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Freie Bahn? Das erwartet Zugreisende zu Pfingsten

Reisen in Deutschland ist wieder möglich, die Züge werden voller. Was Bahnfahrer am langen Pfingstwochenende erwartet und was sie beachten sollten - die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Züge ausgebucht, die Gänge dicht belegt - und die dringenden Appelle des Bahnpersonals am Bahnhof, doch bitte nicht mehr zu versuchen, die Waggons zu entern. Schon gar nicht mit einem Fahrrad. Dazu fast unerträgliche Hitze samt schweißigem Gemüffel, da bei schon sommerlichen Temperaturen mal wieder die Klimaanlage ausfällt.

So sah es in den vergangenen Jahren oft am langen Pfingstwochenende aus.

Und dieses Jahr? Angesichts der Coronakrise und der trotz niedriger Neuinfektionszahlen noch immer schwelenden Gefahr einer Sars-CoV-2-Ansteckung? In den vergangenen Wochen war das Reisen aufgrund der Kontaktbeschränkungen nur sehr begrenzt möglich - und die Fahrgastzahl bei der Deutschen Bahn (DB) um rund 90 Prozent eingebrochen. Seit dieser Woche aber sind im ganzen Land wieder Hotels und Gaststätten geöffnet, Verreisen ist unter Auflagen wieder denkbar.

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Unterwegs per Bahn: So sieht es in den Zügen aus

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Was erwartet Passagiere jetzt beim Bahnfahren, und worauf müssen sie achten? Lesen Sie hier Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Fahren die Züge wieder wie vor der Coronakrise?

Die DB hat das Fahrplanangebot im Regionalverkehr im bundesweiten Schnitt wieder auf 95 Prozent des Niveaus vor der Krise angehoben. Während der strengen Corona-Shutdown-Phase lag es im bundesweiten Schnitt bei rund zwei Dritteln des Regelfahrplans.

Im Fernverkehr hat die Bahn "touristische ICE- und IC-Linien" wieder aufgenommen - zuvor war das Angebot auf 75 Prozent runtergefahren worden, wie ein Bahn-Sprecher sagt. Ab dem Pfingstwochenende will das Unternehmen auf mehreren stark frequentierten ICE-Strecken wieder zwei statt wie in den vergangenen Wochen nur einen Zugteil pro Fahrt einsetzen: Betroffen ist demnach die Strecke von München über Köln nach Dortmund - sowohl über Nürnberg als auch über Stuttgart, außerdem die Verbindung von Dortmund nach Basel.

Auch die ICE-Sprinter-Züge zwischen Berlin und München verkehren bald wieder: der Erste ab dem 2. Juni, ein weiterer ab dem 14. Juni. Seit Montag werde nach Österreich und in die Schweiz "wieder annähernd das vollständige Angebot gefahren". Bis Mitte Juni seien wieder alle Nachbarländer mit dem Zug erreichbar, sagte DB-Personenverkehrsvorstand Berthold Huber am Montag.

Bei den Privatbahnen gelten bis auf einige Ausnahmen weitgehend wieder die regulären Fahrpläne. Das Unternehmen Flixtrain, das etwa die Strecke Hamburg-Köln und Aachen-Berlin-Leipzig abdeckt, hat den Betrieb noch nicht wieder aufgenommen. 

Wie voll werden die Züge?

Die Tage rund um Himmelfahrt waren ein erster Stresstest: Mehr als 750.000 Reisende nutzten an den vier Tagen den Zug, teilte die DB mit - halb so viele wie im Vorjahr und doch erheblich mehr als in den vorangegangenen Wochen. Um rund 90 Prozent waren die Fahrgastzahlen zuvor eingebrochen. Am Pfingstwochenende seien die Züge aktuell zu 30 bis 40 Prozent ausgebucht, sagte DB-Vorstand Huber am Montag. Normal sei an Pfingsten ein Wert von mehr als 55 Prozent.

Wo gibt es Informationen über die Auslastung der Züge?

Um die Passagiere möglichst gleichmäßig auf alle Züge zu verteilen, hat die DB schon lange vor der Krise eine Auslastungsanzeige in der eigenen Buchungs-App installiert. Diese wird nun den neuen Bedingungen angepasst: Schon wenn ein Zug nur zur Hälfte ausgebucht ist, wird eine hohe Auslastung angezeigt - in der Hoffnung, dass weitere Kunden frühzeitig auf weniger ausgelastete Züge ausweichen.

Welche Regeln müssen Passagiere beachten?

Nach den Verordnungen von Bund  und allen Ländern gilt in öffentlichen Verkehrsmitteln und in Bahnhöfen eine "Pflicht zum Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen" - also auch in den Zügen der DB und anderer Bahngesellschaften.

Außerdem sollten Passagiere mindestens 1,5 Meter Abstand voneinander halten und sich an die bekannten Vorsorgehinweise des Robert Koch-Instituts wie Nies-, Hust- und Waschregeln halten. Zum Essen und Trinken dürfen die Masken abgesetzt werden, Kinder unter sechs Jahren müssen keine aufsetzen. Wer ohne die nötige Maske zum Zug geeilt ist, kann eine im Bordbistro der Deutschen Bahn kaufen. Auch dürfen Schals und ähnliches vor Mund und Nase gebunden werden.

Auch die Privatbahnen wie etwa die Bayerische Oberlandbahn , Westfalenbahn , Metronom  oder Keolis  verweisen auf die allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln.

Auf den Mundschutz weist die DB auch in ihren Zügen hin. Ein Zugsprecher in einem ICE Richtung Schweiz versuchte auf humorvolle Art, die Passagiere zum Tragen zu motivieren: Als "Hinweis an alle Verschwörungstheoretiker bei uns an Bord" sagte er: "Denken Sie bitte daran, dass die Bundesregierung heimlich Speichelproben sammelt, um Klone von Ihnen zu produzieren, die Sie dann ersetzen sollen." Dies könne mit einem Mundschutz verhindert werden.

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Was passiert, wenn andere Passagiere keinen Mundschutz haben?

Im Forum der DB  wurde auch diese Frage gestellt und diskutiert. Trotz der Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung halten sich immer wieder Passagiere nicht daran. Das Unternehmen empfiehlt:

"1. Abstand halten!

2. Den anderen Fahrgast ansprechen und ihn auf die Tragepflicht hinweisen   

3. Unser Personal zur Unterstützung ansprechen. Unser Personal ist angehalten, den Fahrgast auf die Tragepflicht hinzuweisen, kann sie aber nicht durchsetzen, wenn der Fahrgast sich weigert. Wir können den Fahrgast bitten, den Zug zu verlassen, wirklich 'rausschmeißen' kann ihn aber nur die Polizei, die unser Personal rufen kann."

Die Bahngesellschaften haben zwar in ihren Zügen und auch - mit Einschränkungen - auf ihren Bahnhöfen das Hausrecht. Ihre Mitarbeiter dürfen daher Kunden zum Verlassen von Zügen auffordern. Die Durchsetzung ist allerdings eine Sache der Bundespolizei.

Wie reguliert die Bahn die Auslastung und ermöglicht das Abstandhalten?

Die Privatbahn Metronom  in Niedersachsen zum Beispiel hat die Regel "Sitzplatz am Fenster - der Gang bleibt frei" etabliert. Diese gelte auch für Familien, damit andere Passagiere und das Personal, das den Gang passiert, den nötigen Abstand einhalten können.

Bei der Deutschen Bahn gilt das Motto: "Mehr Kapazität schafft zugleich Platz für Abstand und sicheres Reisen", wie Bahn-Personenverkehrsvorstand Huber am Montag sagte. Dass der nächste Reisende mindestens anderthalb Meter entfernt und "nie ein Fahrgast neben dem anderen sitzt", könne die Bahn allerdings nicht garantieren. Demnach bleibt es auch möglich, Sitzplätze nebeneinander zu reservieren. Die Konzernsprecherin sagt dazu: "Wir schaffen die Rahmenbedingungen, unsere Kunden halten die Hygiene- und Abstandsregeln ein."

Eine Maximalbelegung verkündete die Bahn nicht. Das Angebot solle nicht "künstlich verknappt werden" und eine generelle Passagierobergrenze "würde zu schwierigeren Situationen führen, als wir sie heute haben", sagte Huber und verwies dabei insbesondere auf die für den Konzern wichtigen Pendler mit Bahn-Abo. Auch eine Reservierungspflicht sieht die Bahn nicht vor. Sie will Reservierungen aber begrenzen, damit Reisende unterwegs nach Bedarf verteilt werden können. Die Grenze variiere je nach Baureihe, erklärte eine Bahn-Sprecherin.

Die Bahn behält sich allerdings vor, den Ticketverkauf bei Zügen mit voraussichtlich sehr hoher Auslastung komplett auszusetzen. In welchen Fällen genau diese Regelung greifen soll, erklärte der Konzern nicht. Ohnehin hätte sie keine Auswirkungen für alle Reisenden, die schon ein Ticket gekauft oder eine Bahncard haben: Sie können am Bahnsteig auch weiterhin in einen vollen Zug einsteigen, für den in der App und auf der Website keine Fahrkarte oder Reservierung mehr gekauft werden kann.

Was passiert bei einem Corona-Verdachtsfall im Zug?

Wird durch Behörden während der Fahrt ein Corona-Verdacht festgestellt, wird der betroffene Bereich gesperrt und später professionell gereinigt und desinfiziert. Die Passagiere werden durch das Zugpersonal gebeten, ihre Kontaktdaten zu hinterlassen. Das kann entweder durch eine sogenannte Aussteigekarte , per Onlineformular  oder telefonisch unter 0800 / 5 14 15 14 geschehen. So könnten die Behörden später gegebenenfalls die Mitreisenden kontaktieren.

"Wenn Sie in einem betroffenen Zug waren, beobachten Sie Ihre eigene Gesundheit", schreibt die DB in einem Merkblatt. "Sollten Sie mehr als einen Meter von dem Erkrankten entfernt gewesen sein, ist die Gefahr einer Infektion gering."

Was tut die DB in Sachen Hygiene?

Die DB hat nach eigenen Angaben  eine Reihe von Maßnahmen getroffen, "um das Coronavirus weiter erfolgreich einzudämmen":

  • Die DB setzt zusätzliches Reinigungspersonal ein und intensiviert die Reinigungspläne in Zügen und in Bahnhöfen. Bis Juli sollen zum Beispiel im Fernverkehr 500 Mitarbeiter und damit doppelt so viele wie bisher die ICEs und ICs während der Fahrt reinigen. Ab August sind dann 600 "Unterwegsreiniger" im Einsatz, die während der Fahrt insbesondere Kontaktflächen und WCs reinigen. Am Frankfurter Hauptbahnhof ist eine neue Technik im Einsatz: Mit UV-C-Lichtbestrahlung sollen die Handläufe an Rolltreppen desinfiziert werden.

  • In den Reisezentren in den Bahnhöfen wurden Plexiglasscheiben installiert. Die Kunden sollten möglichst bargeldlos zahlen.

  • In 20 großen Bahnhöfen dürfen sich Reisende in den sonst kostenpflichtigen Waschräumen kostenlos die Hände waschen. Desinfektionsmittelspender stehen in 180 Bahnhöfen und 150 ServiceStores zur Verfügung. Der Betrieb der DB Lounges wurde bis auf Weiteres eingestellt.

  • In den Zügen kontrollieren die Zugbegleiter die Tickets nur noch auf Sicht. In der ersten Klasse werden keine Zeitungen mehr verteilt, und es gibt auch sonst keinen persönlichen Service mehr am Platz und im Restaurant. In den Bordbistros sind Speisen und Getränke in Einwegverpackungen erhältlich. Die Angebote Kids on Tour und die Kinderbetreuung im Fernverkehr wurden ausgesetzt.

  • Bordtoiletten sowie Türdrücker, Griffe und Haltestangen im Eingangsbereich werden laut Bahn mehrmals täglich gesäubert und desinfiziert. Das Zugpersonal achtet auf das Auffüllen der Seifen- und Desinfektionsspender an Bord.

Auch die privaten Bahnen geben durchweg an, die täglichen Reinigungen ihrer Züge ausgeweitet zu haben.

Was sagen Verbraucherschützer?

Am Montag führte DB-Personenverkehrsvorstand Huber an, dass die Klimaanlagen in den Zügen für einen schnellen und stetigen Luftaustausch sorgten. Für den Verbraucherzentrale Bundesverband reichen solche "beruhigenden Hinweise" allerdings nicht aus.

"Ein Ausfall oder Defekt einer Klimaanlage ist in Corona-Zeiten dann nicht mehr nur ärgerlich, sondern muss zu einer sofortigen Sperrung des Waggons führen", fordert der Verband. Er forderte außerdem dazu auf, mehr Personal in den Zügen einzusetzen, um bei Problemen zu helfen und mögliche Konflikte zu entschärfen. "Nur auf soziale Kontrolle zu setzen, wird nicht ausreichen und kann Bahnfahren stressig machen."

abl/dpa
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