Ferien mit den Großeltern "Heutzutage kann ja kaum noch ein Kind mit Hammer oder Messer umgehen"

Sie haben gute Nerven, Spielideen und viel Geduld: Gerade in der Ferienzeit sind Großeltern für viele Familien die Rettung. Ein Opa erzählt, wie er den Nachwuchs bändigt - und wann auch er kapitulieren muss.

Enkel und Großeltern: "Da gibt es natürlich allerlei zu besprechen"
Corbis

Enkel und Großeltern: "Da gibt es natürlich allerlei zu besprechen"

Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Sie haben vier Enkeltöchter zwischen vier und elf Jahren und sind damit Experte: Was sollte ein Großvater immer in der Tasche haben?

Lode: Gummibärchen, Taschentücher und natürlich ein Seil.

SPIEGEL ONLINE: Ein Seil?

Lode: Sie glauben nicht, wie nützlich ein zwei, drei Meter langes Band in sämtlichen großelterlichen Lebenslagen ist. Man kann damit ein Tipi festzurren, Blumen zusammenwickeln und alle möglichen Dinge befestigen.

SPIEGEL ONLINE: Hört sich an, als wären Sie ein begeisterter Draußen-Opa.

Lode: Und wie! Vor allem mit den beiden jüngeren Lenggrieser Enkelinnen gehe ich zum Weiher oder in den Wald. Die Route unserer Entdeckungsgänge bestimmen die Kinder. Kürzlich sind wir auf ein gefährliches Blumenexemplar gestoßen - den giftigen Aronstab. Da gibt's dann natürlich allerlei zu besprechen. Im Herbst sammeln wir Tannenzapfen, Kastanien oder Nüsse. Einen Beutesack sollte man als Großvater auch immer parat haben.

Zur Person
  • Grosseltern AG
    Rudolf Lode, 70, und seine Frau sind gern zur Stelle, wenn es um die Betreuung der vier Enkeltöchter im Alter zwischen vier und elf Jahren geht. Zwei leben in Düsseldorf, die anderen beiden in Lenggries. Mit ihrem großelterlichen Einsatz bringen es die Lodes auf rund 35.000 Pendelkilometer im Jahr. Rudolf Lode ist Aufsichtsrat der Grosseltern AG in Düsseldorf, einer Plattform für großelterliches Engagement.
SPIEGEL ONLINE: Und wenn Ihre Mädchen mal mit einer Glitzer-Barbie spielen möchten?

Lode: Oje, das passiert natürlich. Zur Barbie gehört ja auch noch dieser Mann. Ich glaube, er heißt Ken. Schrecklich. Aber das sage ich meinen Enkelinnen natürlich nicht. Schließlich möchte ich nicht riskieren, angebrüllt zu werden.

SPIEGEL ONLINE: Wir erwischen Sie gerade in Aktion. Sie sind mit Ihrer Frau in Lenggries und hüten zwei Ihrer vier Enkeltöchter. Wie läuft es?

Lode: Bislang hatten wir einen gemütlichen Start in den Tag. Wir haben ausgeschlafen, in der Küche hat mir die Vierjährige dann ausführlich die Kaffeemaschine erklärt, danach haben wir in Ruhe gefrühstückt. Die Kinder haben normalerweise einen ziemlich vollen Alltag. Wenn wir sie besuchen oder sie zu uns kommen, geht alles etwas gemächlicher zu. Das ist uns wichtig.

SPIEGEL ONLINE: Dürfen bei Oma und Opa andere Regeln gelten, oder ist das ein Konfliktpunkt mit Ihren Kindern und Schwiegerkindern?

Lode: Was unseren Umgang mit den Enkeln angeht, sind deren Eltern sehr tolerant. Sie freuen sich, wenn wir Zeit miteinander verbringen und die Kleinen mit uns etwas anderes erleben. Einen Rüffel der Eltern bekomme ich eigentlich nur, wenn ich mich im Beisein der Kleinen zu robust ausdrücke.

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SPIEGEL ONLINE: Gehen Sie mit Ihren Enkelkindern anders um als früher mit Ihrem Sohn und Ihrer Tochter?

Lode: Ich bin geduldiger. Bei meinen eigenen Kindern habe ich versucht, Gehorsam unbedingt durchzusetzen. Diesen Anspruch habe ich bei meinen Enkeln nicht. Bei uns gilt: Die Erziehung ist Sache der Eltern, nicht der Großeltern. Heute ist der Umgang mit Kindern ja auch viel sanfter als früher. Ob die "soft policy" immer richtig ist, da bin ich mir allerdings nicht so sicher.

SPIEGEL ONLINE: Hand aufs Großvaterherz - sind Sie manchmal froh, wenn nach dem Kindertrubel auch wieder Ruhe einkehrt?

Lode: Ein, zwei Wochen mit den Enkeln schaffen wir locker. Abends pünktlich die "Tagesschau" anzuschalten, kann man sich während der Zeit natürlich abschminken. Und zum Lesen komme ich auch selten vor halb zehn abends. Die Kleinen wachen nachts ja auch mal auf, weil sie schlecht geträumt haben. Neulich fürchtete sich die Vierjährige vor einem Marder.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie ein guter Tröster?

Lode: Inzwischen kann ich das ganz gut. Solange die Mädchen noch winzig waren, fühlte ich mich schnell hilflos und war froh, wenn ich das schreiende Bündel der Mutter oder meiner Frau übergeben konnte.

SPIEGEL ONLINE: Und heute?

Lode: Habe ich eine Taktik, wenn Tränen fließen.

SPIEGEL ONLINE: Wie funktioniert sie?

Lode: In den Arm nehmen, Taschentuch zücken, Tränen trocknen. Am wichtigsten ist dann aber das zügige Ablenkungsmanöver. Wir essen zusammen einen Apfel oder ich bitte Humpty Dumpty zu Hilfe. Wenn der Familien-Stoffelefant Späße macht, haben die Kinder Schmerz und Schrecken meist sehr schnell vergessen.

SPIEGEL ONLINE: In welchen Situationen sind ihre Ablenkungskünste gefragt?

Lode: Ich handwerke gern mit den Mädchen. Heutzutage kann ja kaum noch ein Kind mit Hammer, Zange oder Messer umgehen. Das ist schade, denn Kinder haben einen Riesenspaß dabei. Neulich haben wir zusammen eine Schachtel Nägel in einem Stück Holz versenkt. Dass dabei auch mal ein Fingerchen unter den Hammer gerät, lässt sich leider nicht vermeiden.

SPIEGEL ONLINE: Was tun Sie, wenn die Kinder Heimweh haben oder die Eltern vermissen?

Lode: Bei unseren älteren Enkelinnen, die in Düsseldorf wohnen, ist Heimweh kein Thema mehr. Im Gegenteil. Bei der Neun- und Elfjährigen ist man als Großvater oft ziemlich abgemeldet. Die beiden Kleineren wiederum vermissen ihre Eltern schon. Da habe ich dann einen schweren Stand und meine Frau muss ran.

SPIEGEL ONLINE: Was ist Omas Rezept?

Lode: Meine Frau ist Meisterin im Puddingkochen und hat natürlich alle Hände voll zu tun, ihre fleißigen Küchenhelferinnen zu beaufsichtigen. Gerade, während wir telefonieren, bemalt sie mit den Mädchen eine Tapetenrolle.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Sommer mit den Enkeln beginnt gerade. In Kürze fahren Sie mit den Lenggriesern zusammen nach Dänemark.

Lode: Da freuen wir uns schon drauf. Die Mädchen angeln inzwischen ja sehr gern, oder ich gehe mit ihnen auf Schatzsuche. Die Eltern freuen sich, dass wir dabei sind und sie auch ein bisschen Zeit für sich haben.



insgesamt 138 Beiträge
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Seite 1
Spiegelleserin57 10.07.2015
1. es wäre schön wenn...
andere Kinder auch so viel bei ihren Großeltern lernen könnten und auch bei ihren Eltern. Hier sieht was es heißt wenn Kinder noch ein gute Betreuung haben.
masterkouki 10.07.2015
2. Ein Hurra auf die Grosseltern!
Dort haben meine Kinder das Schleifenbinden, das Lesen der Uhr und das Schwimmen gelernt. Wir nannten es immer das Trainingscamp... Dabei waren auch Bildungsausfluege nach Sanssouci, auf Straussenfarmen, Schmetterlingshaeuser und Schlossparks, Spielplätze und Shoppingtouren durch Malls. Wir wussten immer, dass unsere Kinder voller praller Erlebnisse nach Hause kommen. Ein Segen.
storchentante 10.07.2015
3.
Begeisterte Großeltern sind wirklich ein Segen! Davon provitiert die ganze Familie. Die Kinder, weil Oma und Opa so viel schöne Dinge mit ihnen tun können. Die Großeltern, weil sie jünger bleiben und fitter und nochmal Kinder beim aufwachsen erleben dürfen. Die Eltern, weil man auch ein bißchen Zeit als Paar hat. Wir treffen uns auch in Jugendherbergen mit den Großeltern und genießen die Zeit als Großfamilie mit 5 Kindern, Bruder und Schwester mit Ehepartnern und den Großeltern. Da ist für jeden was dabei.
schokohase123 10.07.2015
4. Wunderbar!
Es zaubert mir ein Lächeln auf die Lippen und macht Laune auf den Sonntag, wenn unsere Kleine von ihrem Wochenendausflug zurückkehrt. Danke!
wiesnase111 10.07.2015
5. Kinder koennen nicht mehr spielen
Wenn alle Muetter sich selbst verwirklichen muessen und ihre Kinder in Horte stopfen,statt ihnen Liebe und Erziehung zu geben ist es kein Wunder, wenn sie sich nicht NORMAL entwickelt Eine Kinder Industrien, Kinder krigen und ab da mit in die Kita oder sonst wo hin Muetter gehoeren in Haus und sollten sich um Ihr Kind selber kuemmern
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