Foto:

Moritz Wolf/ imageBROKER RF/ Getty Images

Sommerurlaub in der Coronakrise "Die Betten in Deutschland würden nicht reichen"

In Deutschland wird Urlaub im Sommer vermutlich möglich sein. Aber gibt es genügend Unterkünfte? Und besteht vielleicht doch die Chance auf eine Auslandsreise? Tourismusforscher Torsten Kirstges gibt Antworten.

Die Reisewarnung für Auslandsreisen des Auswärtigen Amtes soll mindestens bis 14. Juni gelten. Erleben wir im Sommer den großen Ansturm auf deutsche Ferienziele?

Torsten Kirstges: Dies würde ich den deutschen Feriengebieten natürlich gönnen. Es wird sicherlich zu mehr Buchungswünschen für Reisen innerhalb Deutschlands kommen, aber aktuell sind ja auch hier die Hotels und Restaurants weitgehend geschlossen.

Werden die Preise deutlich steigen?

Kirstges: Tendenziell wird es sicherlich in der einen oder anderen sehr gefragten deutschen Destination zu Preiserhöhungen kommen. Aber die deutschen Regionen werden nach wie vor in Konkurrenz zueinander stehen. Außerdem bringt es kein Urlaubsfeeling, mit Mundschutz den weitgehend gesperrten Nordseestrand von der Ferne aus zu betrachten. Von gewaltigen Preissprüngen gehe ich daher nicht aus.

Gibt es überhaupt genug Hotelbetten und Ferienwohnungen für alle Urlauber, die jetzt in Deutschland bleiben werden?

Kirstges: Eindeutig nein. Rund drei Viertel aller längeren Urlaubsreisen der Deutschen gehen zu normalen Zeiten ins Ausland, vor allem nach Spanien, Italien, Griechenland, Österreich und in die Türkei. Das sind mehr als 50 Millionen Auslandsurlaubsreisen pro Jahr mit im Schnitt jeweils rund 13 Übernachtungen. Diese Bettenkapazität muss man erst mal haben. Hinzu kommen Kurzurlaubsreisen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Urlaubshungrige, die eigentlich in der ersten Jahreshälfte ihren Haupturlaub machen wollten, werden ihn nun nachholen wollen. Nach dem Stress mit Home-Schooling und Kinderbetreuung zu Hause brauchen gerade Familien eine Erholungszeit. Das Sommer-Schulferien-Fenster ist aber auf circa zehn Wochen über alle Bundesländer begrenzt.

Wenn jetzt also auch noch viele der üblichen Auslandsurlauber innerhalb Deutschlands verreisen wollten, würde die vorhandene Kapazität hierzulande - selbst unter Einberechnung der letzten verfügbaren Betten auf dem flachen Land - niemals ausreichen.

Podcast Cover
__proto_kicker__
__proto_headline__

Sollte ich jetzt schnell buchen, um noch etwas zu bekommen?

Kirstges: Ich gehe in der Tat davon aus, dass die touristischen Kapazitäten in Deutschland schnell ausgebucht sein werden, wenn zumindest gewisse Lockerungen endlich beschlossen werden. Ich gehe aber auch davon aus, dass die Politik doch noch zur Vernunft kommt und die Reisefreiheit zumindest im Schengenraum ab Mitte Juni wieder herstellt. Alles andere wäre nicht nur irrational angesichts der enormen gesellschaftlichen Kollateralschäden, sondern würde auch das Ende vieler Tourismusunternehmen und damit Arbeitsplätze in Deutschland sowie weltweit bedeuten.

Theoretisch kann man ja immer noch später im Sommer nach Mallorca oder Griechenland fliegen. Halten Sie das für realistisch?

Kirstges: Ja, durchaus. Es hat meiner Ansicht nach aber vor allem wenig Sinn, zum Beispiel eine Ferienhausbuchung in Österreich, den Niederlanden, Italien oder Frankreich zu verbieten, wenn eine Familie mit dem eigenen Auto dorthin fährt und relativ gut isoliert ihren Land-, Berg-, Wander- oder Strandurlaub verbringen kann.

Mit welchem Risiko ist die Planung eines Auslandsurlaubs im Sommer zum Beispiel in Spanien oder die Türkei verbunden?

Kirstges: Wer seinen Urlaub bei einem deutschen Reiseveranstalter bucht und ihn dann wegen einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes nicht antreten kann oder will, hat Anspruch auf Kündigung und Rückerstattung von bereits geleisteten Zahlungen. Hier bietet die Pauschalreise gegenüber individuellen Buchungen einen guten Schutz. Von daher: Ja, Sie können zumindest ohne großes finanzielles Risiko Reisen für Juli und danach buchen.

Das Risiko besteht natürlich darin, dass der ersehnte Urlaub dann doch nicht angetreten werden kann, zum Beispiel weil im Reiseland weiterhin eine Einreisesperre besteht. Oder dass der Veranstalter insolvent wird und die verpflichtende Insolvenzabsicherung über alle Insolvenzfälle gerechnet nicht ausreichend sein sollte. Hoffen wir, dass es dazu nicht kommt.

Philipp Laage, dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.