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Tolle Campingplätze für Familien: Hier schlagen wir das Zelt auf

Foto: Björn Staschen

"Cool Camping"-Autor Björn Staschen "Eine Woche bei Regen zu zelten, ist Blödsinn"

Wie gelingt der optimale Campingurlaub mit der Familie? Im Interview gibt Buchautor Björn Staschen Tipps und verrät, wo seine Lieblingsplätze liegen.
Von David Heimburger

SPIEGEL ONLINE: Herr Staschen, welchen klassischen Anfängerfehler machen Familien, die zum ersten Mal campen?

Staschen: Sie nehmen zu viel Gepäck mit. Schlimm ist das natürlich nicht wirklich. Am besten merkt man sich fürs nächste Mal, was man gar nicht erst ausgepackt hat. Wenige Klamotten reichen, schmutzige T-Shirts stören auf dem Campingplatz niemanden. Spielzeug kann zu Hause bleiben und eigentlich auch fast alle Bücher. Es gibt ja draußen so viel zu erleben.

SPIEGEL ONLINE: Nach wie vielen Stunden auf dem Zeltplatz rufen Ihre Kinder nach dem Tablet?

Staschen: Wir selbst haben gar kein Tablet. Und kommt bei den Kindern zwischendurch mal Langeweile auf, legt sie sich immer wieder sehr schnell: Stöcke, Steine, Flüsse, Tiere, Seile oder ein Heuboden sind einfach viel zu spannend.

Zur Person
Foto: Björn Staschen

Als Kind campte Björn Staschen hinter dem Hallenbad im niedersächsischen Wardenburg - bei Dauerregen. Die frühen Zeltabenteuer haben ihn aber nicht davon abgehalten, mit seiner Familie die schönsten Campingplätze in Deutschland ausfindig zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Was muss ein Campingplatz haben, um auch Erwachsene glücklich zu machen?

Staschen: Nicht viel. Ich glaube, dass auch Erwachsene das Einfache mögen. Man möchte auf dem Platz ein Lagerfeuer machen können, grillen und auch mal eine Stunde gemütlich vor dem Zelt liegen können und wissen, dass die Kinder gut beschäftigt sind.

SPIEGEL ONLINE: Wie schnell geht sich eine Familie bei Regen im Zelt an die Gurgel?

Staschen: Ich bin bekennender Schönwettercamper. Es ist Quatsch, sein bisschen Urlaub hinter dem Reißverschluss im Zelt zu versemmeln. Wenn es zwischendurch mal regnet, ist das kein Weltuntergang. Aber eine Woche lang bei Regen zu zelten, ist Blödsinn. Wir fahren lieber der Sonne hinterher.

SPIEGEL ONLINE: Welcher Platz ist Ihr Familien-Favorit?

Staschen: Der Ferienhof Maurus im Allgäu.  Dort gibt es wenige Grenzen und Zäune. Dafür Wasser, Wiesen, Wald, Kälber, Enten, Ponys und eine wunderbar störrische Ziege. Der perfekte Platz zum Kindsein!

SPIEGEL ONLINE: Und Ihre anderen Lieblingsplätze?

Staschen: Das Hofgut Hopfenburg in Münsingen  ist toll. Dort gibt es Tipis, Schäferwagen und Jurten. An der Mecklenburgischen Seenplatte liegen viele, sehr schöne Plätze mitten in der Natur und direkt am Wasser. Dazu gehören das Hexenwäldchen , Bibertours  und der Biber Ferienhof . Der Ferienhof Folger an der Nordsee  mit fünf Plätzen im Garten ist auch super. Der Hof liegt direkt am Deich mit Watt auf der anderen Seite.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn man nicht ganz so weit in den Norden reisen möchte?

Staschen: Anna Fleuth in Winnekendonk  in Nordrhein-Westfalen ist für Familien sehr geeignet. Es gibt Vater-Kind-Wochenenden. Gäste dürfen im Holzbackofen Brot backen. Und es sind keine Autos auf dem Platz.

SPIEGEL ONLINE: Wie entscheiden Sie, welcher Platz in Ihr Buch "Cool Camping" passt? Was ist cool?

Staschen: Meine Auswahl ist subjektiv. Ich fahre hin, gucke mir den Platz an. Wenn ich ihn mag, kommt er ins Buch. Cool ist für mich, wenn ein Platz das Gefühl von Freiheit vermittelt: viel Natur, keine Parzellen, Platz für den Einzelnen, nette Atmosphäre, die Möglichkeit, ein Feuerchen zu machen. Das klingt so banal, aber das findet man auf so wenigen Plätzen.

SPIEGEL ONLINE: Im Urlaub schlafen Eltern gern abwechselnd aus. Im Zelt oder Bulli klappt das nicht. Braucht man nach dem Campen noch mal einen Erholungsurlaub?

Staschen: Wir machen in der Tat nicht nur Campingurlaub. Im Sommer kombinieren wir meistens Zelt und Ferienwohnung, sodass man auch mal länger für sich bleiben kann, und der Partner kümmert sich um die Kinder. Wobei ich auch das langsame Wachwerden meiner Familie im Bulli sehr genieße. Wir haben aber auch ziemlich gute Schläfer. Die Jungs verausgaben sich tagsüber so sehr, dass sich vor sieben oder halb acht morgens selten einer regt.

SPIEGEL ONLINE: Hat sich auf Deutschlands Campingplätzen in den vergangenen Jahren etwas verändert?

Staschen: Als ich 2011 anfing zu recherchieren, war es noch schwer, gute Plätze zu finden. Das hat sich geändert. Insolvente Naturcampings in Ostdeutschland bekommen neue, engagierte Besitzer. Oder Leute starten etwas Eigenes, wie Daniel Wouters vom Platz Anna Fleuth. Die Campingplatzbetreiber merken, dass die klassischen Dauercamper weniger werden und wollen neue Zielgruppen ansprechen. Urlauber, die die Einfachheit schätzen. Aber auch Familien, die ein bisschen mehr Komfort mögen - und gern ein Tipi mit Bett und Kocher buchen.

SPIEGEL ONLINE: Ist das nicht etwas für Warmduscher?

Staschen: Jeder soll das buchen, was ihm gefällt. Wenn eine Familie keine Campingerfahrung hat und für ein Wochenende ein Tipi mieten und schnuppern möchte, ist das doch prima. Ich bin nur gelegentlich erstaunt, was manche Angebote kosten. Ein Baumhaus an der Neiße für 220 Euro am Wochenende ist für normale Familien kaum erschwinglich. Aber ein Tipi auf der Hopfenburg in Baden-Württemberg, das kann man sich durchaus mal leisten.

SPIEGEL ONLINE: Und wohin würden Sie am liebsten fahren, wenn Sie mal wieder ohne Kinder losziehen?

Staschen: Wahrscheinlich hätte ich kein Ziel. Ich würde losfahren und gucken, wo ich lande.


Björn Staschen: "Cool Camping Deutschland" . Haffmans & Tolkemitt; 280 Seiten; 19,90 Euro.