Wandern im Dreiländereck Islek Raues Land, buntes Land

Schon mal vom Islek gehört? Den windigen Hochflächen und tiefen Flusstälern im Dreiländereck zu Luxemburg und Belgien? Im Spätsommer erleben Wanderer in den Eichen- und Buchenwäldern einen Farbenrausch.

Bernd F. Meier/ TMN

An der Königslei im Ourtal legt Dieter Thommes eine Wanderpause ein. Bis zu 25 Meter ragen die Felsen über dem Our-Fluss empor, der hier die Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg markiert. "Das Gestein ist vor 400 Millionen Jahren im Devon-Zeitalter entstanden", erklärt der 62-jährige Guide.

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Dreiländereck Islek: Indian Summer in der Westeifel

Thommes führt über

den 13 Kilometer langen Rundweg über die 1728 erbauten Kalborner Mühle auf der Luxemburger Uferseite. Dort wurde das Mühlenhaus zum Wassererlebniszentrum umgebaut, in dem Naturexperten über die vom Aussterben bedrohte heimische Pflanzen- und Tierwelt unterrichten.

Wie etwa der Biologe Frankie Thielen, der erklärt, dass das Ourtal eines der artenreichsten Gebiete in Luxemburg. ist. "Hier leben noch Bachneunaugen, Smaragdlibellen, Schwarzstörche, Eisvögel, Fledermäuse und Fischotter", sagt er.

In der angeschlossenen Muschelzuchtstation würden vor allem Flussperl- und Bachmuscheln aufgepäppelt. 15.000 Exemplare der bedrohten Bachmuscheln soll es nur noch in der Our geben, sagt der 47-Jährige, "bis vor 70 Jahren hatten wir noch etliche 100.000 Exemplare."

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Das Tal der Our wird immer enger, tief hat sich der kurvenreiche Fluss ins Gebirge eingegraben. Kleine Kornfelder und Kuhweiden säumen die Ufer nahe dem Ausgangspunkt der Wanderung, dem Dreiländereck mit dem Europa-Denkmal.

Hier treffen die Staatsgrenzen von Belgien, Deutschland und Luxemburg im Gewässer zusammen - mitten in Westeuropa und mitten im Islek in der Westeifel. Der Ausläufer der Ardennen wird in Luxemburg Ösling und in Belgien Eslek genannt.

Harte Winter, raues Land

Die raue Landschaft des Islek reicht von Prüm aus westlich über 50 Kilometer in den Norden von Luxemburg und den Südosten von Belgien. Karg und steinig sind die Äcker, dunkle Wälder ziehen sich hinunter in die tiefen Flusstäler von Irsen, Our und Sauer.

Lebensader der Region ist die B 410, von der schmale Landstraßen in winzige Dörfer führen. Die Winter können hier hart sein - Schneereste halten sich in manchen Jahren bis zum März, Stürme fegen über die weiten Hochflächen.

Der Islek - kein Land, das die Reisenden sofort begeistern mag. Doch wer im Spätsommer zum Wandern anreist, der erlebt in den Eichen- und Buchenwäldern einen Farbenrausch. Die Routen sind gut gekennzeichnet, Rundstrecken zwischen 8 und 20 Kilometer lang. Darüber hinaus sind insgesamt 89 Kilometer als Premiumwege ausgewiesen.

Fit sollte man allerdings sein, bei so manch einer Wanderung geht es bergauf und bergab - bis zu 500 Höhenmeter. Und die Verpflegung im Rucksack ist nötig, denn in den stillen Orten ist die einzige Dorfkneipe schon lange geschlossen. So gibt es denn auch im Islek nur wenige Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen.

An der Grenze zu Luxemburg und Belgien gelegen, wirkte die Region Jahrzehnte lang vor wie vergessen. Erst durch das Schengen-Abkommen verschwanden ab 1985 nach und nach die Schlagbäume und Passkontrollen.

Grenzschützer und Zöllner zogen auch an der Our ab. "Bis dahin wurde streng kontrolliert", erinnert sich Leonie Simons an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, der Deutsche, Luxemburger und Belgier im Islek über lange Zeit voneinander entfernt hatte. Bunker wie in Eschfeld und die Höckerlinie des Westwalls bei Großkampenberg sind steinerne Zeitzeugen.

Kunst im Wartehäuschen

Welchenhausen an der Our hat 25 Einwohner, ein Schulkind und eine winzige Wartehalle, wo morgens der Schulbus stoppt. Kein gewöhnliches Wartehäuschen, sondern ein Hort der Kunst auf nur acht Quadratmetern. "Die kleinste Kunstgalerie in Deutschland", sagt die 62-jährige Leonie Simons. Die ehemalige Bürgermeisterin von Lützkampen hat das Häuschen 2002 mit einigen Mitstreitern zum Museum umgestaltet.

An die 70 Wechselausstellungen mit Werken von Künstlern ausschließlich aus Belgien, Deutschland und Luxemburg wurden bislang in dem Wartehäuschen präsentiert. Der Museumsverein will mit den Kunstaktionen ein deutliches Zeichen der Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg setzen.

Große Fotokunst von Weltgeltung wird im Schloss des luxemburgischen Clervaux gezeigt: 503 Schwarz-Weiß-Bilder von 273 Fotografen aus 68 Ländern umfasst die Ausstellung "Family of Man", zusammengestellt wurde sie in den USA von dem aus Luxemburg stammenden Bildjournalisten Edward J. Steichen.

1955 war die Schau erstmals im Museum of Modern Art in New York zu sehen, seit Mitte der Siebzigerjahre hat sie ihren festen Platz in Clervaux. "'Family of Man' ist einzigartig und hat die Geschichte der Fotografie maßgeblich geprägt", sagt Kuratorin Anke Reitz. Darüber hinaus zählt die Sammlung seit 2003 zum Unesco-Weltdokumentenerbe und zieht sogar Besucher aus Afghanistan, Indien und Japan in den Islek.

Der Postreiter und die Räuber

Tief in die lokale Geschichte des Isleks tauchen die Guides Dieter Thommes und Gert Cox, wenn sie während einer Wanderung den Alltag der Postreiter nachspielen - und zwar die Geschichte des Briefboten, der um das Jahr 1561 im wilden Islek unter die Räuber fiel.

"Damals führte die Postreiterroute zwischen Mechelen, Brüssel und Innsbruck durch den Islek", erzählt der 57-jährige Cox. Wild und rau war die Region damals, das Raue und die Einsamkeit sind bis heute geblieben. Wer das mag, ist als Urlauber im Islek genau richtig.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung des Textes stand Lützenkampen statt Lützkampen. Wir haben dies korrigiert.

Bernd F. Meier, dpa/abl

insgesamt 2 Beiträge
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kanauten 03.09.2019
1. Lützkampen
Das Dorf im schönen Islek nennt sich Lützkampen. Ansonsten ein schöner Artikel über meine alte Heimat. Es fehlen noch die Shoppingcenter im Weiswampach und das günstige Tanken in Luxemburg? Viele Grüße D.K.
herm16 03.09.2019
2. ich moechte
darum bitten, dass solche Artikel über Reisen nicht mehr erscheinen. Das animiert doch gerade zu in den Wald zu gehen der leidet, lasst die Natur in Ruhe, bleibt zuhause
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