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Wegfall der Maskenpflicht im Flugzeug Wie kann ich mich beim Fliegen sinnvoll schützen?

Ab 1. Oktober müssen Passagiere im Flugzeug keine Maske mehr tragen. Was die einen freut, sorgt die anderen. Ein Aerosol-Experte beantwortet die wichtigsten Fragen.

Herd und Kaffeemaschine aus? Ausweis dabei? Ticket eingesteckt? Medizinische Schutzmaske griffbereit fürs Boarding? Egal, wie hergottsfrüh man sich auf den Weg zum Flughafen machen muss, die Checkliste mit dem Allerwichtigsten betet man selbst im Halbschlaf noch einmal runter, bevor man die Wohnungstüre ins Schloss zieht.

Ab dem 1. Oktober dürfen Urlaubs- und Geschäftsreisende ein Must-have von der Liste des schnell Greifbaren streichen: Im Flugzeug muss ab Monatsbeginn keine Maske mehr getragen werden. Zur Eindämmung der Coronapandemie gelten dann neue Masken- und Testpflichten für die Menschen in Deutschland – die Maskenpflicht im Flugzeug wurde aus dem neuen Infektionsschutzgesetz gestrichen. Bereits Mitte Mai hatten die Luftsicherheitsagentur EASA und die EU-Gesundheitsbehörde ECDC ein verpflichtendes Maskentragen in Flughäfen und Flugzeugen nicht mehr empfohlen.

Was für die einen nun eine ersehnte Erleichterung ist, bereitet anderen Passagieren Sorgen. Ist es wirklich ratsam, an Bord die Maske wegzulassen? Wie kann ich mich auch weiterhin sinnvoll in der Kabine schützen, wenn die Mitreisenden um mich herum keinen Schutz tragen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wie schütze ich mich beim Fliegen bestmöglich?

Der Vorteil der Maske ist unbestritten, sagt Aerosolphysiker Gerhard Scheuch. Der Experte für den Verband Pneumologischer Kliniken (VPK) beschäftigt sich seit rund 40 Jahren mit Aerosolen und hat die Übertragung von Sars-CoV-2 über Aerosole in Räumen erforscht. »Wer ängstlich ist und wer sich wirklich gut schützen will, der ist gut beraten mit einer Maske.«

Aber Flüge können nun mal lang sein, auf Dauer wird das Maskentragen unangenehm. Wer dann mit sich selbst ringt, wie er es mit der eigenen Maske hält, dem rät Scheuch: »Es ist besonders wichtig, beim Einsteigen und in der Zeit vor dem Start und nach der Landung die Maske zu tragen.«

Der Physiker hat während ein paar Flügen Messungen vorgenommen. »Dabei ist mir aufgefallen, dass die CO2-Konzentration und damit die Aerosolbelastung im Flieger ansteigt, wenn das Flugzeug am Boden ist. Während des Fluges nimmt diese ab und bleibt relativ konstant niedrig.« Während des Fluges wird die Maschine also besser belüftet als am Boden.

Die gute Filterung und Belüftung ist eines der Argumente, warum die bisher herrschende Maskenpflicht infrage gestellt wurde. So heißt es etwa bei Lufthansa: »Die gesamte Rezirkulationsluft wird gefiltert und von Verunreinigungen wie Staub, Bakterien und Viren aus der Kabinenluft gesäubert. Dies betrifft circa 40 Prozent – der Rest kommt als Frischluft von außen hinzu. Die gefilterte Luft im Flugzeug entspricht den Luftfilter-Qualitätsstandards von Operationssälen«, schreibt die Fluglinie  in einem FAQ zu ihren Hygienemaßnahmen an Bord.

Außerdem strömt die Luft in Flugzeugen von oben nach unten – und nicht horizontal von Seite zu Seite oder entlang der Länge des Flugzeugs, also nicht von Mensch zu Mensch. Daher sind übrigens auch die manchmal angebotenen freien Mittelsitze, damit Reisende keinen direkten Sitznachbarn haben, keine wirksame Coronaschutzmaßnahme.

Kann man selbst die Aerosolbelastung messen?

Ja, über die Bestimmung der CO₂-Konzentration der Luft. Scheuch erfasst sie im Flieger und in anderen geschlossenen Räumen mithilfe eines CO₂-Messgerätes. »CO₂ wird vom Menschen ausgeatmet. Daher weiß man, wenn eine hohe CO2-Konzentration vorliegt, könnte auch eine hohe Aerosolkonzentration vorliegen«, so der Wissenschaftler. Wer ängstlich ist oder unsicher, dem rät Scheuch dazu, eines dabeizuhaben – so macht er es selbst auch.

Ein CO2-Messgerät gibt eigentlich an, wann die Luft in einem Raum »verbraucht«, also nicht mehr frisch ist. Viele Geräte erinnern so mehrfach am Tag daran, zu Hause die Fenster zu öffnen. Laut Stiftung Warentest  sollte man in Coronazeiten ab einem Messwert über 800 ppm (Teile pro Million) lüften.

Was trage ich am besten: FFP2- oder OP-Maske?

FFP2-Masken müssen laut Norm mindestens 94 Prozent und FFP3-Masken mindestens 99 Prozent der Testaerosole filtern können. Das heißt, qualitativ hochwertige Modelle schützen bei korrekter Tragweise also gut. »Auch die OP-Masken schützen ziemlich gut, sie halten meistens zwischen 70 und 90 Prozent zurück«, sagt Scheuch.

»Ich war am Anfang selbst kein Maskenfreund, weil ich in Studien gelesen hatte, dass Masken in der Pandemie gar nicht so viel bringen«, berichtet der Wissenschaftler. »Aber ich habe mich dann eines Besseren belehren lassen, als ich zum ersten Mal diese FFP2-Masken im Labor selbst untersucht habe.«

Allerdings: Die verschiedenen Maskentypen schützen nur, wenn sie richtig eng anliegen. Ist die Maske nicht an das Gesicht angepasst, atmet man quasi an ihr vorbei – fast so, als würde man gar keine Maske tragen. Übrigens: Die Maske sitzt eng genug, wenn man an ihr die Atembewegung sieht.

Ist es sinnvoll, beim Schlangestehen im Flughafen sowie beim Ein- und Aussteigen Abstände zu anderen Fluggästen einzuhalten?

Nein, sagt Aerosolforscher Scheuch. »Die Diskussion über den Abstand ist aufgekommen, als man noch dachte, diese Übertragung findet durch Tröpfcheninfektion statt. Das heißt über Anhusten und Anniesen.« Inzwischen ist klar, dass für Coronainfektionen hauptsächlich Aerosole verantwortlich sind. »Das sind sehr, sehr kleine Partikel, die in luftgetragenem Zustand sind – also eine Wolke. Und gegen diese Wolke kann man mit Abstand in diesen Situationen gar nicht so viel machen.«

Zwar ist das Risiko einer Infektion in der Nähe eines Infizierten etwas höher als in einer gewissen Entfernung, aber entscheidend ist vor allem, wie lange man Kontakt mit dem Infizierten hat. Scheuch: »Wenn man sehr dicht und sehr lange mit einem zusammensteht, dann ist die Infektionsgefahr groß. Sehr lange heißt: mehrere Minuten.«

Wenn Drängler bei der Sicherheitskontrolle, am Gate oder im Gang des Fliegers den eigenen Wunsch nach Abstand nicht respektieren, muss man sich also wenig Sorgen machen. »Wenn man nur ganz kurz angestoßen oder angerempelt wird, dann ist die Infektionsgefahr sehr, sehr gering, weil die Kontaktzeit viel zu niedrig ist«, sagt Scheuch.

Gut zu wissen: Auch wenn man an deutschen Flughäfen generell keine Maske mehr tragen muss, der Appell der Airports lautet: Masken auf! In den Terminals von Hamburg Airport wird das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung weiterhin empfohlen, heißt es auf der Website  des Flughafens im Norden.

Frankfurt Airport empfiehlt: »Trotz des Wegfalls der Tragepflicht weisen wir auf die Eigenverantwortung von Fluggästen sowie Besucherinnen und Besuchern des Airports hin und empfehlen, weiterhin eine Maske zu tragen. Dies gilt insbesondere für die Bereiche, in denen Abstände kurzzeitig nicht eingehalten werden können. Dazu zählen vor allem der Check-in, die Fluggastkontrollstellen, die Gates sowie die Gepäckausgabe. Auch in Passagierbussen und der Sky-Line-Bahn, die zwischen Terminal 1 und Terminal 2 pendelt, ist das Tragen einer Maske zum Eigenschutz und Schutz der Mitmenschen sinnvoll«,

Und was gilt in Zügen: Muss ich dort noch Maske tragen?

Ja, diese Regelung gilt weiterhin – zumindest für Fernzüge bundesweit. Für den Nahverkehr mit Bussen und Bahnen können die Länder dies auch anders handhaben. Die Deutsche Bahn rät, sich über die jeweiligen Regelungen zu informieren und die lokalen Ansagen beziehungsweise Informationen des Bordpersonals zu beachten.

Trotzdem appelliert die Bahn an alle Reisenden: »Wer Bahn fährt, muss Eigenverantwortung zeigen und Rücksicht nehmen – medizinischen Mund-Nasen-Schutz oder FFP2-Maske tragen, Abstand halten und Hygieneregeln beachten.« Außerdem verteilt das Servicepersonal laut Bahn die Reisenden bestmöglich über den Zug.

Wie hoch ist das Infektionsrisiko in der Bahn?

»Es hängt immer von der individuellen Lüftungssituation im Verkehrsmittel ab«, sagt Gerhard Scheuch. Das ist das Ergebnis von Messungen durch Schweizer Wissenschaftler. So kamen Fernzüge relativ gut weg, auch Busse. »Kritisch waren die Werte in U- und S-Bahnen.«

Dazu kommt die Auslastung der Verkehrsmittel. »Sind die Züge rappelvoll, ist sicherlich die CO2-Konzentration sehr hoch. Dann könnten auch viele Aerosole und Viren in der Luft sein«, sagt der Wissenschaftler. Wenn möglich, kann man dann auch mit dem Öffnen eines Fensters nachhelfen.

Das sind die Regeln in Verkehrsmitteln im Ausland

  • Obligatorisch ist das Tragen von Schutzmasken weiterhin in Spanien in allen öffentlichen Verkehrsmitteln – also in Flugzeugen, aber auch in Bahnen, Bussen, Schiffen. In Portugal wurde es dort wie fast überall im Land aufgehoben.

  • Ob Flugzeug, Fernzug oder Nahverkehr: In Frankreich gibt es seit mehreren Monaten keine Maskenpflicht mehr in Verkehrsmitteln. Im öffentlichen Personennahverkehr sowie an geschlossenen oder überfüllten Orten wird das Tragen einer Maske aber empfohlen.

  • In Großbritannien entfiel die gesetzliche Maskenpflicht etwa bereits vor mehr als einem Jahr. In der Schweiz sowie in Skandinavien gibt es keine Bestimmungen zum Tragen einer Maske mehr.

  • In Polen wurde die Maskenpflicht Ende März weitgehend aufgehoben – auch in Verkehrsmitteln. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist seitdem nur noch in medizinischen Einrichtungen vorgeschrieben.

ele/dpa
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