Ausstand der Lokführer Streik schneidet Osten vom Fernverkehr ab

Streik der Bahn führt zu Leere am Dresdner Hauptbahnhof: ICE nur noch nach Prag
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Streik der Bahn führt zu Leere am Dresdner Hauptbahnhof: ICE nur noch nach Prag

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Der GDL-Streik wirkt, zwei Drittel der ICE und IC fallen aus. Betroffen sind vor allem Verbindungen aus und nach Ostdeutschland. Hier der Überblick, wo noch Züge fahren und wo kaum noch etwas geht.

Hamburg - Der Bahnstreik schränkt den deutschen Fernverkehr stark ein - vor allem im Osten des Landes. Dort sind die Lokführer stärker in der Gewerkschaft GDL organisiert. Das schlägt sich auch im Ersatzfahrplan nieder, wie ein Vergleich mit dem regulären Fahrplan zeigt. Fahrgäste müssen sich darauf einstellen, häufiger umzusteigen und größere Teile ihrer Reisestrecke mit dem ebenfalls eingeschränkten Regionalverkehr zurückzulegen.

Im Klartext: Rund zwei Drittel der Fernverkehrszüge fallen deutschlandweit aus. So stehen die Züge auf mehreren ICE- und vor allem IC-Strecken komplett still. Außerdem werden die verbleibenden Verbindungen zum Teil seltener als sonst bedient (siehe Grafik unten). Welche Linien in welchem Takt fahren, beschreibt die Bahn in ihrer Streik-Übersicht.

Von den 28 ICE-Linien fallen zwölf komplett aus, darunter die stündliche Verbindung zwischen München und Dortmund. Noch stärker trifft der Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL die IC-/EC-Verbindungen. Auf nur noch drei der 18 Linien fahren Züge.

Durch den Streik fast komplett vom Fernverkehr abgeschnitten

Großstädte wie Berlin, Hamburg, Frankfurt und München sowie große Teile Nordrhein-Westfalens werden auch während des Streiks der Bahn regelmäßig von Fernverkehrszügen angefahren. Auf manchen anderen Strecken fahren nur noch Einzelzüge. Leipzig und Erfurt etwa werden nur noch unregelmäßig bedient.

Einzelne Großstädte sind durch den Bahnstreik sogar komplett vom innerdeutschen Fernverkehr abgeschnitten. In Dresden etwa gibt es nur noch eine IC-Verbindung - nach Prag. Die Verbindung Richtung Köln fällt aus. Auch in anderen Städten, die sonst von ICE und IC angefahren werden, müssen die Menschen erst mit der Regionalbahn oder mit anderen Verkehrsmitteln dorthin fahren, wo es noch Anbindung an den Fernverkehr gibt. Betroffen sind vor allem ostdeutsche Städte wie Halle und Magdeburg.

Der Regionalverkehr ist vom Streik unterschiedlich stark betroffen. In Süddeutschland fallen etwa 60 Prozent der Züge aus, im Norden und Westen 70 Prozent und im Osten bis zu 85 Prozent. Je nach Wohnort kann es also schwierig werden, die nächste Stadt mit Zugang zum Fernverkehr zu erreichen.

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Überblick: Der Tarifkonflikt bei der Bahn
Was will die GDL?
Die GDL fordert fünf Prozent mehr Lohn bei kürzeren Arbeitszeiten. Zusammengerechnet ergibt sich eine Steigerung von 15 Prozent. Weselsky will zudem künftig nicht nur Tarife für die rund 19.000 Lokführer aushandeln, sondern auch für die Zugbegleiter und Rangierführer unter den GDL-Mitgliedern. Bislang wurden diese von der Eisenbahn und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vertreten.
Was bietet die Bahn?
Die Bahn bietet eine dreistufige Einkommenserhöhung um fünf Prozent, verteilt auf 30 Monate. Dazu eine Einmalzahlung von rund 325 Euro. Konkurrierende Tarifverträge innerhalb einer Berufsgruppe will der Konzern aber in jedem Fall vermeiden. Die Bahn hatte angeboten, bei Tarifgesprächen künftig parallel mit GDL und EVG zu verhandeln. Sollte dann nur eine Gewerkschaft einem Kompromiss zustimmen, soll dieser auch nur für ihre Mitglieder gelten. Die andere Gewerkschaft soll nach Willen der Bahn dann aber nicht mehr streiken dürfen.
Was kosten Bahnstreiks die Wirtschaft?
Streiks bei der Deutschen Bahn kosten die Wirtschaft nach Prognose von Forschern schnell einen dreistelligen Millionenbetrag, abhängig von Länge und Intensität. "Bei durchgängigen Streiks von mehr als drei Tagen sind in der Industrie Produktionsunterbrechungen zu erwarten", schreibt das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). "Die Schäden können dann schnell auf mehr als 100 Millionen Euro pro Tag steigen."

insgesamt 1202 Beiträge
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Seite 1
kdshp 25.10.2010
1.
Zitat von sysopMillionen Bahnreisende müssen wegen der Warnstreiks mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Ist der Ausstand im Streit um einen neuen Tarifvertrag angemessen? Oder profilieren sich die Gewerkschaften auf Kosten der Bahnkunden? Diskutieren Sie mit.
Hallo, nicht die Gewerkschaften profilieren sich hier auf kosten der kunden sondern die bahn/der arbeitgeber.
08154711, 25.10.2010
2. Kein Titelzwang.
Zitat von sysopMillionen Bahnreisende müssen wegen der Warnstreiks mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Ist der Ausstand im Streit um einen neuen Tarifvertrag angemessen? Oder profilieren sich die Gewerkschaften auf Kosten der Bahnkunden? Diskutieren Sie mit.
Was bezwecken Sie eigentlich mit dieser tendenziösen Fragestellung? Der SPON sollte mehr Unabhängigkeit zeigen oder sponsert die Bahn irgendwelche Anzeigen?
murrle01 25.10.2010
3. Bin gegen jeden Streik.....
der Andere beeinträchtigt. In diesem Fall würde von einem Erfolg aber sogar die DB Vorteile haben. Da bei Ausschreibungen fast immer die privaten Betreiber den Zuschlag bekamen, den sie auch durch geringere Lohnkosten erreichten. Wenn die Privaten die gleichen Kosten hätten, käme die DB wieder in den "Genuss" mehr Strecken bedienen zu können. murrle01
Tom der Dino 25.10.2010
4. hmmmpf
Zitat von 08154711Was bezwecken Sie eigentlich mit dieser tendenziösen Fragestellung? Der SPON sollte mehr Unabhängigkeit zeigen oder sponsert die Bahn irgendwelche Anzeigen?
In meinem Geschichtsunterricht habe tendenziöse Fragen zu regen Diskussionen geführt und damit die Entwicklung selbstständig denkender Menschen gefördert. In einem Diskussionsforum ist das absolut in Ordnung, in einem Zeitungsartikel dagegen nicht.
Michael Giertz, 25.10.2010
5.
Zitat von sysopMillionen Bahnreisende müssen wegen der Warnstreiks mit Zugausfällen und Verspätungen rechnen. Ist der Ausstand im Streit um einen neuen Tarifvertrag angemessen? Oder profilieren sich die Gewerkschaften auf Kosten der Bahnkunden? Diskutieren Sie mit.
Und wie soll sonst ein Streik wirken, wenn er niemandem wehtut? 'n Streik ohne wirtschaftliche Folgen ist so sinnvoll wie ein Kühlschrank in der Antarktis. Es wäre nur sinnvoller, wenn die Gewerkschaft kommuniziert, warum gestreikt wird - und Missstände aufzeigen. Eben das mit den Reinigungskräften bei der Bahn. Wenn der Kunde sieht, dass eben nicht wegen 5% mehr Lohn gestreikt wird, sondern damit sich die Arbeitsbedingungen bessern, hat er vielleicht auch mehr Verständnis für den Streik.
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