Grohnde, Niedersachsen: Die meisten Radurlauber und -urlauberinnen waren 2021 auf dem Weserradweg anzutreffen
Grohnde, Niedersachsen: Die meisten Radurlauber und -urlauberinnen waren 2021 auf dem Weserradweg anzutreffen
Foto: Schöning / IMAGO

ADFC-Radreiseanalyse Dies sind die beliebtesten Radfernwege Deutschlands

Vier Millionen Menschen sind in ihrem Urlaub durch Deutschland geradelt – immer noch weniger als vor Corona. An ihrer Vorliebe für bestimmte Routen hat sich aber wenig geändert, wie die Radreiseanalyse des ADFC zeigt.

Wer die Einsamkeit sucht und immer freie Fahrt, sollte diese Strecke besser nicht wählen: den Weser-Radweg. Die rund 520 Kilometer lange Route vom Weserbergland zur Nordsee war 2021 der am häufigsten befahrene Radfernweg Deutschlands. Damit hat er den Elberadweg vom Spitzenplatz des Rankings des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) verdrängt.

Unverändert auf dem dritten Rang liegt der Main-Radweg, der entlang des Flusses durch Bayern und Hessen führt. Auf Platz vier und fünf landeten der deutsche Abschnitt des Ostseeküstenradwegs und der Ruhrtal-Radweg.

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Top Five der beliebtesten Radfernwege: Von Weser bis Ruhr

Foto: Jochen Tack / IMAGO

Insgesamt sind unter den Top Ten neun Strecken, die entlang von Flüssen führen – was wohl mit der Hoffnung auf wenige Anstiege und entspanntes Radeln verbunden ist. Dies lässt sich auch am Ranking der beliebtesten Radregionen ablesen: So waren die meisten Radurlauber und -urlauberinnen im Emsland / Osnabrücker Land unterwegs, gefolgt von der Mecklenburgischen Ostseeküste und dem Bodensee und dem Münsterland. Als Bundesland schubste Niedersachsen Bayern vom ersten Platz, Nordrhein-Westfalen war das drittbeliebteste Radreiseziel.

Und wenn es doch mal hügeliger wird? Dann hilft das E-Bike: Wer ein Rad mit elektrischer Unterstützung fährt, traut sich der Befragung zufolge häufig an längere (72 Prozent) und anspruchsvollere Strecken mit mehr Steigungen (53 Prozent) heran. Schon rund vier von zehn radelnden Menschen (42 Prozent) nutzten im vergangenen Jahr für eine Radreise ein E-Bike. Das sind nach Angaben des Fahrrad-Clubs zehn Prozentpunkte mehr als noch 2020. Immerhin gut 14 Prozent gaben an, durch das Elektrofahrrad das Radfahren überhaupt erst (wieder) entdeckt zu haben.

Beliebt ist der Urlaub auf dem Fahrrad immer noch – doch trotz des Zwangs, eher im eigenen Land Urlaub zu machen, haben sich im vergangenen Jahr weniger Menschen auf ihr Rad geschwungen als vor der Pandemie: Rund vier Millionen Menschen haben laut der ADFC-Radreiseanalyse  so einen Urlaub mit mindestens drei Übernachtungen unternommen. Das sei eine halbe Million mehr als im ersten Pandemiejahr 2020, das Vor-Corona-Niveau – also 2019 – lag bei rund 5,4 Millionen Radreisenden.

Für seine Analyse befragte der ADFC knapp 10.300 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger. Von den Radreisenden unter ihnen verbrachten etwa drei Viertel ihren Urlaub in Deutschland, der Rest nahm sich vor allem Strecken in Österreich und Italien vor, zudem auch in Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz. Wer das Rad als Urlaubsvehikel wählt, organisiert zu fast 90 Prozent seine Reise selbst, nur wenige nehmen die Hilfe eines Reiseveranstalters in Anspruch.

Und warum wollen diese Menschen im Urlaub per Rad unterwegs sein? Mehr von Land und Leuten sehen, aktiv sein und die umweltfreundliche Art zu reisen – wurden als Motivation angegeben. Immerhin 68 Prozent der Radurlauber planen, dies auch in diesem Jahr wieder zu genießen.

Im Schnitt fast 1400 Euro pro Rad

Auch wenn das Vor-Corona-Niveau bei den Radurlauben noch nicht wieder erreicht ist: Die Umsätze der Fahrradbranche steigen weiter. Die Verkaufszahlen lagen im zweiten Jahr der Pandemie allerdings nicht mehr so hoch wie im ersten, als Rekordabsätze vermeldet wurden, wie der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) in Berlin mitteilte. Aber im Schnitt wurde mehr Geld pro Rad ausgegeben: 1395 Euro im vergangenen Jahr – in 2020 waren es noch 1279, zehn Jahre zuvor sogar nur 495.

Die Menschen in Deutschland würden es beim Radfahren bequem mögen, sich öfter für ein E-Bike entscheiden und sich das auch etwas kosten lassen, gab der Verband an. Der Verband rechnet damit, dass bald jedes zweite verkaufte Rad ein E-Bike sein wird. Deutschlandweit ist die Zahl der Fahrräder innerhalb von zehn Jahren von rund 70 auf 81 Millionen im Jahr 2021 gestiegen – die Zahl der E-Bikes nahm im gleichen Zeitraum von 0,9 auf 8,5 Millionen zu.

abl/dpa