Ausflugstipps im Herbst Hier kriegen Sie den Goldrausch

Draußen ist es heute Morgen garstig? Hier gibt es Abhilfe: Wir haben fünf Experten nach Deutschlands schönsten Herbstausflügen gefragt. Diese Tipps muntern Sie auf.

Herbstzeit: Die besten Tipps für goldene und weniger goldene Tage
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Herbstzeit: Die besten Tipps für goldene und weniger goldene Tage


Guckt man in diesen Tagen aus dem Fenster, vergisst man leicht, wie großartig der Herbst in Deutschland sein kann. Wenn er will. Was jetzt hilft: schon mal Ausflugspläne für sein goldenes Comeback schmieden. Aber wo?

Wir haben uns in ganz Deutschland umgehört und Empfehlungen gesammelt: Ein Hüttenwirt erzählt, wo Sie oberhalb der Wolkendecke den Herbst besonders prächtig erleben können. Ein Naturschützer weiß, wo Sie jetzt ein großartiges Himmelsspektakel nicht nur sehen, sondern auch hören können. Eine Kutscherin, die die Lüneburger Heide in- und auswendig kennt, erklärt deren herbstlichen Zauber. Und fürs Indoor-Programm sorgen eine Wellness-Expertin und eine Buchkennerin.

Hier sind ihre Tipps:

Himmelsschauspiel – Kraniche beobachten in Mecklenburg-Vorpommern

"Wer die Kranichrast im Herbst erlebt hat, kommt garantiert wieder, um das einmalige Naturschauspiel zu beobachten. Zu Zehntausenden landen die Vögel auf ihrem Weg in den Süden bei uns in der Region und sammeln Kräfte für die Weiterreise. Wie Gaukler lassen sie sich mit hängenden Beinen vom Himmel fallen und veranstalten mit ihren lauten Trompetenrufen ein unvergessliches Konzert. Am schönsten ist es, sie früh am Morgen zu beobachten, wenn sie vor der roten aufsteigenden Sonne zu ihren Futterstellen fliegen und auf den Feldern noch der Nebel liegt. Abends, wenn die Sonne untergeht, ist auch eine super Kranichzeit. Eine tolle Beobachtungstation ist das neu eröffnete Kranorama bei Günz, etwa 20 Kilometer von Stralsund entfernt. Hier kommt man nicht nur ganz nahe an den Futterplatz der Vögel heran, sondern kann den Tieren mit Hilfe von Live-HD-Videos sogar aus nächster Nähe in die Augen schauen. Kundige Kranich-Ranger beantworten Besuchern alle Fragen. Um die Tiere nicht zu verscheuchen, sollte man sich in gedeckten Farben kleiden und ruhig bewegen, ansonsten lassen sich die Kraniche nicht so schnell aus der Ruhe bringen."

Der Biologe und Naturschützer Dr. Günter Nowald leitet das Kranich-Informationszentrum in Groß Mohrdorf in der Region Darß-Zingster Boddenkette und Rügen.

Über der Wolkendecke - Wandern in Bayern

"Gerade im Oktober liegt in Bayern oft der Nebel im Tal, in tieferen Lagen ist dann schlechtes Wetter. Doch wer dann zum Beispiel aus München zum Spitzingsee auf etwa 1100 Metern hochfährt, kann wie durch Magie erleben, wie er plötzlich diese Wolkendecke unter sich lässt. Oft haben wir im Spätherbst hier oben Traumwetter, während weiter unten die Leute schon den Oktober-Blues schieben. Eine sehr gute Zeit ist das für Wanderrouten am Stolzenberg, an der Rotwand oder für die dreitägige Drei-Seen-Tour vom Spitzingsattel über die Rotwand bis nach Enterrottach. Natürlich hängt das von den Verhältnissen ab - gerade hatten wir zum ersten Mal ein bisschen Schnee -, aber normalerweise ist das problemlos bis Mitte November möglich. Persönlich mag ich als passionierter Jäger am Herbst vor allem die Hirschbrunft. Die ist allerdings für dieses Jahr schon vorbei."

Uwe Gruber ist seit 16 Jahren Hüttenwirt der Albert-Link-Hütte und der Schönfeldhütte in den Alpen im Süden Bayerns.

Durch den Nordnebel - Entdeckungstour durch die Lüneburger Heide

"Die meisten Besucher kommen im Frühherbst zu uns, wenn die Heide violett blüht. Ein toller Anblick, keine Frage, aber es ist dann eben auch viel los in der Naturparkregion Lüneburger Heide. Wer es besinnlicher mag, wird sich von der Heide eher später im Herbst verzaubern lassen. Dann stehen die Wacholder-Büsche wie sagenumwobene Gestalten in der nebligen Landschaft, und Millionen von Spinnweben glitzern morgens im Tau. Die Heide ist jetzt rostviolett, dazwischen leuchten die Pilze. Ich lebe in Döhle, dem Tor zur Lüneburger Heide, hier startet der Machandel-Naturerlebnispfad, den ich für Familienausflüge sehr empfehle. Gut stärken kann man sich vor dem Abmarsch nach Oberhavebeck noch in der Pension Auetal. Die Chefin tischt hier regionale Spezialitäten auf. Besonders empfehlenswert sind die Wildgerichte auf Vorbestellung. Ein besonderes Erlebnis ist auch die Große Sudermühler Herbstjagd am 21. November, wenn die Reiter im roten Jackett der Foxhound-Meute durch den Naturpark hinterherjagen."

Britta Alpers kutschiert seit über zwanzig Jahren mit zwei Friesenpferden Besucher durch die Heide. Bis Ende Oktober sitzt sie - wie alle singenden Heidekutscher aus Döhle - noch auf dem Bock, danach sollten Besucher lieber zum Wandern oder Radfahren kommen. "Auf der Kutsche, ganz ohne Bewegung, wird es dann was kühl", sagt sie.

Herbstbad – Schwimmen und schwitzen in der Sauna

"Sanddorn, Blutorange, Melisse oder Zedernholz - ich liebe diese Düfte. Viermal pro Tag dürfen sich unsere Gäste bei mir total entspannen und mit einem Saunagang etwas Gutes tun. Sie bauen Stress ab, schwitzen Gifte aus dem Körper und genießen die Wärme. Ein Aufguss geht so: Beim ersten Schwall Wasser, der auf den heißen Steinen landet, verteilt sich das Aroma im Raum. In der zweiten Runde nehme ich drei bis vier Kellen, um die Sauna aufzuwärmen. Und der dritte Aufguss heizt dann so richtig ein, die Temperatur steigt auf bis zu 95 Grad. Wer solche Hitze nicht mag, geht besser in das Bio-Saunarium oder in die Kräutersauna, die nur 65 Grad erreichen. Anfänger sollten ihre Körper nicht überfordern – und es vielleicht mit dem sogenannten Frische-Kick versuchen. Bei diesem Aufguss lege ich Eisbälle auf den Ofen, in die ich zuvor Menthol-Kristalle gesteckt habe. Beim Schmelzen entsteht Wärme, die sich durch die ätherischen Öle im Wasserdampf aber nicht zu heiß anfühlt. Ich persönlich liebe unsere Damensauna mit einem schönen Blick nach draußen - und unser historisches Schwimmbad. Es hat den Zweiten Weltkrieg in Teilen überstanden und wurde 2008 nach einer Sanierung neu eröffnet."

Lisa Krieg, 22, arbeitet als Saunameisterin im Jugendstilbad Darmstadt.

Urlaub auf der Couch – Drei Lesetipps für den Herbst

"Meine erste Empfehlung ist: 'Damit du dich im Viertel nicht verirrst' von Patrick Modiano. Erinnern und Vergessen prägen fast alle Romane des französischen Nobelpreisträgers. Auch sein neuer Roman ist eine Recherche nach verlorenen Orten und Menschen. Der Erzähler entdeckt in einem Kinderfoto sein eigenes, ihm fremdes Gesicht. Mit ihm tauchen Bilder und Ereignisse aus seiner Jugendzeit auf. Wie Kometen aus dem Dunkel des Alls leuchten sie auf, um wieder zu entschwinden und so ihr unlösbares Geheimnis zu bewahren.

Wie bei Karl Ove Knausgård sind die Romane des norwegischen Autors Tomas Espedal autobiografisch und ohne Anspruch auf Fiktion. Auch Espedal schreibt, um zu überleben. War es in seinem Roman 'Wider die Natur' die unglückliche Liebe, so ist es in seinem frühen, jetzt erschienenen Roman 'Wider die Kunst' der Tod seiner Mutter und seiner Frau, den er nicht erträgt. Es ist der drängende Rhythmus seiner Sprache, der den Leser hineinzieht in die Lebensgeschichte des Autors. Espedal lesen, bedeutet, eine Katharsis zu durchleben mit dem Resultat einer Befreiung und eines Neuanfangs.

Zuletzt noch ein Klassiker: 'Ein Leben' von Guy de Maupassant. Das Leben, so erscheint es der jungen Jeanne, ist ein Traum von Liebe und Glück, Licht, Farbe und Leidenschaft. Der ersehnte Höhepunkt, die Hochzeit, führt zur Wende – der Zerstörung aller Illusionen. Der Lebenstraum zerbricht an der Realität, die sich als verlogen, kalt, herzlos und trist erweist. In seinem bewegenden Erstlingsroman zeigt Maupassant in sehr detailgetreuen, naturnahen Alltagsbildern Traum und Wirklichkeit im Widerstreit."

Dr. Ingeborg Prager leitet seit acht Jahren die Buchhandlung in Schloss Elmau. Sie ist außerdem zuständig für das Programm und die Organisation der literarischen Veranstaltungen des Hotels.

Haben Sie auch einen Tipp für ein Herbstziel? Schreiben Sie uns, welchen Ort oder welches Erlebnis Sie jetzt aus eigener Erfahrung besonders empfehlen und warum - mit Foto (idealerweise mit einer Breite von mindestens 1200 Pixel) und in drei Sätzen. Die besten Tipps veröffentlichen wir auf SPIEGEL ONLINE. Einfach E-Mail an: spon_reise@spiegel.de

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ele/jus/sto



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
al2510 16.10.2015
1. Man kann auch eine Burg/Festung/Schloss besuchen
wenn man lieber einen befestigten Weg haben will, und auf Laub und Fernsicht nicht verzichten will, dazu noch keinen Rucksack mitnehmen und auch etwas für die Bildung tun will, sollte man eine Schloss, oder eine Burg in Bayern, Franken aufsuchen. http://www.schloesser.bayern.de/deutsch/schloss/index.htm Das Museum sollte man dabei nie weglassen, obwohl die Landschaft kaum Zeit lässt. Regnet es arg, bleibt das Museum doch trocken. Parkplätze sind meist ganz nah auch vorhanden.
112211 16.10.2015
2. Wo ...
Wo sind denn die Tipps?
der_Pixelschubser 16.10.2015
3. Die Eifel fehlt
Im Herbst ist die Eifel ein wahres Naturspektakel – hinter dem Indian Summer in Vermont braucht sich unsere herrliche Landschaft definitiv nicht zu verstecken. Reisetipps im Herbst, ohne die Eifel zu erwähnen? Taugt nicht.
c.PAF 16.10.2015
4.
Nichts für ungut, ich muß dafür nur vor die Türe gehen. Wenn man nicht gerade mitten in einer Stadt wohnt, dürfte das wohl überall der Fall sein. Warum ich dafür erst durch halb Deutschland fahren soll, erschließt sich mir nicht wirklich.
Layer_8 16.10.2015
5. Südwestdeutschland
Bei uns in den Rheinauen ist es ja auch nicht schlecht. Besonders schön mit Nebelschwaden. Und der Schwarzwald ist auch nicht weit, wenn unten wirklich alles unter der Nebelglocke versunken ist.
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