Ökostrom Bahnfahren soll grüner werden

Ab April 2013 will die Bahn den Einsatz von Ökostrom für den Betrieb seiner Fernzüge verdreifachen. Konzernchef Grube lobt das als Fortschritt für die Reisenden. Was er nicht erwähnt: Der Personenfernverkehr macht nur einen kleinen Teil aller Zugfahrten aus.
Intercity-Express: CO2-Abgabe auf freiwilliger Basis

Intercity-Express: CO2-Abgabe auf freiwilliger Basis

Foto: dapd

Es ist eine Sternstunde für die Rechenkünstler bei der Deutschen Bahn. Ab April, so versprechen sie ihren Stammkunden, würden Vielfahrer zu 100 Prozent mit regenerativen Energien unterwegs sein. Null CO2 für die Reise von Hamburg nach München, von Stuttgart nach Berlin oder von Köln nach Dresden - schöne neue Welt.

Die Zuspitzung der Marketingstrategen beschreibt tatsächlich einen deutlichen Fortschritt, wenn er auch in der Gesamtschau nicht so spektakulär wirkt wie angekündigt. Ab April 2013 soll der Einsatz von Ökostrom im Bereich Personenfernverkehr verdreifacht werden, wie SPIEGEL ONLINE aus Kreisen des Aufsichtsrats erfuhr. Die zusätzlichen Kosten will die Bahn selbst übernehmen - zumindest für die rund fünf Millionen Bahncardbesitzer und Geschäftskunden sollen die Preise stabil bleiben. Bahnkunden ohne Bahncard können für einen Euro Aufschlag ein so genanntes Umwelt-Plus-Ticket buchen.

Die Bahn macht damit einen großen Schritt auf dem Weg zum komplett mit erneuerbaren Energien betriebenen Fernverkehr. Schon im April werden die CO2-Emissionen in diesem Bereich von 42 Gramm auf dann nur noch 14 Gramm je Personenkilometer sinken. Laut Bahn sinken die Emissionen pro Fahrgast dann 50 Prozent unter die vergleichbaren Werte beim Fernbus (30 Gramm). Verglichen mit dem Auto (136 Gramm) oder dem Flugzeug (180 Gramm) sieht die Bilanz sogar noch erheblich günstiger aus. Die Berechnung werde von einer unabhängigen Prüforganisation überprüft.

Bahn hinkt hinterher

In der Gesamtschau relativiert sich die Rechnung jedoch. Denn der Personenfernverkehr macht nur einen kleineren Teil der Gesamtfahrleistung aller Züge aus. Rund 22 Prozent der Energie geht für die Beförderung der Passagiere auf der Langstrecke drauf. 45 Prozent entfallen auf den Nahverkehr und die restlichen 33 Prozent auf den Gütertransport. Insgesamt bezieht die Bahn lediglich rund 22 Prozent ihres Verbrauchs aus regenerativen Energien - dabei hat der grüne Strom deutschlandweit inzwischen einen Anteil von gut 25 Prozent.

Oliver Krischer von den Grünen hält denn auch besonderes Lob für wenig angebracht. "Die Bahn sollte den Ökoenergieanteil auch für den Nah- und Güterverkehr entsprechend erhöhen", sagt der Energieexperte. "Alles andere wäre nur ein PR-Gag, um im Fernverkehr mehr Fahrgäste zu gewinnen."