Berlin-Friedrichshain: Eines der aktuellen Risikogebiete innerhalb Deutschlands
Berlin-Friedrichshain: Eines der aktuellen Risikogebiete innerhalb Deutschlands
Foto: Annette Riedl / dpa

Herbstferien Was gilt für Reisende aus Risikogebieten innerhalb Deutschlands?

Teile von Berlin, NRW und Niedersachsen gelten als Corona-Risikogebiete: Was gilt für jene, die dort wohnen und in den Herbstferien Urlaub in anderen Regionen geplant haben? Die wichtigsten Antworten.

Die Herbstferien stehen vor der Tür, in einigen Bundesländern haben sie schon begonnen - und täglich ändern sich die Voraussetzungen für das Reisen im eigenen Land. Galt München vor Kurzem noch als Risikogebiet, sind es nun auch Teile Berlins - und Frankfurt steuert bei der Zahl der Corona-Infektionen auf die nächste Warnstufe zu. Am Mittwoch haben fast alle Bundesländer ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus Corona-Risikogebieten beschlossen.

In einer Zeit, die sonst von Reiselust und Fernweh geprägt ist, herrscht nun Unsicherheit - sogar im eigenen Land, angesichts eines komplizierten Regelungsgeflechts zwischen den 16 Bundesländern. "Reisebeschränkungen im Inland sind das falsche Signal und nicht hilfreich", sagte zum Beispiel Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) dem SPIEGEL. Politiker von CDU und SPD monierten, das Nebeneinander verschiedener Vorschriften schaffe einen verwirrenden Flickenteppich, und forderten eine bundesweit einheitliche Regelung.

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Niedersachsens Gesundheitsministerin riet sogar davon ab, in den Herbstferien zu verreisen. "Ich empfehle allen Bürgerinnen und Bürgern, die Herbstferien möglichst zu Hause zu verbringen", sagte Carola Reimann (SPD) der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ).

Was gilt nun wo bei Reisen im Inland? Und müssen Reisende aus deutschen Risikogebieten in Quarantäne? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen (Stand: 8. Oktober 2020):

Welche Gebiete gelten in welchem Bundesland als Risikogebiet?

Das Robert Koch-Institut weist in seinem jüngsten Lagebericht (Stand 7. Oktober) die Städte Hamm und Remscheid in Nordrhein-Westfalen sowie den Landkreis Vechta in Niedersachsen als deutsche Risikogebiete aus. Zudem stehen auch die Berliner Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte, Neukölln und Tempelhof-Schöneberg auf der RKI-Liste.

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen - die sogenannte 7-Tage-Inzidenz - lag laut RKI am Mittwoch in den Bundesländern Berlin und Bremen sehr deutlich, in Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen deutlich über dem bundesweiten Durchschnittswert. Am Donnerstag meldete auch Bremen einen Wert von über 50 - müsste damit auch in die Liste der Risikogebiete aufgenommen werden.

Bei der Frage, ob ein Gebiet in einem Bundesland als Risikogebiet gilt, spielt die RKI-Bewertung eine wichtige Rolle - die Antwort ist aber nicht einheitlich und ändert sich naturgemäß täglich. Zum Teil wird auch Berlin inzwischen als Ganzes und nicht mehr getrennt nach Stadtteilen betrachtet, und zum Teil weisen die Länder gar keine innerdeutschen Risikogebiete (mehr) aus. Informationen gibt es auf diesen Webseiten:

Schleswig-Holstein , Rheinland-Pfalz , Mecklenburg-Vorpommern , Berlin , Nordrhein-Westfalen , Niedersachsen , Thüringen  und Bremen , Hessen , Hamburg , Baden-Württemberg , Bayern , Sachsen-Anhalt , Sachsen , Brandenburg , Saarland 

Wo dürfen Reisende aus Risikogebieten in Deutschland während der Herbstferien Urlaub machen?

Die Bundesländer haben am Mittwoch mehrheitlich beschlossen, dass Reisende aus den aktuell vom RKI ausgewiesenen Risikogebieten nur dann beherbergt werden dürfen, wenn sie einen höchstens 48 Stunden alten negativen Corona-Test haben. Greifen soll dies für Reisende aus Gebieten mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen - wenn also die 7-Tage-Inzidenz über 50 liegt.

Fünf Länder gaben zu dem Beschluss zunächst abweichende Erklärungen ab: Bremen, Berlin, Niedersachsen und Thüringen wollten ein solches Verbot zunächst nicht umsetzen. Mecklenburg-Vorpommern will bei strengeren Quarantäneregeln bleiben. Am Donnerstag gab Niedersachsen bekannt, dass doch eine entsprechende Landesverordnung auf den Weg gebracht werde. Maßgeblich sei das Datum der Einreise in das Bundesland. Es solle vermieden werden, dass kurzfristig Aufenthalte abgebrochen werden müssen. Zudem könnten Touristen mit einem negativen Corona-Test doch in Niedersachsen Urlaub machen.

Generell fordern Bund und Länder angesichts bundesweit steigender Infektionszahlen "eindringlich alle Bürgerinnen und Bürger auf, nicht erforderliche Reisen" in solche Risikogebiete und aus diesen Gebieten heraus zu vermeiden.

Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten müssen sich in diesen Bundesländern aktuell noch auf weitere Konsequenzen einstellen - die Verordnungen könnten aber nach dem Länderbeschluss vom Mittwoch aufgehoben werden. So ist zum Beispiel Schleswig-Holstein am Donnerstag schon verfahren.

  • In Rheinland-Pfalz müssen sich grundsätzlich alle Einreisenden aus den vom RKI ausgewiesenen Risikogebieten in Quarantäne begeben.

  • In Mecklenburg-Vorpommern müssen Einreisende aus den Risikogebieten in Quarantäne. Berlin gilt zurzeit nicht als Risikogebiet - Einreisebeschränkungen oder Quarantäne für Rückkehrer werden laut Gesundheitsministerium erst dann wirksam, wenn Berlin als Stadtstaat insgesamt mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen aufweise. Nach Berechnungen von Mittwoch liegt der Durchschnittswert für Berlin bei 40,5.

Kann ich in jedem Bundesland mit Quarantänepflicht durch einen negativen Corona-Test aus der Quarantäne freikommen?

  • Rheinland-Pfalz: In Rheinland-Pfalz könnten Einreisende aus inländischen Risikogebieten die 14-tägige Quarantäne mit einem negativen Test und einem ärztlichen Attest verkürzen, welches bestätigt, dass keine Anhaltspunkte für eine Infektion vorliegen.

  • Mecklenburg-Vorpommern: Die Corona-Landesverordnung besagt, dass Touristen aus Risikogebieten nur dann einreisen dürfen, "wenn ein ärztliches Zeugnis vorhanden ist, welches bestätigt, dass keine Anhaltspunkte für eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 vorliegen". Dieses Attest darf nicht älter als 48 Stunden sein. Dennoch besteht die Verpflichtung, sich unverzüglich für 14 Tage häuslich abzusondern. Die Quarantäne kann durch das zuständige Gesundheitsamt verkürzt werden, wenn eine weitere PCR-Testung nach fünf bis sieben Tagen ebenfalls negativ ausfällt.

Bekomme ich mein Geld zurück, wenn ich als Bewohner eines Risikogebietes bereits eine Unterkunft gebucht habe?

Ob Urlauber Stornogebühren zahlen müssen, wenn sie ihren Aufenthalt absagen, ist nicht eindeutig. Denn dem Beherbergungsverbot können Reisende ja auch entgehen, indem sie einen negativen Corona-Test vorweisen. Der Deutsche Ferienhausverband erklärte dazu, ob der Test für den Gast zumutbar sei, darüber könne man geteilter Meinung sein. Es gebe dazu noch keine Gerichtsurteile. Schließlich ist die Pandemie mit ihren Folgen für den Tourismus beispiellos. Fest steht aber: Ein solcher Test kostet Geld und ist nicht überall schnell zu bekommen.

Wegen der unklaren Rechtslage empfiehlt der Verband Betroffenen, eine einvernehmliche Einigung mit ihrem Gastgeber zu erzielen - zum Beispiel den Aufenthalt auf Kulanzbasis gebührenfrei zu verschieben.

Ähnlich argumentiert der Hotelverband Deutschland IHA: "Juristisch betrachtet handelt es sich um ein sogenanntes präventives Verbot mit Erlaubnisvorbehalt", erklärt die IHA-Juristin Nina Arndt. Ein solches Verbot führe nicht dazu, dass Beherbergungen schlechthin verboten seien, es unterwerfe diese nur einem Genehmigungsvorbehalt.

Reiserechtler Paul Degott aus Hannover ist dagegen Meinung, diese Urlauber sollten ihr Geld von der Unterkunft zurückbekommen, wenn sie wegen des bundesweiten Beherbergungsverbots jetzt Inlandsreisen absagen müssen. Eine Beherbergung sei aufgrund der Neuregelung nun nicht mehr möglich, sagte er, daher gebe es bereits angezahltes Geld in diesem Fall zurück, und es fielen auch keine Stornogebühren an.

Mit einem negativen Corona-Test könnten Urlauber zwar dem Beherbergungsverbot entgehen. Aber "man kann niemanden verpflichten, einen Test zu machen", argumentiert Degott. In der Regel wusste der Urlauber bei Buchung noch nicht, dass ein solcher Test auf eigene Kosten nötig sein würde.

Im Zweifel müssen am Ende die Gerichte entscheiden - sofern keine kulante Übereinkunft mit dem Gastgeber gefunden werden kann. Wer jetzt noch kurzfristig ein Hotel für die Herbstferien bucht, wählt deshalb zur Sicherheit besser eine Unterkunft mit kostenloser Stornierungsmöglichkeit bis einen Tag vor der geplanten Anreise.

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Wie komme ich zu einem Testtermin?

Wer für eine bald anstehende Reise im Urlaubsgebiet einen negativen Corona-Test vorweisen muss, sollte sich zeitnah um einen Testtermin kümmern, empfiehlt Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Berlin. Er rät zu genügend Puffer zur geplanten Abreise: "Wenn die Teststelle versprechen kann, dass das Ergebnis in der Regel in 24 Stunden vorliegt, würde ich, wenn ich beispielsweise am Freitag abreise, den Termin auf Mittwoch legen."

Wer nur einen Tag Puffer zwischen Test und Reisetermin einplant, gehe dagegen ein kleines Risiko ein. Für eine riskante Idee hält der Mediziner es, montags losfahren zu wollen, aber einen maximal 48 Stunden alten negativen Test vorweisen zu müssen: "Weil am Sonntag keiner arbeitet, und am Samstag auch nur wenige Stellen aufhaben."

Jelinek moniert, dass Menschen ohne tatsächliche Beschwerden "etwas in eine Lücke" fielen: "Für Leute mit Symptomen oder Reiserückkehrer gibt es die Zentren der Kassenärztlichen Vereinigungen, aber wer wegfahren will, der hat keine klare Ansprechadresse." Reisewillige, die einen negativen Corona-Test brauchen, wenden sich am besten an ihren Hausarzt oder eine Praxis für Reisemedizin. Das Gesundheitsamt ist für sie nicht die richtige Adresse.

Was kostet ein Corona-Test?

Liegen keine Symptome vor, wird der Test von der gesetzlichen Krankenkasse in der Regel nicht übernommen. Die Kosten müssen Reisende dann selbst tragen. Pro Person sind das rund 120 Euro für die Laboranalyse und rund 20 Euro für den Abstrich beim Arzt.

Wie wird die 48-Stunden-Frist gezählt?

Die 48-Stunden-Frist startet in dem Moment, in dem die Maschine im Labor den Befund ausspuckt. Folglich ist es gut, wenn dieser dann schnell beim Getesteten landet - bei Jelineks Praxis zum Beispiel können die Getesteten die Befunde online herunterladen.

Wird mir mein Bahnticket erstattet, wenn ich nicht reisen darf?

Spezielle Ausnahmen angesichts der neuen Regeln für Reisende aus Corona-Risikogebieten gibt es aktuell nicht. Die bekannten Umtausch- und Stornierungsregeln für den Supersparpreis gelten auch weiterhin, wie ein Sprecher der Bahn auf Anfrage bestätigte. Die Deutsche Bahn empfiehlt das Buchen von stornierbaren Tickets.

Flexpreis-Tickets der Deutschen Bahn lassen sich in jedem Fall bis vor dem ersten Geltungstag kostenlos umtauschen oder stornieren. Sparpreis-Tickets lassen sich bis vor dem ersten Geltungstag für zehn Euro stornieren. Passagiere erhalten einen Storno-Gutschein mit drei Jahren Gültigkeit, der für spätere Fahrten genutzt werden kann. Sitzplatzreservierungen lassen sich einmalig kostenlos umtauschen.

Supersparpreis-Tickets sind laut Bahn vom Umtausch oder einer Stornierung ausgeschlossen. Das gleiche gilt für Länder-Tickets und Quer-durchs-Land-Tickets. Ausnahme sind hier Tickets, die bis einschließlich 13. März - also vor der Pandemie - gebucht worden sind.

Wird mir mein Flugticket erstattet?

Grundsätzlich gilt: Findet ein Flug statt, kann der Reisende nicht einfach ohne Stornogebühren sein Ticket zurückgeben. Wer nun einen Inlandsflug zu einem Urlaubsziel gebucht hat, der sich nicht mehr lohnt, sollte prüfen, ob er gebührenfrei umbuchen kann.

Die Lufthansa etwa verweist auf Anfrage auf die derzeit kulanten Bedingungen: Die Umbuchungsgebühren wurden bis 31. Dezember 2020 abgeschafft. Sämtliche Tarife und Ticketpreise von Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines seien beliebig oft kostenfrei umbuchbar. Auch andere Fluggesellschaften bieten gebührenfreie Umbuchungen an.

Was gilt für mich, wenn ich in einem Risikogebiet arbeite?

  • In Mecklenburg-Vorpommern sind Arbeitspendler oder Dienstreisende von den Restriktionen ausgenommen.

  • In Rheinland-Pfalz muss unter anderem nicht in Quarantäne, wer täglich oder für bis zu fünf Tage aus beruflichen Gründen einreist.

  • Die Bundesländer Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, in denen die Risikogebiete liegen, schreiben keine Einschränkungen vor.

abl/dpa
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