Campen an der polnischen Ostsee: Wildcampen ist in Europa meist verboten – so eine Aussicht auf einem Campingplatz hat eher Seltenheitswert
Campen an der polnischen Ostsee: Wildcampen ist in Europa meist verboten – so eine Aussicht auf einem Campingplatz hat eher Seltenheitswert
Foto: ewg3D / Getty Images

Tipps für Anfänger Wie plane ich meinen Camper-Urlaub?

Ein Urlaub im Campingmobil verheißt gerade in der Coronakrise viel Freiheit. Doch günstiger als ein Hotel ist das Mieten eines Wohnmobils oft nicht. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Sie wären ohne Corona nie auf die Idee gekommen, einen Urlaub im Wohnmobil in Erwägung zu ziehen – aber tun dies nun doch? Da sind Sie nicht allein. Camping boomt während der Pandemie – als eine der wenigen Reiseformen überhaupt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit einem rollenden Feriendomizil ist man flexibel und bleibt im Urlaub unter sich. Doch Neulingen stellen sich viele Fragen.

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Wohnmobil-Urlaub für Anfänger: So geht's

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa-tmn

Wo bekomme ich überhaupt ein Wohnmobil her?

Die gute Nachricht: Für einen Camping-Urlaub braucht es kein eigenes Wohnmobil. Fahrzeuge aller Art lassen sich bei verschiedenen Anbietern mieten. Zum Beispiel bei größeren Händlern und Herstellern, die wie Hymer mit Rent-easy.de  und Knaus Tabbert mit Rentandtravel.de  eigene Vermietportale betreiben, aber auch beim ADAC. Oder bei Privatpersonen, die ihre Fahrzeuge auf Webseiten wie Paul Camper , Campanda  oder Yescapa  inserieren.

Die schlechte Nachricht: Die Vermieter sind für die beliebten Ferientermine, an denen die Campingplätze nach der Corona-Schließung eventuell wieder öffnen können, schon stark gebucht.

Welches Fahrzeug ist für mich das richtige?

Bei Wohnmobilen unterscheidet man zwischen teil- und vollintegrierten Modellen sowie dem Alkoven mit Schlafkabine über dem Fahrerhaus. Entscheidend ist, wer mitkommt: Wohnmobile bieten je nach Grundriss Platz für zwei bis sechs Personen. Vollintegrierte Wohnmobile sehen aus wie Busse und bilden die Oberklasse im Camping-Segment.

Experte Michael Hennemann, der für die Stiftung Warentest das »Wohnmobil-Handbuch« geschrieben hat, rät Einsteigern und Mietern zur teilintegrierten Variante: »Das ist die beliebteste und vielfältigste Wohnmobilform mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.«

Wer keine Rundreise machen, sondern den Urlaub an einem Standort verbringen will, kann auch einen Wohnwagen in Betracht ziehen, also einen Anhänger mit Küche, Bad, Wohn- und Schlafraum.

Brauche ich für Wohnmobil oder Wohnwagen einen speziellen Führerschein?

Wer seinen Pkw-Führerschein vor 1999 gemacht hat, muss sich keine Sorgen machen – damit darf man Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von bis zu 7,5 Tonnen fahren. Für alle anderen ist das Gewicht auf 3,5 Tonnen inklusive Zuladung begrenzt, normale Wohnmobile liegen aber meist unter dieser Grenze.

Für das Ziehen eines Wohnwagens gibt es eine Sonderregelung: Der nach 1999 ausgestellte Führerschein muss durch eine B96-Zusatzqualifikation , die man recht kurzfristig in der Fahrschule absolvieren kann, ergänzt werden.

Worauf sollte ich bei der Ausstattung achten?

Wohnmobile sind rollende Häuser. Von der Küche über die Dusche bis zur Heizung ist alles Notwendige vorhanden. Selbst Markise und Fahrradträger sind meist dabei. Gartenmöbel oder der Fernseher samt Satellitenschüssel gelten dagegen als Extras – die beim Mieten eines Urlaubsgefährts bezahlt werden müssen.

»Man kann Geld sparen, indem man sich fragt: Was hat das Fahrzeug an Ausstattung, und brauche ich die überhaupt?«, gibt Viktoria Groß vom Deutschen Camping-Club als Tipp.

Bei privaten Vermietern sind Geschirr und Bettwäsche oft inbegriffen, während sich die großen Stationen solche Utensilien separat bezahlen lassen. Wer keine entsprechenden Ausstattungspakete buchen möchte, kann das Equipment aber auch von Zuhause mitbringen.

Was ist bei der Übergabe vom Vermieter wichtig?

Spätestens bei der Abholung des rollenden Urlaubsdomizils sollten Camper den Vermieter nach der erlaubten Zuladung fragen. Zwar hat ein Wohnmobil viel Stauraum – wer diesen voll ausnutzt, liegt aber schnell über dem laut Fahrzeugschein zugelassenen Maximalgewicht.

Grundsätzlich rät Viktoria Groß, viel Zeit für die Übergabe einzuplanen: »Man muss wissen, wie man eine Toilettenkassette entleert oder die Gasflasche für den Herd wechselt.«

Was kostet ein Urlaub mit dem Wohnmobil?

Wie teuer der Camping-Urlaub wird, hängt vor allem von der gewählten Urlaubszeit ab. Während sich in der Nebensaison durchaus Wohnmobile zur Miete ab 70 Euro pro Tag finden lassen, klettert dies für das Fahrzeug im Sommer schnell auf 120 Euro und mehr.

Dazu kommt gegebenenfalls die Miete für Kochausrüstung, Bettzeug oder Tisch und Stühle, eine Übergabepauschale und eine Kaution. Auch die Selbstbeteiligung bei möglichen Schäden sollte im Blick behalten werden – im Zweifel kann eine Schramme das Urlaubsgefühl verderben.

Bei den Übernachtungskosten gibt es ebenfalls eine große Spannbreite – von fünf Euro pro Nacht bis zu einem dreistelligen Betrag auf dem Fünf-Sterne-Campingplatz. »Günstiger als ein Hotelurlaub ist Camping sicher nicht«, sagt Sachbuchautor Michael Hennemann. Also am besten: erst rechnen und dann buchen.

Wo darf ich eigentlich übernachten?

Generell gilt: Für die Übernachtungen stehen Camping- und Stellplätze zur Verfügung, die in Campingführern aufgelistet sind. Campingplätze verfügen immer über Sanitäreinrichtungen sowie Wasser- und Stromanschluss, meist werden sie gleich für den gesamten Urlaub gebucht.

Stellplätze ausschließlich für Wohnmobile sind dagegen ganz unterschiedlich ausgestattet, mal ohne alles mitten im Wald, mal mit Toiletten, Duschen und sogar Brötchenservice. Der Aufenthalt ist hier in der Regel eher kurz, einige Plätze haben vorgeschriebene Standzeiten von höchstens drei Nächten.

Wildcampen ist in Deutschland – wie fast überall in Europa – verboten. Und auch, sich mit seinem Wohnmobil für Urlaubsnächte einfach auf einen Parkplatz zu stellen. Nur zur sogenannten Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit können Übernachtungen auf geeigneten Plätzen ausnahmsweise möglich sein, die Camper-Besatzung sollte dann keinesfalls Liegestuhl oder gar Grill auspacken.

Dies gilt allerdings nicht, wenn der Stellplatz einen größeren Umweg erfordert – dann gilt er nicht als Stopp, sondern als Ziel, und damit ist die wilde Übernachtung nicht erlaubt. Im Coronasommer 2020 führte das Herumstehen in der Landschaft bei geschlossenen Campingplätzen vielerorts zu Konflikten.

Darf ich mit dem gemieteten Wohnmobil auch ins Ausland fahren?

Die geografischen Grenzen für den Camping-Urlaub setzt der Mietvertrag. In der Regel sind Fahrten innerhalb der EU kein Problem. Wer aber zum Beispiel den Balkan oder Marokko ansteuern möchte, sollte darüber mit dem Vermieter sprechen.

Und natürlich: In der Coronakrise hilft ein Blick auf die Reisehinweise des Auswärtigen Amts , um sich zu informieren, ob und unter welchen Bedingungen das Urlaubsziel zu erreichen ist.

Wie frühzeitig muss ich so einen Urlaub planen?

»Grundsätzlich werden die Fahrzeuge in den Ferien sehr schnell knapp«, weiß Michael Hennemann. Wer an die Hauptferienzeit gebunden ist und ein Wohnmobil für die ganze Familie braucht, sollte bei der Suche auf jeden Fall keine Zeit mehr verlieren. In der Coronakrise haben die Buchungen bei den Vermietern deutlich angezogen, der Reisemobil-Boom begann aber schon vor etwa drei Jahren.

Frühzeitiges Buchen ist übrigens auch für die Campingplätze nötig: »Ich rate davon ab, ins Blaue hinein loszufahren. Man sollte die Campingplätze vorher anrufen und nach einem freien Platz fragen«, empfiehlt Viktoria Groß.

Was kann ich tun, wenn ich kein Wohnmobil mehr bekomme?

Wer für den Sommer kein Fahrzeug mehr findet, muss trotzdem nicht aufs Camping-Gefühl verzichten. Viele Campingplätze bieten die unterschiedlichsten Mietunterkünfte an – vom voll ausgestatteten Zelt bis zum Bungalow. Man kann auch mit dem eigenen Zelt anreisen, allerdings werden Küchenutensilien, Isomatte und anderes Nützliche auf Campingplätzen nicht verliehen. »Ein Zelturlaub braucht gewisse Anschaffungen«, sagt Viktoria Groß. »Für Einsteiger sind das heftige Investitionen, denn je hochwertiger die Sachen sind, desto kleiner lassen sie sich verpacken.«

Wer sich noch nicht sicher ist, ob ihm der Urlaub in Zelt wirklich gefällt, kann sich vielleicht zunächst Zelt und Isomatte bei Freunden leihen. Rechnet man aber den Preis für ein Zelt mittlerer Qualität, Schlafsäcke und Isomatten gegen die Miete eines Campers, ist der Unterschied vielleicht gar nicht so groß. Und die Ausrüstung kann in kommenden Reisen immer wieder genutzt werden – und für sommerliche Zeltnächte im Garten oder Schlafsacknächte auf dem Balkon.

abl/dpa
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