Buga 2011 Koblenz blüht auf

Über eine halbe Million Zwiebeln sind gesetzt, Tausende Stauden gepflanzt: Die Bundesgartenschau in Koblenz ist eröffnet. Hobbygärtner können sich Tipps und Anregungen in den Beeten am Deutschen Eck, am Schloss und an der Festung holen -  der Star der Schau ist allerdings keine Pflanze.

dapd

Koblenz - Mehr als 50.000 Besucher hat die Bundesgartenschau in Koblenz am ersten Wochenende angelockt. "Wir sind sehr zufrieden, mit so einer Resonanz haben wir nicht gerechnet", sagte eine Buga-Sprecherin am Sonntag. Gleich am Haupteingang erwartete die Pflanzenfreunde eine riesige stilisierte Krone aus Abertausenden bunter Stiefmütterchen und Tulpen. "Oh toll, oh fein" oder "Wahnsinn" war von einigen Gästen zu hören.

"Nach den vielen Bauarbeiten in den letzten zwei Jahren wird es höchste Zeit, dass es jetzt endlich losgeht", sagte eine Koblenzerin, die sich - wie bislang 36.000 weitere Interessierte - eine Dauerkarte für die Buga gekauft hat. Ihr erster Eindruck sei "einfach überwältigend", fügte sie hinzu.

In der Tat haben die Ausstellungsmacher das Buga-Motto "Koblenz verwandelt" so wörtlich genommen, dass manche Koblenzer sich wohl die Augen reiben werden. In den Rheinanlagen etwa, wo man früher über holpriges Kopfsteinpflaster stolperte und der Flair der fünfziger Jahre herrschte, laden jetzt breite Wege zum Flanieren durch eine Blütenlandschaft ein.

"Das wird eine tolle Bundesgartenschau und ich freue mich, dass ich sie als eröffnet erklären darf", sagte Bundespräsident Christian Wulff vor 3000 geladenen Gästen am Freitag bei einem Festakt am Deutschen Eck. In punkto Gartenbau würden hier in den nächsten 185 Tagen die "besten Ideen, die besten Techniken und neuesten Moden" präsentiert.

"Koblenz ist wirklich aufgeblüht", sagte Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). Es ist in der 60-jährigen Buga-Geschichte die erste Bundesgartenschau in Rheinland-Pfalz. Für die bis zum 16. Oktober dauernde Buga sind mehr als 3000 Einzelveranstaltungen geplant, zwei Millionen Besucher werden erwartet. Vor zwei Jahren fand die Schau in Schwerin statt, 2013 richtet Hamburg die Blumenshow aus.

Paradies- und Skulpturengarten am Deutschen Eck

In Koblenz erstreckt sich die Ausstellung auf den Blumenhof am Deutschen Eck, das Kurfürstliche Schloss und die etwa 100 Meter oberhalb der Rheins thronende Festung Ehrenbreitstein. Damit ist das Buga-Gelände mit 48 Hektar kleiner als viele Vorgänger.

Am Schloss wurden Terrassenanlagen des preußischen Gartenbaumeisters Peter Josef Lenné rekonstruiert. Hinter dem Deutschen Eck locken ein Paradies- und ein Skulpturengarten. Das große Gartenschau-Gelände auf dem Festungsplateau bietet Hobbygärtnern Anschauungsunterricht.

Hausgärten, Gemüsenanbau und Artenvielfalt zählen hier zu den Themen. 120 Mustergräber zeigen die Möglichkeiten der Friedhofsgestaltung. In den 23 Schauen der Blumenhallen werden Bonsai oder Kakteen gezeigt. Insgesamt wurden 600.000 Blumenzwiebeln gesetzt, 100.000 Stauden, 1200 Rhododendren und 7000 Rosen gepflanzt.

Der Star der Veranstaltung ist allerdings keine Pflanze, sondern eine neue Seilbahn über den Rhein. Zutritt haben nur Buga-Besucher. Ihnen bieten sich spektakuläre Ausblicke auf die 106.000-Einwohner-Stadt, die das Gefährt längst ins Herz geschlossen hat. Schon als die Seilbahn im vergangenen Juli zum ersten Mal vorab eröffnet wurde, äußerte man hinter vorgehaltener Hand die Hoffnung, die Unesco könne vielleicht doch noch von ihrer Forderung abrücken, dass die Gondeln wegen des Welterbetitels des Mittelrheintals nach drei Jahren wieder verschwinden müssten.

Kleine Anlaufschwierigkeiten

Am ersten Wochenende hatten die Veranstalter allerdings auch auch mit kleinen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen, wie die Buga-Sprecherin einräumte: Die Kasse habe Software-Probleme, es gebe zu wenige Mülleimer, und die Beschilderung müsse da und dort noch verbessert werden.

Probleme gebe es bislang auch mit den Hundeboxen, wo Vierbeiner abgegeben werden können. "Das Veterinäramt verlangt einen Impfpass, und den haben viele Hundebesitzer nicht dabei." Sie hoffe aber, dass es dafür bald eine Lösung gibt. Das Bundesgartenschau-Areal ist für Hunde tabu, ausgenommen sind Begleithunde von Behinderten.

Fast drei Jahre wurde für die Schau unter dem Motto "Koblenz verwandelt" gebaut. Ein strenger Winter und zwei Hochwasser behinderten im vergangenen Winter die Arbeiten - und gewerkelt wurde daher bis zur letzten Minute: Als Bundespräsident Christian Wulff am Freitagvormittag zur Eröffnungsgala am Deutschen Eck vorne rein marschierte, war man hinten gerade so, aber pünktlich fertig geworden mit den letzten Bautätigkeiten.

abl/dpa/dpad



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freixen 18.04.2011
1. Es gibt auch andere schöner Städte am Rhein
Soweit ich weiß, ist dies auch die teuerste BuGa - was die Eintrittspreise betrifft. Eine Jahreskarte für (m)eine Familie würde mich über vierhundert Euro kosten. Soviel zum kinderfreundlichern RheinlandPfalz. Deswegen werden wir Koblenz dieses Jahr meiden. Boppard am Rhein und Cochem an der Mosel sind auch schöne Städte ...oder wie wär´s mal mit dem Ahrtal?
spezialdm 18.04.2011
2. mmh
Naja, man muss ja nicht unbedingt eine Jahreskarte kaufen. Außerdem gibt es auch abseits der BUGA genug was man sich anschauen kann in Koblenz. Auch sind weder der Zugang zum Rhein noch zur Mosel verwehrt. Mal vom BUGA Gelände abgesehen.
Lysas 18.04.2011
3. Jahreskarte nicht teuer!
mit der Jahreskarte kann ich für 110 Euro/Erwachsener 185 Tage lang auf dem Gelände rumspazieren, jetzt ohne Vorverkauf kostet die Karte 120 Euro, tgl die Seilbahn benutzen, Konzerte und Bühnenschauen besuchen und oben auf der Festung in der Sonne abhängen. Was ist denn daran teuer bitte. Einmalig als Anschaffung scheint es viel umgelegt auf die ganze Veranstaltung ist es wenig. Tageskarten sind da sehr viel teurer im Vergleich, da könnte ich als Erwachsene grad 5 mal hin. Die Kinderdauerkarten sind zudem mit 30 Euro in Vorverkauf sehr günstig gewesen. Jetzt kosten sie 35 Euro. 185 Tage viele Spielplätze und 3000 Events, was wollen Sie bloß, ein paar mal Kino in dem halben Jahr ist teurer, selbst schwimmengehen auf Kinder-Dreißiger-Karte kostet einiges mehr!
trosailor 23.04.2011
4. völlig mangelhafte Organisation führt zum Verdruss der Besucher
leider sind die Organisatoren der 102 Millionen € teuren BUGA in Koblenz mit der Organisation der Veranstaltung offenbar völlig überfordert. Informationsstände oder Mitarbeiter die Auskünfte geben können - völlige Fehlanzeige. Besucher von Außerhalb werden zu "Zugängen" geleitet, an denen sie leider nicht reinkommen, da es dort keinen Kartenverkauf gibt, der ist dann am entgegengesetzten Ende, dort dann wie fast überall auf der BUGA, lange Schlangen ... Fast schon lustig war es dann letztlich zu sehen, daß die Feuerwehr anrücken mußte um den Rasen zu gießen, offenbar hat man eine Bewässerungsanlage vergessen. Versucht man Beschäftigte dort anzusprechen, egal wo, er hält man immer die gleiche Auskunft "Ich habe keine Ahnung, ich bin von einer anderen Firma" Einen Informationsstand zu finden war uns während des ganzen Tages nicht möglich. Sehr schade daß die Organisatoren durch ihr Miß-Management damit bei zahlreichen Besuchern für Verdruss und Ärger gesorgt haben, es hätte sonst bei dem tollen Wetter am Karfreitag zu einem wirklich schönen Tag werden können. So wurde der Besuch der BUGA eher zu einer Negativwerbung für Koblenz. Fazit: Die Bundesgartenschau in Koblenz findet zwar in einer sehr schönen Umgebung statt, ist vom Angebot aber eher langweilig, 'aha' Erlebnisse aufgrund origineller Gartenkunst bleiben aus, aufgrund der mangelhaften Organisation - nicht empfehlenswert.
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