es auf der Website des Hamburger Flughafenbetreibers. »In den Terminals von Hamburg Airport wird das Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung weiterhin empfohlen.«

Ähnlich äußert sich auch der Flughafen Frankfurt . Der nach Passagieraufkommen größte Airport Deutschlands weist darauf hin, dass das Tragen einer Maske zum Eigenschutz und Schutz der Mitmenschen »sinnvoll« sei. »Dies gilt insbesondere für die Bereiche, in denen Abstände kurzzeitig nicht eingehalten werden können.« Dazu zählten vor allem der Check-in-Bereich, die Fluggastkontrollstellen, die Gates, die Gepäckausgabe sowie die Passagierbusse und die Sky-Line-Bahn, die zwischen Terminal 1 und Terminal 2 pendelt.

Der Flughafen München  schreibt ebenfalls: »Insbesondere in Bereichen, in denen viele Flugreisende zusammenkommen, wie z. B. beim Check-in oder bei der Sicherheitskontrolle, appellieren wir eindringlich, dass Flugreisende eine medizinische oder FFP2-Maske tragen.« Abstand wahren, auf Hygiene achten und eine Maske tragen – all das helfe, das Infektionsrisiko zu senken.

Auch wenn es innerhalb deutscher Flughäfen keine gesetzliche Maskenpflicht mehr gibt, scheint es doch ein guter Rat zu sein, sich und andere weiter mithilfe einer Mund-Nasen-Bedeckung zu schützen. Weil Airports nun mal Orte sind, an denen Menschen aufeinandertreffen, die aus unterschiedlichsten Himmelsrichtungen angereist kommen. Und nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Luft auf den Flughäfen – anders als in Flugzeugen – nicht mit Hochleistungsfiltern gereinigt wird, sondern Klimaanlagen im Einsatz sind, wie der Flughafenverband ADV dem SPIEGEL auf Anfrage bestätigte. Wo es nötig war, sei aber die Frischluftzufuhr erhöht worden, teilt Verbandssprecherin Isabelle Polders mit.

Warum hadert die Tourismusbranche dennoch mit der Maskenpflicht?

Die in Deutschland noch über den Sommer hinaus reichende Maskenpflicht im Flugzeug ist für die Tourismusindustrie ein Ärgernis: »Das führt zu einem Flickenteppich an Regelungen bei Reisen in Europa, die kein Reisender mehr versteht und nachvollziehen kann«, sagt Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV). Die Reisewirtschaft plädiere, so heißt es in einem DRV-Statement, für einheitliche Regelungen in Europa, wie sie auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) befürwortet. Sie fordert die Bundesregierung auf, die EU-Empfehlungen umzusetzen und die Maskenpflicht für Flüge in Deutschland aufzuheben, »um die aufkeimende Reiselust nicht erneut zu dämpfen«.

Es ist das Schreckgespenst der Airlines, aber auch anderer Unternehmen der Tourismuswirtschaft, dass den Bundesbürgerinnen und -bürgern die Lust aufs Unterwegssein vergeht. Sind die Sorgen berechtigt? Aus Sicht der TUI ganz und gar nicht. »2022 wird ein gutes Geschäftsjahr mit einem starken Reisesommer«, sagte in der vergangenen Woche Fritz Joussen, Vorstandschef des weltgrößten Reisekonzerns. Nachdem das Coronavirus und pandemiebedingte Reisebeschränkungen das Geschäft des Konzerns vor zwei Jahren praktisch gestoppt und danach lange heftig erschwert hatten, geht es nun wieder deutlich aufwärts. Für den Sommer erwartet Joussen fast so viele Urlauber wie im Vorkrisenjahr 2019. »Das Bedürfnis zu reisen und der Wunsch nach Erholung ist bei den Deutschen definitiv zurück«, hatte auch DRV-Chef Fiebig noch im März betont.

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Was ist so schlimm am Fliegen mit Maske?

Viele Menschen würden auf diese Frage womöglich knapp antworten: Gar nichts ist schlimm daran, ein paar Stunden lang im Flugzeug eine Maske zu tragen, wenn man damit der eigenen und der Gesundheit anderer etwas Gutes tut.

Wolf Kindt vom Luftfahrtverband BDL jedoch entgegnet: »Viele Passagiere empfinden das Tragen einer Maske als störend, gerade auf Mittel- und Langstreckenflügen, die mehrere Stunden dauern.« Sie würden es immer weniger nachvollziehen können, »wenn Deutschland einseitig an der Maskenpflicht festhält, während sie mit anderen Airlines und mit Umsteigeverbindungen über nicht deutsche Drehkreuze ohne Maske fliegen dürften«. Kindt wittert zudem »eine erhebliche Wettbewerbsverzerrung« – womit dann auch klar ist, dass die wirtschaftlichen Interessen keine geringe Rolle spielen dürften bei den Rufen nach dem Ende der Maskenpflicht im Flugzeug.

Der BDL sieht in den Masken zudem Konfliktpotenzial und Mehrarbeit für die Crews. »Aktuell sorgt die uneinheitliche Situation bei der Maskenpflicht zu Verunsicherung und Verärgerung bei den Passagieren und führt an Bord der Flugzeuge zu vermehrten Konflikten, die durch das Flugpersonal gelöst werden müssen«, schreibt Verbandssprecher Kindt auf SPIEGEL-Anfrage. Die »nachvollziehbare Unklarheit« bei den Passagieren werde vor allem durch die unterschiedlichen Regelungen der einzelnen Länder (Heimatland, Zielland, Umsteigeland) und an den besuchten Orten hervorgerufen. Er beruft sich darauf, dass etwa in der Gastronomie und im Einzelhandel keine Maskenpflicht mehr gilt, am Flughafen ebenso nicht, im Flugzeug aber schon. Er würde es begrüßen, wenn für die Airlines »die Pflicht zur Kontrolle und Durchsetzung der Maskenpflicht an Bord« wegfiele.

Daten aus den USA deuten darauf hin, dass die Maskenpflicht – beziehungsweise deren Missachtung – im vergangenen Jahr für jede Menge Unruhe im Flugzeug gesorgt haben könnte. Eine Statistik  der staatlichen Luftfahrtbehörde FAA zeugt von Tausenden sogenannter unruly passengers (auf Deutsch: widerspenstige Fluggäste), die im vergangenen Jahr im Flugzeug Regeln missachtet oder gebrochen haben. Demnach hat es 2021 knapp 6000 Meldungen zu Auseinandersetzungen an Bord gegeben. Fast 72 Prozent der Fälle hatten den Angaben zufolge mit Masken zu tun.

Für Deutschland ist das Phänomen öffentlich nicht bestätigt. Die Lufthansa äußert sich auf die Frage nach maskenbezogenen Auseinandersetzungen an Bord nicht.

Mit Material von dpa