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Rekord-Bauwerk in Thüringen: Ein ganz schön schiefer Turm

Foto: TMN

Pläne für Thüringen Schiefster Turm der Welt soll in der Rhön entstehen

Das schiefste Gebäude der Welt soll die Rhön attraktiver machen. Doch nicht jeder hält die Pläne für das Besucherzentrum auf der Hohen Geba für gelungen. Viele finden den Turmbau zu Thüringen ganz schön schräg.

Der Rundumblick von der Hohen Geba über die Rhön ist so schon großartig. Doch nun soll der 751 Meter hohe Berg weltweiter Rekordhalter werden: Auf seinem Gipfelplateau soll das schiefste Gebäude der Welt entstehen - ein 70 Meter hoher Aussichtsturm, der sich um 23,5 Grad zur Seite neigt. Damit würde der Thüringer Bau dem "Capital Gate"-Wolkenkratzer im arabischen Emirat Abu Dhabi den Rang ablaufen. Dieser hält mit seiner Neigung von 18 Grad laut Guinness-Buch der Rekorde derzeit den Titel.

"Die Idee hinter unserem schiefen Turm ist, dass er die gleiche Neigung wie die Erdachse haben soll", sagt Peter Heimrich, Landrat von Schmalkalden-Meiningen (SPD), SPIEGEL ONLINE. Er hat von Forschern ausrechnen lassen, wie viele Touristen der Superturm auf die Hohe Geba locken könnte: "Bislang haben wir im Jahr bis zu 10.000 Besucher, wenn der Turm steht, könnten es 100.000 werden."

Spazieren gehen auf einer Umlaufbahn

Die Entwürfe für das 14-Millionen-Euro-Projekt kommen vom Schmalkaldener Architekturbüro Bießmann und Büttner. Und das hat noch weitere Pläne: Der Turm soll nicht nur schief werden. Eine von Stahlseilen gehaltene, bis zu 30 Meter hohe, ellipsenförmige Rampe soll als Spazierpfad für schwindelfreie Geba-Gäste von außen um den Turm führen.

Innen soll es viel Platz für eine Ausstellung über astronomische Phänomene, die Entstehungsgeschichte der Rhön und besondere Naturereignisse geben. Unter Sternenguckern ist das Mittelgebirge bekannt für seinen von Lichtsmog ungestörten sternenreichen Nachthimmel. "Hier können Sie das Zodiakallicht beobachten, dafür muss man sonst in die namibische Wüste reisen", erklärt Landrat Heimrich stolz. Eine weitere Attraktion: die geplante 120 Meter lange Himmelskörperrutsche im Besucherzentrum.

Peter Heimrich hofft, den ersten Spatenstich für den schiefen Turm zu Thüringen vielleicht noch in diesem Jahr feiern zu können. Ob das tatsächlich klappt, steht allerdings in den Sternen. Zum einen sind in den politischen Reihen längst kritische Stimmen laut geworden: Als "Gigantomanie" kritisiert der CDU-Landtagsabgeordete Michael Heym das Bauvorhaben, wie der Rundfunksender MDR berichtet.

Zum anderen ist auch die Finanzierung noch nicht gesichert. Zwar rechneten Landkreis und beteiligte Kommunen laut MDR damit, dass der Freistaat Thüringen bis zu 90 Prozent der Baukosten bezahlen könnte. Zehn Prozent der Co-Finanzierung muss allerdings der Landkreis selbst übernehmen. Grünes Licht vom Kreistag für das Projekt steht ebenfalls noch aus.

"Ein derartiger Turm passt nicht in die Landschaft"

Kritik gibt es auch von Naturliebhabern: "Als Brandenburger Thüringen-Fan bin ich entsetzt über das Vorhaben, auf der Hohen Geba einen schiefen Turm mit einer Rutsche bauen zu wollen. Ein derartiger Turm passt in meinen Augen nicht in diese wunderschöne, ruhige Landschaft der Rhön", schreibt Regina Jurtz im Online-Forum des Fremdenverkehrsverein Geba.

Einer, der die Planungen genau verfolgt, jedoch lieber anonym bleiben möchte, sagt SPIEGEL ONLINE: "Allein schon die Logistik. Die Straßen hier sind schmal. Es passt einfach nicht, dass hier jeden Tag 300 Leute hochgekarrt werden sollen."

Die Kritiker will Landrat Peter Heimrich besänftigen: Anberaumte Informationsveranstaltungen sollen die Wogen glätten, und dann hofft er, dass der Turmbau bald losgehen kann.

leh
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