Am Berliner Hauptbahnhof
Am Berliner Hauptbahnhof
Foto: Paul Zinken/ picture alliance/dpa

Weihnachtsverkehr Was Bahnreisende jetzt wissen sollten

Die Ferien haben begonnen, die Feiertage stehen vor der Tür – und jetzt ab in die Bahn zu Familie und Freunden? Was Reisende neben der Maskenpflicht noch beachten sollten.

In einen rappelvollen Zug quetschen, die Geschenke im Gepäckregal verstauen, Thermobecher mit Kaffee und Lebkuchen auspacken – und dann die Fahrt zu Familie und Freunden genießen. So sah für viele der Beginn der Feiertagsauszeit in den vergangenen Jahren aus.

Dieses Weihnachten ist alles anders: Die Bahn selbst rechnet mit nur locker besetzten Fernzügen zu den Feiertagen. «Für den Weihnachtsreiseverkehr gehen wir aktuell von einer durchschnittlichen Auslastung von circa 35 bis 40 Prozent aus», teilte eine Sprecherin mit. «In der Spitze kann die Auslastung bei um die 60 Prozent auf einzelnen Abschnitten liegen.» In den vergangenen Jahren habe die Auslastung zu Weihnachten bei durchschnittlich 70 Prozent und in der Spitze bei bis zu 100 Prozent gelegen. Am Wochenende vor Heiligabend seien die Fernzüge durchschnittlich zu 20 bis 25 Prozent ausgelastet gewesen, sagte die Sprecherin.

Aber vorab plagen zudem Fragen: Wie sicher ist es, sich für Stunden in einen Zugwaggon zu setzen? Was gilt für Reservierungen und Buchungen? Hier sind die Antworten:

Wie sicher ist die Bahnreise?

Bahnfahren sei sicher – das wiederholt Deutsche-Bahn-Vorstand Berthold Huber gern. Hygienekonzept, Maskenpflicht und vertikal pustende Klimaanlagen trügen dazu bei. Am Mittwoch stellte das Unternehmen eine Studie vor , die es gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt hat. Demnach ist »eine Mund-Nasen-Bedeckung während der Zugfahrt eine wirksame Möglichkeit, die Verbreitung von Tröpfchen und Aerosolen zu begrenzen«.

Die winzigen Tröpfchen, die nicht von der Maske aufgefangen werden, würden zum Teil vom Filtersystem der Klimaanlage abgeschieden. Zum anderen verdünne die durch die Anlage zugeführte Frischluft die Aerosolkonzentration deutlich. »Das heißt, dass die Klimaanlage bei der Verbreitung der Aerosole im Fahrgastraum faktisch keine Rolle spielt«, teilte die Bahn mit. Die Messungen wurden in einem ICE-2-Testwagen in der Klimakammer der DB Systemtechnik in Minden durchgeführt. An der Versuchsanordnung und -interpretation übt der Experte Jürgen Blattner, Geschäftsführer von BSR Messtechnik, in der »Welt« allerdings scharfe Kritik.

Im September hatte Huber ein Forschungsprojekt vorgestellt, nach dem sich Zugbegleiter nicht häufiger infiziert hatten als Bahnkollegen ohne Kundenkontakt. Die Charité Research Organisation, die zur Berliner Universitätsklinik gehört, untersuchte dafür etwa 1100 Bahnmitarbeiter. »Demnach ist Bahnfahren kein Corona-Treiber. Vielmehr sind familiäre Kontakte entscheidend«, sagte Huber. Das Projekt macht allerdings keine Aussage über die Gefährdung, die durch das stundenlange Verharren neben einem Corona-Infizierten bestehen könnte.

Das Robert Koch-Institut (RKI) stellte am Dienstag in seinem Lagebericht  wieder einmal klar: »In einigen Umfeldern, beispielsweise im Bahnverkehr, lassen sich Ausbrüche nur schwer ermitteln, da in vielen Fällen die Identität eines Kontakts im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar ist – diese könnten deshalb hier untererfasst sein.« Wenn es also einen Ausbruch im familiären oder Arbeitsplatzumfeld gibt, sind die Infektionszahlen leichter zu erkennen und zu dokumentieren. Eine Aussage darüber, wie sicher die Bahn ist, lässt sich daher nicht so einfach treffen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Was passiert mit Maskenverweigerern in Zügen?

Was ist, wenn Mitfahrer ihre Maske unvollständig oder gar nicht aufsetzen? Maskenpflicht gilt in öffentlichen Verkehrsmitteln schon seit Monaten. Wer beim Maskentragen nachlässig ist, muss mit teils recht hohen Strafen rechnen. Im August hatten sich die Bundesländer auf eine Minimalbuße von 50 Euro verständigt. In einigen Ländern gelten seit 1. Dezember höhere Bußgelder – so erhebt jetzt auch der Corona-Hotspot Sachsen 60 Euro bei Nichtbeachtung der Maskenpflicht, vorher wurde keine Strafe fällig.

Seit Oktober werden Maskenmuffel in den Zügen verstärkt ermahnt: Verkehrsunternehmen und Polizei führen regionale, überregionale und bundesweite Schwerpunktkontrollen an bestimmten Tagen durch, je nach Landesrecht auch auf Bahnhöfen und Haltestellen. »Die überwiegende Zahl der Menschen ist einsichtig, wenn sie von der Polizei bei Lockdown-Kontrollen angesprochen werden«, sagte der Vizechef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek, der Düsseldorfer »Rheinischen Post«. So hätten von 200.000 Fahrgästen, die seit September in der Bahn ohne Maske aufgefallen seien, nur 3700 weitergemeldet werden müssen, weil sie sich weigerten, einen Atemschutz aufzusetzen.

Dennoch beklagten die Polizisten eine zunehmende Aggressivität von Gegnern der Corona-Maßnahmen allgemein. »Uneinsichtige Personen« würden deutlich schneller aggressiv als früher, sagte Radek. Das ende schnell mit Beleidigungen, Anhusten oder Körperverletzung. »Da hat sich mit der Pandemie einiges zum Schlechten gewandelt«, sagte der GdP-Vize.

Von aggressiven Fahrgästen hatten Zugbegleiter und -begleiterinnen schon im Sommer berichtet. Die Disziplin beim Maskentragen in den Zügen habe sich aber durch die massiv ausgeweiteten Kontrollen durch die DB Sicherheit und die Polizei spürbar verbessert, gab die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) schon Ende Oktober gegenüber dem SPIEGEL an.

Wie stellt sich die Bahn auf den Feiertagsverkehr unter Corona-Bedingungen ein?

Die Bahn hat angekündigt, über Weihnachten an 14 Bahnhöfen sogenannte FFP2-Masken vor allem an ältere Fahrgäste verteilen zu wollen. Seit Ende November können Fahrgäste im Fernverkehr der Deutschen Bahn nur noch einen Sitzplatz pro Doppelsitz reservieren. Der jeweilige Platz daneben bleibt für eine Reservierung gesperrt. Insgesamt sollen laut des Konzerns maximal 60 Prozent der Plätze pro Zug reservierbar sein. Vor der Coronakrise waren es nach Angaben der Bahn bis auf wenige Ausnahmen alle Plätze.

An den Tischen sind nun nur noch sich schräg gegenüberliegende Plätze reservierbar. Gemeinsam Reisende wie Familien und Paare können in Extra-Bereichen nebeneinander liegende Sitzplätze reservieren, wie es hieß. Einzelreisenden werden der Bahn zufolge automatisch Fenstersitzplätze zugewiesen, sofern diese noch frei sind. Allerdings können Fahrgäste auch weiterhin ohne Reservierung in den Zug steigen. Diese Regelung gilt bis auf Weiteres: »Solange das Infektionsgeschehen es erfordert, werden wir die Reservierungsbeschränkungen aufrechthalten«, sagt eine Bahnsprecherin dem SPIEGEL. 

Seit Mitte Dezember biete die Bahn darüber hinaus mit neuen Zügen zusätzlich Tausende Sitzplätze und häufigere Fahrten auf vielen Hauptstrecken an, das teilte Huber mit. Dies geschah – wie schon zuvor geplant – mit dem Fahrplanwechsel. Zudem kommen zwischen dem 18. und 27. Dezember doppelt so viele Sonderzüge zum Einsatz wie normalerweise zu Weihnachten. Damit werden Hundert zusätzliche Fahrten angeboten.

Gelten vor Ende November gebuchte Reservierungen noch?

Ja, alle bisher gebuchten Reservierungen behalten ihre Gültigkeit: Eine Familie, die bereits nebeneinander liegende Sitze reserviert hat, reise auch zusammen, sagte die Bahnsprecherin. Im Herbst hatte die Bahn beobachtet, dass sich das Buchungsverhalten »stark geändert hat – neun von zehn Reservierungen werden erst wenige Tage vor der Fahrt getätigt. Daher gehen wir davon aus, dass es nur in wenigen Fällen dazu kommen wird, dass bereits nebeneinander liegende Plätze von Einzelreisenden gebucht wurden.« In diesen Fällen würden die Zugbegleiter helfen, alternative Plätze zu finden und die Reisenden damit auf den Zug zu verteilen.

Warum gibt es keine Reservierungspflicht?

Eine Reservierungspflicht, mit der das Fahrgastaufkommen in den Zügen möglicherweise besser gesteuert werden könnte, hatte die Bahn stets abgelehnt. Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hält nichts von der Idee. Sie fürchtet zusätzliche Belastungen für die Zugbegleiter, die durchsetzen müssten, dass tatsächlich kein Fahrgast ohne Reservierung an Bord geht.

Und selbst der Fahrgastverband Pro Bahn ist dagegen. »Ein nicht unerheblicher Teil der Reisenden im Fernverkehr nutzt diesen auch für Strecken im Bereich von circa 50 bis gut 100 Kilometern«, teilte der Verband mit. Viele Pendler würden mit einer Reservierungspflicht aber Flexibilität einbüßen, weil sie nicht mehr spontan den Fernverkehr nutzen könnten.

Der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzende Klaus-Peter Naumann hält die nun beschlossenen Maßnahmen angesichts der geringen Nachfrage deshalb für ausreichend. »Wenn das technisch funktioniert, ist das eine gute Sache«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. »Wenn plötzlich doch deutlich mehr Reisende als gedacht mit der Bahn fahren, kann man immer noch überlegen, ob man einzelne Züge mit einer Reservierungspflicht belegt. Dazu sehen wir aber keinen Anlass.«

Wie sind die Storno-Regeln der Bahn?

Seit dem 1. November gelten wieder die tariflichen Stornierungskonditionen. Bis dahin konnten Fahrkarten – auch für den Super Sparpreis –, die bis Mitte März gekauft worden waren, aufgrund der Coronakrise flexibel genutzt werden.

Nun lassen sich wieder, wie gewohnt, lediglich die Flexpreis-Tickets bis vor dem ersten Geltungstag kostenlos umtauschen oder stornieren. Sparpreis-Tickets können bis vor dem ersten Geltungstag für zehn Euro storniert werden. Passagiere erhalten einen Storno-Gutschein mit drei Jahren Gültigkeit, der für spätere Fahrten genutzt werden kann. Sitzplatzreservierungen lassen sich einmalig kostenlos umtauschen. Super-Sparpreis-Tickets sind laut Bahn vom Umtausch oder einer Stornierung ausgeschlossen. Das Gleiche gilt für Länder-Tickets und Quer-durchs-Land-Tickets. Die Deutsche Bahn empfiehlt das Buchen von stornierbaren Tickets.

Nachbesserungen an diesen Regelungen für die Bahn fordert Marion Jungbluth, Leiterin des Teams Mobilität und Reisen beim Verbraucherzentrale Bundesverband. »Die Vorschläge sind nicht zu Ende gedacht und müssen durch Kulanzregelungen ergänzt werden«, sagte sie dem »Handelsblatt«. Bereits gekaufte Tickets müssten angesichts der Erwartung, dass die Bevölkerung aufs Reisen verzichte, kostenfrei zurückgegeben oder umgebucht werden können.

Die Bahnsprecherin hält dagegen, dass die Kunden sich bewusst für ein sehr günstiges Angebot wie den Super Sparpreis entscheiden und dafür auf die Stornierbarkeit verzichten würden.

Wie können Bahnfahrer möglichst sicher reisen?

  • Wer seine Mitfahrer auf etwas mehr Abstand halten möchte, der kann über ein Erste-Klasse-Ticket nachdenken. Immerhin gibt es dort etwa im ICE pro Waggon etwa ein Drittel weniger Sitze als in der 2. Klasse und das in Dreier- statt in Viererreihen. Mit Glück gibt es die auch noch zu einem Super Sparpreis – zwar nicht stornierbar (was die Bahn empfiehlt), aber eher bezahlbar. Beispiel HamburgMünchen, 23. Dezember: ab 125,90 Euro, im Vergleich der 2.-Klasse-Super-Sparpreis (109,90 Euro) und die Normalpreise der 2. Klasse (156,30 Euro) und 1. Klasse (264,10 Euro) (Stand 18.12.).

  • Wenn möglich Randzeiten wählen, also nicht am 24. Dezember, an Freitag- oder Sonntagnachmittagen, sondern wochentags früh morgens oder spät abends. Nicht nur Wochenendfahrer sind sonst verstärkt unterwegs, sondern auch die Berufspendler. Eine großzügige Handhabung von Homeoffice-Arbeit macht es vielleicht möglich, diese Stoßzeiten zu meiden. »Muss ich unbedingt Heiligabend fahren oder geht das nicht schon zwei oder drei Tage vorher?«, gibt Detlef Neuß, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn, zu bedenken.

  • Bei der Verbindungssuche an Automaten, App oder im Internet das Häkchen »Schnellste Verbindung« herausnehmen. Wer längere Fahrzeit oder mehr Umstiege in Kauf nimmt, so die Bahn, kann auf weniger volle Züge hoffen. Werden Doppelzüge, die später geteilt werden, und Züge, die als Ganzes zum Ziel fahren, angeboten, dann Letztere wählen – das empfiehlt Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender von Pro Bahn. Dort verteilten sich die Passagiere besser.

  • Die Bahn-App DB Navigator gibt schon seit ein paar Monaten einen Hinweis, wie stark ausgelastet die Züge sein könnten – mit einem grauen bis drei orangefarbenen Männchen. Also lieber die Verbindung mit nur einem Männchen wählen. Allerdings über- statt untertreibe die Bahn eher bei der Einschätzung, sagt Naumann. Auch Drei-Männchen-Züge können nur zur Hälfte belegt sein. Derzeit werden Züge bei einer Auslastung von 50 Prozent als voll eingestuft, erklärt Neuß. Dann lässt sich online kein Ticket mehr buchen. Bei der Privatbahn Metronom zum Beispiel werden die meist gut gefüllten Verbindungen »Sardinenzüge« genannt und auch so im Fahrplan bezeichnet.

  • Lieber Sitzplätze an den Enden der Züge buchen, sagt Naumann, dort ist es oft leerer als in der Mitte. Das gilt natürlich auch für jene Passagiere, die ohne Reservierung einsteigen.

  • Noch ein Tipp des Profi-Bahnfahrers Naumann: In Hamburg oder Berlin – wenn möglich – an Bahnstationen vor dem Hauptbahnhof einsteigen, dann findet sich in gut gebuchten Zügen noch ein Plätzchen und das Gedränge in den Waggons ist nicht so groß.

  • Dem Getümmel am Bahnhof, am Gleis, vor Ticketautomaten oder Reisezentren kann entgehen, wer seine Fahrkarte per App oder im Internet kauft. Und wer sich am Wagenstandsanzeiger auf dem Gleis oder in der App orientiert, wo der Waggon mit dem reservierten Sitzplatz zum Halten kommt, und sich dort schon mal platziert. Da die sogenannte Wagenreihung sich gern mal ändert, kann es dennoch zu Geschiebe kommen.

  • Die Bahn hat bereits die kontaktlose Fahrkartenkontrolle eingeführt, Tickets werden nur noch auf Sicht geprüft. Wer den sogenannten Komfort-Check-in im ICE per Handy nutzt, mit dem man im Prinzip selbst seine Fahrkarte entwertet, wird noch nicht mal von den Zugbegleitern angesprochen.

  • Trotz aller Bemühungen um einen leeren Zug und einen einsam gelegenen Platz kann es passieren, dass man am Ende doch in einem vollen Wagen sitzt. Dann hilft nur: konsequent Maske tragen. Partikel filtrierende Halbmasken (FFP2/FFP3) schützen Reisende am besten vor Aerosolen. Allerdings fällt mit diesen Masken das Atmen schwerer, was für manche Menschen auf mehrstündigen Zugfahrten quer durch Deutschland ein Problem sein kann. »Man sollte sich gut überlegen, welchen Typ Maske man wählt«, rät Pro-Bahn-Experte Neuß.

abl/dpa