Fernwanderweg im Schwarzwald Enge Schluchten, tosende Bäche

Rauschende Wasserfälle und steile Felswände, bemooste Baumriesen und seltene Milane: Der Schluchtensteig im südlichen Schwarzwald bietet jeden Tag Abwechslung. Das Herzstück des sechstägigen Wanderung ist die Wutachschlucht, der Grand Canyon Deutschlands.

TMN

Todtmoos - So klein wie Spielzeugautos erscheinen die Fahrzeuge auf der kurvenreichen Wehratalstraße aus 200 Meter Höhe. Dort oben, an den Berghängen zwischen Todtmoos und Wehr, schlängelt sich die 22 Kilometer lange, letzte Etappe des Schluchtensteigs entlang. Ganz schmal ist der Wanderpfad an manchen Passagen, fast senkrecht geht es den Abhang hinunter in die Wehra-Schlucht. Lockere Steine und knorriges Wurzelwerk erfordern von den Wanderern zwischen Hirschfelsen und Mettlerhütte auf Schritt und Tritt Aufmerksamkeit.

"Wanderungen auf dem Schluchtensteig sind kein Sonntagsspaziergang", sagt Klaus Nieke vom Tourismusbüro des Landratsamtes in Waldshut. Als Projektleiter entwickelte Nieke innerhalb von 15 Monaten den Fernwanderweg, auf dem seit Frühjahr 2008 immer mehr Wanderer den südlichen Schwarzwald entdecken.

Die Strecke mit der Gesamtlänge von 118 Kilometer verläuft von Stühlingen an der Schweizer Grenze durch drei Landkreise und 17 Gemeinden nach Wehr am Hochrhein. Jede der sechs Tagesetappen ist rund 20 Kilometer lang. "Gute Kondition sollte man schon haben, denn sechs Tage hintereinander jeweils 20 Kilometer bergauf und bergab zu laufen ist schon eine Herausforderung", sagt Nieke. "Schließlich überwindet man dabei rund 3000 Höhenmeter."

Wiesenpfade durch Sonnenhänge

Ebenso wichtig wie die Fitness ist die passende Ausrüstung mit knöchelhohen Wanderstiefeln und Regenbekleidung, weil das Wetter zwischen den Bergen des Schwarzwaldes auch mal umschlagen kann. Gurgelnde Bäche, steile Felswände, bemooste Baumriesen, rauschende Wasserfälle und tief eingeschnittene Talkerben kennzeichnen den Schluchtensteig. Handtuchschmale Trails wechseln sich ab mit breiten Forstwegen, Wiesenpfade führen an Sonnenhängen über bucklige Bergwiesen und durch Kuhweiden, Jahrhunderte alte Buchen- und Eichenwälder sowie dunkle Fichtenhaine werden durchquert.

Keine der sechs Etappen gleicht einer anderen, so häufig ändert sich das Landschaftsbild. Wer das abenteuerliche Erlebnis der Schluchten sucht, erwandert am besten an zwei Tagen die zweite und dritte Etappe von Blumberg über die Schattenmühle bis nach Fischbach in der Nähe des Schluchsees. Diese beiden Teilstücke entführen die Wanderer auf 28 Kilometern ins Herzstück des Schluchtensteiges, in die Wutachschlucht und die benachbarte Haslachklamm.

An den Ufern von Wutach und Haslach windet sich die Route oft nur als schmaler Trail vorwärts, mal auf halber Höhe, mal direkt zwischen tosenden Fluten und senkrecht aufragenden Felsen, in die sich die beiden ungezähmten Wildströme im Laufe der zurückliegenden 20.000 Jahre bis zu 200 Meter tief eingegraben haben. Deutschlands Grand Canyon begeistert die Wanderer auf dem Schluchtensteig, der hier an manchen Stellen über Geröll und blanken Fels führt.

Wandern geht auch ohne Gepäck

Schon seit 1939 ist die Wutachschlucht Naturschutzgebiet, heute umfasst die Schutzzone 950 Hektar. Botaniker haben in der Schluchtenenge mittlerweile 500 Schmetterlingsarten und rund 2800 Pflanzen wie Blasen- und Streifenfarn, Türkenbund und Silberblatt entdeckt. Im Fluss huschen Bachforellen umher, scheue Wasseramseln brüten in den Felswänden. Dazu gesellen sich Fledermäuse, Uhus, Kolkraben, seltene Eisvögel und Rote Milane, die am Himmel über der Schlucht majestätisch ihre Kreise ziehen.

Viele Wanderer aus dem Schwabenland kommen nur am Wochenende für eine Kurztour in die Wutachschlucht. Andere mühen sich an den kurzen, steilen Anstiegen schwer mit ihren Rucksäcken und sind eine Woche lang auf dem Schluchtensteig unterwegs. Auf dem Fernwanderweg ist auch die sanftere Variante beliebt: mit der einwöchigen Pauschale "Wandern ohne Gepäck". Mehr als 30 Hotels entlang der Route bieten in diesem Rahmen den kostenlosen Gepäcktransfer auf den einzelnen Etappen an.

Die Wandersaison auf dem Schluchtensteig beginnt im Mai und endet an den letzten Oktobertagen. Als ruhige Wanderzeiten gelten die Wochen außerhalb der Schulferien und der Brückentage. Wer den Blick in die offenen Fernen liebt, sollte das 18 Kilometer lange Teilstück von St. Blasien bis nach Todtmoos unter seine Füße nehmen: Von den unbewaldeten Bergrücken oberhalb des Dörfchens Oberibach bieten sich - je nach Wetterlage - tolle Ausblicke über sattgrüne Bergwiesen und das Hochrheintal bis zum Schweizer Alpenpanorama. An klaren Tagen, so schwören die Hotzenwälder, soll fern am Horizont im Südwesten sogar der Montblanc auftauchen.

Rekordjäger schafft 118 Kilometer in 26 Stunden

St. Blasien und Todtmoos bieten sich als Standorte an, um neben den ausgedehnten Tageswanderungen auch ein Stück Kultur des Südschwarzwaldes zu erleben. So punktet St. Blasien mit dem im Jahr 1781 fertig gestellten Dom. Dessen imposante Kuppel weist einen Durchmesser von 36 Metern auf und gilt nach dem Petersdom in Rom und dem Dom in Florenz als drittgrößte Kirchenkuppel in Europa. Todtmoos lockt mit der umfangreichen volkskundlichen Sammlung im Heimatmuseum "Heimethus" und der Wallfahrtskirche, deren Madonnenbild seit dem Mittelalter Jahr für Jahr Ziel vieler Pilger ist, die streckenweise dem Verlauf der Fernwanderroute folgen. Die kleine St. Josefskapelle steht nur unweit des Flusses Wehra.

Und in der Kleinstadt Wehr, dem Endpunkt des zertifizierten Qualitätswanderweges, ist der Besuch des privaten Textilmuseums lohnend. Ein Rekord wurde auf dem Schluchtensteig im Juni 2010 aufgestellt: Extremsportler Gerhard Bühler "machte" im Alter von 63 Jahren die kompletten 118 Kilometer in ganzen 26 Stunden und 45 Minuten. Mit einer kurzen Pause - zum Kaffeetrinken am Morgen daheim in Todtmoos.

Bernd F. Meier, dpa



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Seite 1
Rob_25 29.04.2011
1. ...
Zitat: 'Viele Wanderer aus dem Schwabenland kommen nur am Wochenende für eine Kurztour in die Wutachschlucht.' Ich hoffe, der Autor meinte damit, dass Schwaben gerne nach Baden fahren um dort zu wandern... und nicht die Einheimischen!
nr55 29.04.2011
2. Reisewarnung
Zitat von Rob_25Zitat: 'Viele Wanderer aus dem Schwabenland kommen nur am Wochenende für eine Kurztour in die Wutachschlucht.' Ich hoffe, der Autor meinte damit, dass Schwaben gerne nach Baden fahren um dort zu wandern... und nicht die Einheimischen!
An dieser Stelle eine Reisewarnung an alle Einwohner des Planeten Erde, mit Ausnahme von Baden-Württemberg: Es ist geradezu unmöglich, dieses kleine Bundesland zu besuchen, ohne ständig en detail über dortige Mikrogeografie belehrt zu werden. Schwabenland, Baden und Hohenzollern sowieso. Und natürlich liegt Freiburg nicht im Schwarzwald, sondern drei Meter daneben. Mithin außerhalb des Schwarzwaldes. Das ist den Freiburgern wichtig. Immer und überall. Es könnte so eine schöne Gegend sein, wenn nur die Menschen dort nicht wären. Die werden aber zum Glück im Artikel verschwiegen.
audio2000 29.04.2011
3. Schwarzwald-Zerstörung durch Grüne stoppen
Ja, der Südschwarzwald ist schön. Noch. Die grün-rote Landesregierung will ja den Schwarzwald mit Orgien von Beton-Spargeln verschandeln. Landschaftsschutz interessiert die Grünen wohl nicht mehr. Der ehemalige Ministerpräsident Teufel und seine Nachfolger haben erfolgreich verhindert, dass die schöne Landschaft mit Windmühlen zugestellt wird. Der Nutzen ist minimal, bei Windstelle müssen dann die sowieso die Kohlekraftwerke ran...Und der Atomstrom aus Frankreich - die 4 Kraftwerksblöcke von Fessenheim liegen gleich bei Freiburg und dem Südschwarzwald.... Hoffentlich wehren sich die Schwarzwälder gegen diesen Wahnsinn.
kuebler@pro-av-medien.de 29.04.2011
4. Mikrogeografie
Zitat von nr55An dieser Stelle eine Reisewarnung an alle Einwohner des Planeten Erde, mit Ausnahme von Baden-Württemberg: Es ist geradezu unmöglich, dieses kleine Bundesland zu besuchen, ohne ständig en detail über dortige Mikrogeografie belehrt zu werden. Schwabenland, Baden und Hohenzollern sowieso. Und natürlich liegt Freiburg nicht im Schwarzwald, sondern drei Meter daneben. Mithin außerhalb des Schwarzwaldes. Das ist den Freiburgern wichtig. Immer und überall. Es könnte so eine schöne Gegend sein, wenn nur die Menschen dort nicht wären. Die werden aber zum Glück im Artikel verschwiegen.
sebastian_stgt 29.04.2011
5. eben
Zitat von nr55An dieser Stelle eine Reisewarnung an alle Einwohner des Planeten Erde, mit Ausnahme von Baden-Württemberg: Es ist geradezu unmöglich, dieses kleine Bundesland zu besuchen, ohne ständig en detail über dortige Mikrogeografie belehrt zu werden. Schwabenland, Baden und Hohenzollern sowieso. Und natürlich liegt Freiburg nicht im Schwarzwald, sondern drei Meter daneben. Mithin außerhalb des Schwarzwaldes. Das ist den Freiburgern wichtig. Immer und überall. Es könnte so eine schöne Gegend sein, wenn nur die Menschen dort nicht wären. Die werden aber zum Glück im Artikel verschwiegen.
vor allem nerven die südbadener, die immer noch äpfel mit birnen vergleichen ... wer von badenern spricht muss von württembergern reden. was nämlich baden sein soll in der denke dieser herrschaften bleibt mir bis heut verborgen. franken mit der unterordnung kurpfälzer oder alemannen mit der unterordnung schwaben bzw. umgekehrt weil gleich. wie man aber so versessen sein kann auf abgelegte herrschernamen bleibt mir ein rätsel. anmerkungen von einem der seine wurzeln zwischen oberkirch und hagenau hat.
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