Leer am Playa de Palma am 1. April
Leer am Playa de Palma am 1. April
Foto: ENRIQUE CALVO / REUTERS

Buchungseinbruch Mallorca-Blase ist (vorerst) geplatzt

Die Warnungen vieler Politikerinnen und Politiker vor Reisen nach Mallorca scheinen den befürchteten Reiseboom auf die Balearen im Keim erstickt zu haben. Das deutet eine Auswertung der Reisedaten an.
Von Antje Blinda und Patrick Stotz (Grafiken)

Zehntausende Deutsche sind über Ostern vor Aprilwetter und grauem Corona-Alltag nach Mallorca geflüchtet. Viele hatten erst gebucht, als das Robert Koch-Institut (RKI) Mitte März die spanischen Balearen von der Liste der Risikogebiete strich. Bei ihrer Ankunft empfingen Hotels und – zumindest tagsüber geöffnete – Restaurants die Urlauber, dazu das Rauschen des Mittelmeeres und der Sand unter den Füßen.

Die Aussicht auf das bisschen Urlaubsfeeling ließ die Zahl der Buchungen für Mallorca in die Höhe schnellen. Ermöglicht hat dies auch die Tourismusbranche, die Hotel- und Flugkapazitäten organisierte, als die Quarantäne für Balearen-Reisende entfiel. Doppelt so viele Flüge wie geplant, kündigte TUIfly schnell nach Aufhebung der Reisewarnung an, bei Lufthansa waren es drei- bis fünfmal so viele – ausgehend von einem extrem niedrigen Niveau.

Doch die Euphorie bei den Urlaubssehnsüchtigen und der Industrie wurde schnell getrübt: Wenn innerhalb Deutschlands kein Tourismus möglich ist, sollte dies irgendwo anders in der Welt auch nicht erlaubt sein, beschwerten sich Kritiker. Vizekanzler Olaf Scholz, aber auch mehrere Ministerpräsidenten wie Markus Söder, Armin Laschet und Winfried Kretschmann verurteilten Mallorca-Reisen. Einheimische Touristiker zeigten sich empört, und Kanzlerin Angela Merkel ließ die Möglichkeit prüfen, ob das Reisen in beliebte Regionen verboten werden könne.

Am Ende stand eine anlässlich des Mallorca-Debakels geänderte Einreiseverordnung, die zunächst bis 12. Mai eine generelle Testpflicht für alle Flugreisen nach Deutschland vorschreibt – egal ob aus einem Hochinzidenzgebiet oder einem Nicht-Risikogebiet wie die Balearen. Nach wie vor gilt auch die Bitte der Bundesregierung, auf nicht notwendige, touristische Reisen im In- und Ausland zu verzichten.

Appelle aus der Politik zeigen Wirkung

Schon die ersten Politikeräußerungen und die der Kanzlerin ließen das Interesse an »Malle« als Urlaubsziel einbrechen. Das Neubuchungsvolumen sackte auf das Niveau zur Zeit der Reisewarnung ab, wie die Zahlen des Marktforschungsunternehmens Travel Data + Analytics (TDA) für die Woche vom 22. bis 28. März zeigen. Erfasst ist die Veränderung des Umsatzvolumens der Neubuchungen bei Reiseveranstaltern, Stornierungen etwa werden nicht berücksichtigt und auch nicht die Individualreisen.

Der Peak in Kalenderwoche 12 zeigt, auf welchem Niveau die Buchungen während des "Booms" lagen: bei 61 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019, eine Woche später betrug das Volumen nur noch 24 Prozent. Von August bis Mitte November 2020 hatte es bei drei bis sechs Prozent verharrt. Die Grafik zeigt, wann die Kunden auf den Buchungsknopf drückten – das konnte auch für Reisen später im Jahr sein. »Überwiegend wurden Reisen für den Spätsommer und den Herbst gebucht«, sagt Kerstin Heinen, Pressesprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV), zum Teil auch schon für 2022.

»In dem Augenblick, in dem einer der Politiker etwas gegen das Reisen sagt, gehen die Neubuchungen runter«, sagt Heinen, das habe sie schon im vergangenen Jahr beobachtet. Eine DRV-Umfrage Ende Februar bei rund 600 Mitgliedsunternehmen wie Reisebüros und Veranstaltern zeigte, dass Kunden eine mögliche Quarantäne bei der Heimkehr von einer Buchung abhält, aber auch »die sich wiederholenden Appelle der Politik, auf Reisen zu verzichten«. Hindernd wirkten auch »die Quarantäne im Zielgebiet und der insgesamt nicht planbare Verlauf der Pandemie mit immer neuen Wellen oder Virusvarianten und daraus resultierende neue Reisebestimmungen«.

Im Fall von Mallorca trübte vielleicht auch die neu eingeführte Testpflicht, die vor allem bei Individualreisenden Kosten verursacht, sowie das drohende Reiseverbot die Buchungslust. Heinen sieht dies allerdings nicht als ausschlaggebend an: »Das können wir natürlich in den Zahlen nicht sehen.« Aber sie habe auch nichts davon gehört, dass sich Urlauber auf der Insel über Tests und eventuelle Kosten geärgert hätten oder davon überrascht gewesen seien.

Appelle aus der Politik zeigen also durchaus ihre Wirkung. Ein rigoroses Verbot, wie von Merkel angedacht, scheint gar nicht notwendig – der Mallorca-Boom zu Ostern hielt sich in Grenzen. Nach Schätzung des DRV sind etwa 40.000 Deutsche in der Feiertagswoche auf die Balearen-Insel gereist, zur Hälfte mit Veranstaltern und zur Hälfte individuell. Zum Vergleich: In den Jahren vor der Coronakrise seien es rund 450.000 gewesen.

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