Aschewolke Flughäfen in Nordengland müssen geschlossen werden

Die Aschewolke aus Island breitet sich über Großbritannien aus. Mehrere Flughäfen im Norden Englands und in Nordirland mussten geschlossen werden. Die Lufthansa will jetzt mit einem Testflug ermitteln, wie hoch die Aschekonzentration über Europa ist.

Reuters

London - Wegen der Vulkanasche aus Island sind am Sonntag die Flughäfen im Norden Englands, in Nordirland und Teilen Schottlands geschlossen worden. Die Wolke breite sich rasch im britischen Luftraum aus, erklärte die Luftverkehrsbehörde. In Nordengland soll die Sperrung zunächst von 12 bis 18 Uhr anhalten. Betroffen sind die Flughäfen Manchester, Liverpool, Doncaster, Carlisle, Humberside und East Midlands. In Belfast und auf der Isle of Man durften keine Maschinen starten und landen. Die Londoner Flughäfen sind nicht betroffen.

In Irland sollten die Flughäfen in Dublin und Shannon bis mindestens 14 Uhr geöffnet bleiben. Nach Einschätzung des britischen Verkehrsministeriums könnte in den kommenden Tagen auch wieder der Südosten Englands und damit der Londoner Flughafen Heathrow von einer Schließung betroffen sein.

Im deutschen Luftverkehr ist nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) vorerst nicht mit neuen Einschränkungen durch Vulkanasche zu rechnen. "Die deutschen Fluggesellschaften führen ihren Flugbetrieb ganz normal weiter und werden dies nach der aktuellen Einschätzung auch in der kommenden Woche tun können", sagte BDF-Geschäftsführer Michael Engel am Sonntag in Berlin.

Testflug soll Vulkanasche-Konzentration ermitteln

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Samstagabend seine Vorausschau aktualisiert. Danach sollen die Aktivitäten des Vulkans Eyjafjallajökull auf Island nicht zu erneuten Behinderungen im deutschen Luftraum führen. Größere Einschränkungen seien in den kommenden Tagen nicht zu erwarten, hieß es am Sonntag beim DWD.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) erwartet bis einschließlich Dienstag keine Einschränkungen im Luftverkehr über Deutschland wegen der Aschewolke. Die Auswertung der aktuellen Daten habe ergeben, dass hierzulande vorerst nicht mit einer erhöhten Aschekonzentration zu rechnen sei.

Die Lufthansa und das Mainzer Max-Planck-Institut haben am Sonntag bei einem Testflug die Vulkanasche-Konzentration über Europa gemessen. Ein mit Messtechnik ausgerüsteter Airbus A340-600 sei gegen 10 Uhr auf dem Frankfurter Flughafen gestartet, sagte eine Sprecherin der Lufthansa. Die Maschine sollte sieben Stunden in der Luft sein und dabei Deutschland, Skandinavien, die Britischen Inseln und Teile des Nordatlantiks überfliegen. Erste Ergebnisse der Messung erwartet die Lufthansa Anfang der Woche.

Ryanair muss Strafe zahlen

Der Billigflieger Ryanair muss eine Millionenstrafe zahlen, weil er im Vulkanasche-Chaos gestrandeten Passagieren nicht genug geholfen hat. Das italienische Amt für Flugsicherheit (ENAC) verdonnerte Ryanair zu einer Geldstrafe von drei Millionen Euro, wie die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Sonntag berichtete. Die Billigfluglinie sei Mitte April auf dem römischen Flughafen Ciampino in mindestens 178 Fällen ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen. So seien die wegen der Luftraumsperre gestrandeten Passagiere - darunter Familien mit Kleinkindern und alte Menschen - nur unzureichend mit Lebensmitteln, Getränken, Übernachtungsmöglichkeiten oder Ersatzflügen versorgt worden.

Eine Ryanair-Sprecherin sagte dem Sender BBC, die Anschuldigungen seien "kompletter Blödsinn": "Ryanair hat sich voll und ganz an die EU-Regularien gehalten und ist dafür sogar von der EU gelobt worden." Kurz nach dem Flugchaos im April hatte Ryanair zunächst angekündigt, man werde nur die Ticketpreise ersetzen. Später allerdings hieß es, das Unternehmen werde sich den europäischen Regeln unterwerfen und alle "angemessenen Ausgaben" zahlen.

Im Fall einer ausfallenden Flugverbindung ist die betreffende Airline gesetzlich verpflichtet, für einen Ersatzflug sowie für die Verpflegung und Unterbringung der Passagiere zu sorgen. Doch im Vulkanasche-Chaos im April hätten schließlich die ENAC selbst und der italienische Zivilschutz den Ryanair-Passagieren unter die Arme greifen müssen, schreibt die römische Zeitung.

Der Ausbruch des Vulkans am isländischen Gletscher Eyjafjallajökull hatte im vergangenen Monat fast den gesamten europäischen Luftverkehr rund eine Woche lang lahmgelegt. Die Schließung von hunderten Flughäfen hatte ein beispielloses Chaos ausgelöst, mehr als acht Millionen Reisende waren auf den Flughäfen sitzengeblieben.

sto/dpa/apn



insgesamt 138 Beiträge
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Seite 1
Fackus, 24.04.2010
1. eine Frage ...
Zitat von sysopNach dem europaweiten Reise-Chaos dauert die Diskussion über den Umgang mit dem Vulkanausbruch weiterhin an. Inzwischen erscheinen die Entscheidungen zweifelhaft. War die radikale Sperrung des Luftraums überhaupt notwendig?
... die in ihrer Dämlichkeit glatt aus dem ZdF Politbarometer entsprungen sein könnte. Ach - da war sie neulich sogar ? ... klaro. Als ob von uns Normalos irgendeiner das tatsächlich beantworten könnte! Keiner hat seinen Rüssel zum Schnuppern in 6000m über Grund gehängt. Kaum einer wird wissen, was da überhaupt rumgeflogen ist oder hat je einen Vulkan von innen gesehen. Na - dann wird's ja gleich wieder losgehen: Druff auf die Entscheider ! Aber mal nachdenken, was man in so einem Fall an verantwortlicher Stelle wirklich selber getan hätte.
semper fi, 24.04.2010
2.
Zitat von sysopNach dem europaweiten Reise-Chaos dauert die Diskussion über den Umgang mit dem Vulkanausbruch weiterhin an. Inzwischen erscheinen die Entscheidungen zweifelhaft. War die radikale Sperrung des Luftraums überhaupt notwendig?
Die zweideutige Antwort lautet: Jein. Die Sperrung war notwendig. Aber aufgrund des äusserst schlechten Krisenmanagements (in anderen Foren schon mehrfach ausgeführt) hat die Sperrung viel zu lange gedauert.
Haio Forler 24.04.2010
3. .
Zitat von Fackus... die in ihrer Dämlichkeit glatt aus dem ZdF Politbarometer entsprungen sein könnte. Ach - da war sie neulich sogar ? ... klaro. Als ob von uns Normalos irgendeiner das tatsächlich beantworten könnte! Keiner hat seinen Rüssel zum Schnuppern in 6000m über Grund gehängt. Kaum einer wird wissen, was da überhaupt rumgeflogen ist oder hat je einen Vulkan von innen gesehen. Na - dann wird's ja gleich wieder losgehen: Druff auf die Entscheider ! Aber mal nachdenken, was man in so einem Fall an verantwortlicher Stelle wirklich selber getan hätte.
Eben. Vermutlich dasselbe, einfach um sicher zu gehen. Ich hätte das Getöse hören wollen, wäre auch nur eine halbbesetzte Cessna wegen Asche abgestürzt.
shaman1905 24.04.2010
4.
Ich bin mir ganz sicher, was ich gemacht hätte: Gesperrt. Auch nur ein Menschenleben zu riskieren, solange vieles unklar war, hätte ich nicht verantworten wollen.
rkinfo 24.04.2010
5.
Zitat von semper fiDie zweideutige Antwort lautet: Jein. Die Sperrung war notwendig. Aber aufgrund des äusserst schlechten Krisenmanagements (in anderen Foren schon mehrfach ausgeführt) hat die Sperrung viel zu lange gedauert.
Genau ! Auch die Fluggesellschaften, Aibus & Boeing sowie die Triebwerkhersteller hatte keine Daten um die Asche zu bewerten. Ohne messbares Indiz was gefährlich und ungefährlich ist war die Sperrung unvermeidbar. Aber sowas muß nicht viele Tage dauern und vor allem nicht alle 6-10 Stunden neu geschoben werden.
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