Deutsch Reisende am Flughafen in Kathmandu
Deutsch Reisende am Flughafen in Kathmandu
Foto: Prabin Ranabhat/ imago images/ZUMA Wire

Rechnung vom Auswärtigen Amt Nicht umsonst geflogen

Noch immer sitzen deutsche Reisende in der Ferne fest. Diejenigen, die während der größten Rückholaktion in der deutschen Geschichte nach Hause geflogen wurden, erhalten bald Post vom Auswärtigen Amt.

Der Rückflug aus Ägypten, Neuseeland oder Peru war von einem Tag auf den anderen gestrichen. Und auch der aus der Karibik oder vielen anderen Regionen und Ländern weltweit. Ab Anfang März hatten viele Länder kurzfristig Grenzen geschlossen und Flugverbindungen gekappt. Zehntausende Deutsche waren in aller Welt gestrandet. Die Coronakrise hatte begonnen.

Die Reiseveranstalter, die verpflichtet sind, ihre Kunden zurückzuholen, rotierten. Und auch das Auswärtige Amt trat in Aktion und charterte Flugzeuge für die größte Rückholaktion in der Geschichte Deutschlands. Zusammengenommen nutzten etwa eine Viertelmillion Reisende die sogenannte Luftbrücke zurück in die Heimat.

Die Rückholflüge mit den vom AA organisierten Flugzeugen waren jedoch nicht umsonst. Und die Passagiere bekommen dafür bald die Rechnung ins Haus: Sie würden "individuell über den jeweils zu tragenden Kostenanteil  in den nächsten Tagen und Wochen informiert", heißt es aus der Behörde gegenüber dem SPIEGEL.

Der Preis werde eine Pauschale sein, die sich nach der "zurückgelegten Entfernung, vergleichbaren durchschnittlichen Ticketpreisen und den Kosten vergleichbarer Rückholaktionen von EU-Mitgliedsstaaten" richtet. Das entspricht wohl in etwa der Höhe des Preises eines Economy-Tickets, der bisher im Gespräch war.

Ein Vorschuss von 100 Millionen Euro

Das Auswärtige Amt hatte mit den gecharterten Maschinen etwa 260 Flüge absolviert und rund 66.000 Reisende aus 65 Ländern zurückgebracht. An Bord waren auch 6100 Bürger anderer EU-Staaten und 3300 Menschen aus weiteren Ländern. Ebenso gelangten deutsche Touristen etwa mit französischen Flugzeuge aus Haiti und Nepal zurück.

Grundlage für die Kostenbeteilung sei das Konsulargesetz, so die Behörde. Zur Finanzierung der Charterflüge hatte das AA 100 Millionen Euro von der Bundesregierung zur Verfügung gestellt bekommen. Was am Ende mit dem Bundeshaushalt abgerechnet wird, hängt allerdings davon ab, wie hoch die Summe der Eigenanteile sein wird und wie viel die EU für die Mitnahme anderer europäischen Staatsangehörigen zahlen wird.

Der abgelegenste Ort, aus dem Deutsche zurückgeholt wurden, liegt mehr als 16.000 Kilometer entfernt mitten im Südpazifik. Die Cook-Inseln, ein Taucherparadies am anderen Ende der Welt. Von dort, aus West-Samoa sowie aus den pazifischen Inselstaaten Vanuatu und Tonga, wurden mit zwei Flugzeugen 66 Deutsche sowie 34 EU-Bürger aus anderen Ländern abgeholt.

Deutlich mehr Deutsche hingen im benachbarten Neuseeland zeitweise fest. Dort brach die Regierung die Rückholaktion zwischenzeitlich ab, um zu klären, ob der Rücktransport ohne Gefährdung für die eigene Bevölkerung gewährleistet werden kann. Für 12.000 deutsche Touristen bedeutete das banges Warten. Nach einer Intervention auf Ministerebene wurden die Flüge nach wenigen Tagen wieder aufgenommen.

Strikte Ausgangssperren im Kampf gegen das Coronavirus wie etwa in Neuseeland, Südafrika, Indien, Kamerun oder Peru erschwerten die Rückholaktion, weil es dort schon zur logistischen Herausforderung wurde, die Touristen zum Flughafen zu bringen. Dann gab es noch komplizierte Sonderfälle: In der Karibik planten Segler zwischenzeitlich eine Atlantiküberquerung - bis zwei Flüge von Barbados aus organisiert wurden und sie ihre Boote zurücklassen mussten.

Außenminister Maas: Nicht noch mal

Noch immer gibt es allerdings Deutsche, die etwa aufgrund von Quarantänemaßnahmen, fehlenden Transportmöglichkeiten oder Bewegungsbeschränkungen den Rückflug nicht antreten können. Um diese kümmern sich die deutschen Botschaften weltweit in der zweiten Phase der Rückholaktion. Außenminister Heiko Maas sprach von "mehreren Hundert" Personen, die noch im Ausland auf ihre Rückkehr warteten - das war Ende April. Aus dem AA heißt es gegenüber dem SPIEGEL, dass allerdings auch jetzt, Mitte Juni, noch Reisende festsitzen: "in der Mehrzahl Einzelfälle oder kleine Gruppen".

Ab Montag wird die Reisewarnung der Bundesregierung für die meisten europäischen Länder aufgehoben. Für mehr als 160 Länder außerhalb Europas wurde sie bis zum 31. August verlängert. Ausnahmen können für einzelne Länder gemacht werden, in denen die Verbreitung des Coronavirus ausreichend eingedämmt ist. Eins hat Heiko Maas allerdings mehrfach deutlich gemacht: Die Rückholaktion für Zehntausende deutsche Touristen nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie soll auf keinen Fall wiederholt werden.

"Wer sich im Urlaub infiziert, kann jedenfalls nicht davon ausgehen, dass wir ihn nach Deutschland zurückbringen", hatte Maas der "Bild am Sonntag" gesagt. "Natürlich stehen in akuten Notfällen unsere Auslandsvertretungen immer bereit, konsularisch zu unterstützen. Aber: Die Bundesregierung wird im Sommer nicht noch einmal Flieger schicken können, um deutsche Urlauber heimzuholen."

abl/dpa
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