Strandbesucher in Barcelona: Die Bundesregierung plant neue Regeln für Reiserückkehrer aus Risikogebieten
Strandbesucher in Barcelona: Die Bundesregierung plant neue Regeln für Reiserückkehrer aus Risikogebieten
Foto: ---/ dpa

Regeln für den Corona-Herbst Was sich für Reisende ab Oktober ändert

Fünf Tage Quarantäne, frühestens dann der Corona-Test: Reisen wird in einigen Fällen noch komplizierter. Was die neuen Pläne der Bundesregierung für Ihren Urlaub bedeuten.
Von Julia Stanek

Der Herbst kommt - normalerweise würden nun viele Deutsche noch einmal in die Sonne fliegen, auf griechische Inseln etwa oder an fernöstliche Strände. Doch die Coronakrise spitzt sich gerade wieder zu, im Inland wie im Ausland steigen die Infektionszahlen. In dieser Zeit zu verreisen, ist gar nicht so einfach, und das nicht nur wegen des Appells des Gesundheitsministers, den Urlaub im Ausland besser bleiben zu lassen.

Zwar endet am heutigen Mittwoch die pauschale weltweite Reisewarnung, die die Bundesregierung im März verhängt hatte - und die im Laufe des Sommers schrittweise gelockert wurde, vor allem innerhalb der Europäischen Union. Doch für Urlauber bedeutet das nicht das Ende aller Reisehürden, denn es gibt neue Regeln. Der Überblick (Stand: 30. September):

Was ändert sich ab Oktober?

Das Auswärtige Amt (AA) hat folgende Grundregeln festgelegt, die ab 1. Oktober im Hinblick auf Covid-19 gelten:

  • Eine Reisewarnung für nicht notwendige, touristische Reisen gelte grundsätzlich für alle Länder, die von der Bundesregierung als Corona-Risikogebiet  eingestuft seien, heißt es auf der Website des Auswärtigen Amtes . Neu daran ist, dass für Risikogebiete nun automatisch auch eine Reisewarnung gilt, das hatte das Kabinett vor drei Wochen beschlossen . Bisher war das Prozedere: Erst erklärt das Robert Koch-Institut (RKI) ein Land zu einem Risikogebiet, dann spricht die Bundesregierung die Reisewarnung aus. So geschehen zum Beispiel Mitte August, als das spanische Festland und die Balearen nach den Lockerungen vom Juni erneut als Risikogebiete ausgewiesen wurden. Die Reisewarnung ist zwar kein Verbot, soll aber eine möglichst große abschreckende Wirkung haben. Sie kann sich im juristischen Sinne positiv für Pauschalurlauberinnen und -urlauber auswirken: Diese erhalten beim Stornieren einer bereits gebuchten Reise ihr Geld zurück, wenn das Ziel zum Risikogebiet erklärt wird.

  • "Für Länder, für die eine Einreise nur eingeschränkt möglich ist, eine Quarantäne nach Einreise vorgesehen ist oder die in einer Gesamtschau keinen uneingeschränkten Reiseverkehr zulassen, wird in der Regel von nicht notwendigen, touristischen Reisen abgeraten", schreibt das AA. "Es besteht keine Reisewarnung, aber aufgrund der Umstände in dem Reiseland sollte man entsprechende Reisen in der Regel vermeiden." Insbesondere kurze oder touristische Reisen machten wegen der Bestimmungen vor Ort wenig Sinn.

  • "Für Länder, bei denen sowohl das Infektionsgeschehen gering ist als auch uneingeschränkte Reisemöglichkeiten bestehen und keine sonstigen Gründe dagegensprechen, wird die Reisewarnung aufgehoben und zu besonderer Vorsicht geraten." Das Auswärtige Amt warnt: "Die Pandemie ist noch nicht vorbei." Weil sich die Lage schnell ändern kann, lautet der dringende Appell: sich auch vor Ort gut über die Entwicklungen informieren - und Schutzmaßnahmen unbedingt beachten! "Es kann auch weiterhin vorkommen, dass kurzfristig Maßnahmen wie Ausgangssperren oder Reisebeschränkungen verhängt werden."

Woher weiß ich, wie die Corona-Situation im Urlaubsland ist?

Die Abkehr von der pauschalen Reisewarnung heißt auch: "Ab dem 1. Oktober 2020 werden wieder umfassend differenzierte Reise- und Sicherheitshinweise bzw. Reisewarnungen für einzelne Länder gelten", teilt das AA mit. Hier geht es zur Übersicht aller Länder .

Das RKI aktualisiert zudem regelmäßig seine Liste  der Staaten, in denen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus besteht. Am Mittwochmorgen waren es 121 Länder, die ganz als Risikogebiete galten, und weitere 13 Länder mit einzelnen Regionen. Zusammen sind das etwa zwei Drittel der Länder dieser Welt.

Wegen der rasant steigenden Infektionszahlen wurde auch in Europa eine Reisewarnung nach der anderen reaktiviert. Inzwischen sind 17 von 27 EU-Ländern ganz oder teilweise betroffen. Von den beliebtesten europäischen Urlaubsländern der Deutschen sind derzeit nur Griechenland und Italien noch ohne Risikogebiet. Es gibt auch außereuropäische Staaten, die derzeit laut RKI keine Risikogebiete sind: zum Beispiel Tunesien, Georgien, Japan, Thailand und China (Stand: 30. September).

Was ändert sich für Reisende nach der Rückkehr?

Die neuen Regeln für Reisende, die sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben, sind noch im Entwurfsstadium. Doch wenn die Pläne der Bundesregierung Gesetz werden, dann ist ab Mitte Oktober Folgendes zu beachten:

  • Bund und Länder hatten sich bereits Ende August darauf verständigt, dass sich Reiserückkehrer aus Risikogebieten ab Mitte Oktober mindestens fünf Tage in Quarantäne begeben müssen - und dass erst dann ein Coronatest gemacht werden soll. In einem Beschluss vom 27. August heißt es: "Die bisherige Möglichkeit in zahlreichen Bundesländern, durch einen Test kurz vor oder nach der Einreise nach Deutschland die Selbstisolation frühzeitig beenden zu können, beinhaltet das Problem, dass Infektionen am Ende des Aufenthalts im Risikogebietes oder während der Rückreise nicht erfasst werden."

  • Zudem sollen sich nach Deutschland aus einem Risikogebiet einreisende Passagiere künftig über ein Onlineportal anmelden. "Die Digitale Einreiseanmeldung soll zum 15. Oktober einsatzbereit sein", sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums (BMI) dem SPIEGEL. Ihren Eintrag in dem Register müssten Reisende den Angaben zufolge zum Beispiel bei der Grenzkontrolle vorzeigen, ausgedruckt oder digital.

  • Auch eine Meldepflicht bei den örtlichen Behörden soll es im Oktober geben, das ist allerdings nicht neu. "Jeder, der sich in den 14 Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss sich bei der zuständigen Gesundheitsbehörde melden und die Aufenthaltsadresse angeben", lautet bereits jetzt die Regel. Dem BMI-Sprecher zufolge soll die Missachtung der Meldepflichten mit bis zu 25.000 Euro Strafe geahndet werden können.

In der kommenden Woche soll die neue Musterverordnung zu Einreise- und Quarantänebestimmungen im Corona-Kabinett verabschiedet werden. Sie ist aber zunächst nur ein Vorschlag für die Bundesländer, die ihrerseits Quarantänevorschriften erlassen.

Warum fünf Tage Quarantäne - und dann erst der Corona-Test?

Covid-19 ist auch deshalb so tückisch, weil man von einer Infektion mit Sars-CoV-2 zu Beginn nichts mitbekommt, aber schnell zum Überträger wird - das ist natürlich auch zum Ende eines Urlaubs möglich. Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum eventuellen Auftreten von Symptomen, beträgt im Durchschnitt fünf bis sechs Tage. Diese Zeit gilt als hochinfektiöse Phase. Wer sich kurz vor der Abreise noch im Reiseland negativ testen lässt, kann sich trotzdem auf der Rückreise infizieren und andere anstecken - ohne es zu merken. Genau diese Gefahr will man mit einer fünftägigen Quarantäne vermeiden. Nach fünf Tagen kann man dann in den meisten Fällen mit einem PCR-Test feststellen, ob eine Person sich infiziert hat oder nicht. 

Wie reagiert die Reisebranche?

Als "Zwangsquarantäne" bezeichnet der Deutsche Reiseverband (DRV) den Plan der Bundesregierung, Rückkehrer aus Risikogebieten frühestens nach fünf Tagen Quarantäne einen Corona-Test machen zu lassen. Die Branche fürchtet massive wirtschaftliche Folgen. "Wenn die Quarantäneregel so kommt wie aktuell geplant, bedeutet das de facto einen Shutdown des Reisegeschehens", schreibt der DRV auf seiner Website. Ein Großteil der Pauschalreiseziele würde durch diese allgemeine Quarantänebestimmung blockiert werden. "Das ist unverhältnismäßig." Es stünden, so der DRV, "andere, ebenso geeignete und mildere Mittel zur Verfügung", mit denen eine adäquate Risikominimierung erreichbar sei. "Es ist möglich und viel sinnvoller, die Teststrategie weiterzuentwickeln, auszudifferenzieren und Kapazitäten auszubauen, als größtenteils gesunde, nicht infizierte Menschen pauschal in Quarantäne zu schicken."

Auch der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) kritisiert die geplanten Reisebestimmungen. "Wenn Bund und Länder das erfolgreiche Testen durch eine pauschale Quarantänepflicht ersetzen, dann kommt das einer Stilllegung des Flugbetriebs gleich", sagte der BDLI-Präsident Dirk Hoke.

Ob es wirklich so weit kommt, muss sich erst zeigen. Immerhin sorgen die in Arbeit befindlichen Pläne und das Fortbestehen von Reisewarnungen nicht für die Absage aller Pauschalurlaube: Der weltgrößte Reiseanbieter TUI will ab dem 3. Oktober wieder Reisen auf die Kanarischen Inseln  anbieten - wovor das Auswärtige Amt derzeit warnt. Urlauber sollten für Pauschalreisen, etwa nach Gran Canaria, Teneriffa und Fuerteventura, selbst entscheiden können, ob sie ihren Urlaub trotz des Infektionsrisikos und möglicher Quarantäne bei der Rückkehr nach Deutschland antreten, sagte der Deutschlandchef des Tourismuskonzerns, Marek Andryszak, Anfang der Woche. "Wir gehen fest davon aus, dass viele Kunden dies genau abwägen werden." Er glaube, dass durch die Möglichkeit, sich testen zu lassen, viele Kunden ihren Urlaub trotz Reisewarnung antreten werden.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Seit der Reisewarnung für ganz Spanien habe TUI die Flüge auf die Kanarischen Inseln stark reduziert. Andryszak betont, dass sich der Reisekonzern mit seiner Kanaren-Ankündigung nicht gegen die Bundesregierung stelle. Bei den Reisewarnungen handele es sich nicht um ein Reiseverbot, sondern um eine Empfehlung, vorsichtig zu sein. "Und genau dieser Empfehlung folgen wir", sagte er.

Mit Material von dpa

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, von den außereuropäischen Ländern seien nur Tunesien und Georgien keine RKI-Risikogebiete. Das ist nicht korrekt. Wir haben die Stelle korrigiert.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.