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Buchenwälder als Unesco-Welterbe: Von Hainich bis Grumsin

Foto: Jens Büttner/ dpa

Deutsches Naturdenkmal Unesco erklärt Buchenwälder zum Weltnaturerbe

Fünf Waldgebiete in Deutschland gehören künftig zum universellen Erbe der Menschheit: Die Unesco hat die naturbelassenen Rotbuchenbestände in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Hessen auf die Liste des Weltnaturerbes gesetzt.

Paris - Rotbuchenwälder in Deutschland sind selten geworden - so selten, dass die Unesco am Samstag fünf davon zum Weltnaturerbe erklärt hat. Das zuständige Komitee der Uno-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur stimmte in Paris einem entsprechenden Antrag der Bundesrepublik zu.

Er umfasste fünf Wälder in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Thüringen und Hessen. Als Unesco-Weltnaturerbe stehen die Gebiete nun unter besonderem Schutz und auf einer Stufe mit so bekannten Naturwundern wie dem Grand Canyon oder den Galápagos-Inseln.

Zu den zum Welterbe erklärten Naturdenkmälern zählen der

  • Buchenwald Grumsin in Brandenburg,
  • der Nationalpark Hainich in Thüringen
  • sowie der Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen.
  • Aus Mecklenburg-Vorpommern sind der Nationalpark Jasmund
  • und der Serrahner Buchenwald im Müritz-Nationalpark mit dabei.

Zusammen umfassen die alten, naturbelassenen Wälder rund 4400 Hektar und ergänzen künftig das bereits bestehende Weltnaturerbe "Buchenurwälder der Karpaten" in der Slowakei und der Ukraine. Dieses war bereits 2007 eingeschrieben worden.

Einst war die Buche häufigste Baumart in Deutschland, heute kommt sie nur noch in 15 Prozent der Wälder vor. Nach Einschätzung von Botanikern würden Buchenwälder ohne menschlichen Einfluss weite Teile Europas prägen - und auch Deutschland wäre nahezu komplett mit Fagus sylvatica bewachsen. Die Bäume können älter als 400 Jahre werden, erst im höheren Alter, wenn Baumhöhlen entstehen, werden sie zum Lebensraum für Kleinsäuger, Insekten und Vögel.

Parallel mit der Wiederansiedlung der Buche in Europa nach der letzten Eiszeit wurde hier auch der Mensch sesshaft. Deshalb ist die Buche eng mit der europäischen Kulturgeschichte verbunden, wie die Verankerung zum Beispiel in der Sprache (Buch, Buchstabe) zeigt. Allein in Deutschland lassen sich etwa 1500 Orte auf das Wort Buche zurückführen.

Am Montag fallen Entscheidungen über Weltkulturerbe

Auf der Weltnaturerbe-Liste der Uno-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur war aus Deutschland lange Zeit nur die Fossillagerstätte Grube Messel in Hessen eingeschrieben. Erst 2009 kam das Wattenmeer hinzu.

Mit der Entscheidung über Weltkulturerbe-Anträge aus Deutschland wird erst am Montag gerechnet. Deutschland hofft unter anderem auf einen Titel für eine von Walter Gropius entworfene Schuhleistenfabrik im niedersächsischen Alfeld. Als Teil grenzüberschreitenden Weltkulturerbes stehen neben dem Fagus-Werk zwei Häuser in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung auf der Kandidatenliste. Sie wurden von dem französisch-schweizerischen Architekten und Stadtplaner Le Corbusier entworfen.

Begeisterung bei Nationalparks

Die Nationalparkverwaltung Kellerwald-Edersee in Hessen hat sich nach der Unesco-Entscheidung für das neue Weltnaturerbe überwältigt gezeigt. "Das ist ein enormer Imagegewinn", sagte Sprecherin Jutta Seuring am Samstag in Bad Wildungen. "Das wird die Regionalentwicklung voranbringen, weil sich Welterbe-Stätten touristisch in Wert setzen lassen."

Von Rügen bis West-Thüringen - künftig werden diese zum Unesco-Welterbe erklärten Buchenwälder Touristen aus aller Welt anlocken

Welterbe-Nationalpark Jasmund

Der Maler Caspar David Friedrich hat die Landschaft des späteren Nationalparks Jasmund auf der Insel Rügen mit seinen Werken weltberühmt gemacht: Weiße, steil abfallende Kreidefelsen an der Ostseeküste und dichte Buchenwälder prägen das Gebiet im Nordosten der Insel. Mit einer Größe von rund 3000 Hektar ist der Nationalpark Jasmund der kleinste in Deutschland. Rund 2100 Hektar sind Waldfläche, von denen wiederum rund 80 Prozent Buchenwälder sind.

Nationalpark Kellerwald-Edersee

Uralte, knorrige Buchen sind das Markenzeichen des Kellerwaldes in Nordhessen. Das Gebiet Kellerwald-Edersee mit den Urwaldresten der Buchenwälder wurde am 1. Januar 2004 zum Nationalpark. Auf einer Fläche von knapp 6000 Hektar - etwas größer als der Starnberger See - schützt er südlich des Edersees einen der großen Rotbuchenwald-Bestände Mitteleuropas. Nach Angaben des Nationalparkamts sind 90 Prozent des noch jungen Nationalparks nutzungsfreier Raum.

Müritz-Nationalpark

Die Buchenwälder von Serrahn (Mecklenburg-Vorpommern) sind Teil des größten deutschen Nationalparks im Binnenland - des Müritz-Nationalparks an der Mecklenburgischen Seenplatte. Mit 6200 Hektar nimmt das "wilde Teilgebiet" Serrahn etwa ein Fünftel des Großschutzgebietes ein. Weltnaturerbe-würdig sind die uralten Buchenwälder auf 244 Hektar Fläche. Die ältesten Buchen sind zwischen 200 und 300 Jahre alt, auch viele abgebrochene und umgestürzte Bäume prägen die hügelige, von Teichen durchzogene Landschaft.

Nationalpark Hainich

Der 7500 Hektar große Nationalpark Hainich im Westen Thüringens wurde Ende 1997 gegründet und ist das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet in Deutschland. Das geschützte Buchenwald-Gebiet ist Heimat seltener Tiere und Pflanzen wie Wildkatzen und Orchideen. Rund 2100 Hektar sind Totalreservat, in dem keine Forstwirtschaft erlaubt ist. Das Gebiet war jahrzehntelang Truppenübungsplatz. Das ist ein Grund, warum sich so viele gefährdete Arten erhalten konnten. Der Hainich, der insgesamt 15.000 Hektar umfasst, gilt als einer der größten zusammenhängenden Buchenwälder Europas.

Buchenwald Grumsin

Der Buchenwald Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Brandenburg) hat seit mehreren hundert Jahren nahezu flächendeckend als Laubwald überdauert. Nach 1945 wurde das Areal zum Staatsjagdgebiet der DDR. Weil der Wald nicht betreten werden durfte, konnten sich seltene Tierarten entfalten. Seit 1990 ist der Grumsin ein bedeutender Teil der Kernzone des Reservats. Dort befinden sich auch zahlreiche Moore und Kleingewässer. In dem Wald gibt es zudem einen hohen Anteil an Altholz. Das jetzt als Unesco-Weltnaturerbe nominierte Gebiet ist insgesamt 670 Hektar groß.

abl/dpa/dapd
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