Leuchtturm Westerheversand: Stopp auf dem Radweg Eider-Treene-Sorge
Leuchtturm Westerheversand: Stopp auf dem Radweg Eider-Treene-Sorge
Foto: Martin Kirchner / laif

Flussradwege zwischen Nordsee und Zugspitze Unter den Wolken

Der Frühling ist da, die Räder sind aus der Inspektion zurück: Wie wäre es mit einem Trip entlang kleiner Flüsse? Hier sind Tipps für Touren von 100 bis 240 Kilometern.

Bei Temperaturen, die denen im Frühsommer gleich kommen, werden Karten gezückt, Apps aktiviert und Unterkünfte gecheckt: Es ist Radfahrzeit! Immerhin vier Millionen Menschen verbrachten im vergangenen Jahr ihren Urlaub auf dem Fahrrad – am beliebtesten unter den Fernradwegen in Deutschland war dabei der Weser-Radweg, gefolgt vom Elbe- und Main-Radweg.

Insgesamt sind im Top-Ten-Ranking, das der Fahrradclub ADFC aufstellte, neun Strecken, die entlang von Flüssen führen – was wohl mit der Hoffnung auf wenige Anstiege und entspanntes Radeln verbunden ist. Meist sind es die großen Flüsse Deutschlands. Dabei gibt es für die meisten Radler noch einige Routen an kleineren Flüssen zu entdecken. Sie sind zwar meist nicht Hunderte Kilometer lang und geeignet für mehrwöchige Trips, führen aber durch oft spektakulärere Natur.

Wer sich beeilt, erwischt vielleicht noch ein Hotel- oder Pensionsbett für die Zwischenübernachtung an den Osterfeiertagen! Hier sind neun Tipps:

Loisach-Radweg – von der Zugspitze bis zur Isar

Loisach-Radweg vor Murnau

Loisach-Radweg vor Murnau

Foto: Dr. Wilfried Bahnmüller / picture alliance / imageBROKER

Am Weißensee direkt an der alten Römerstraße Via Claudia Augusta geht's los. Rundherum erheben sich die Felsmassive der Zweitausender, wie Grubigstein und Wannig, Richtung Norden sind es Daniel und das wuchtige Zugspitzmassiv. Eine großartige Alpenszenerie, nicht nur für die Instagram-Fotografen. Tirol und Oberbayern, wie man es sich vorstellt – und der Clou daran: Der Loisach-Radweg  hat über seine etwa 100 Kilometer keine schweißtreibenden Steigungen, höchstens mal ein paar vom Regen ausgewaschene Wegabschnitte am Flussufer.

Zuerst geht es durch den Bergwald nach Garmisch-Partenkirchen. Dann weitet sich das Flusstal, bis man bei Ohlstadt das Alpenvorland erreicht. Am Kochelsee lohnt sich ein Besuch des Franz-Marc-Museums mit den Werken des Blauen Reiters. Wenige Kilometer weiter stoppen viele Radler gern im Klosterhof von Benediktbeuern. Nach etwas mehr als hundert Kilometern durch Wiesen, Weiden und schöne Bauerndörfer mündet in Wolfratshausen die Loisach in die Isar beziehungsweise der Loisach-Radweg in den Isarradweg.

Innerste-Radweg – vom Oberharz ins Leinetal

Innerste-Radweg am Unesco-Welterbe St. Michaelis

Innerste-Radweg am Unesco-Welterbe St. Michaelis

Foto: Hildesheim Marketing

Die Innerste entspringt im Oberharz in der Nähe der Bergwerkstadt Clausthal-Zellerfeld, wo auch Deutschlands größte Holzkirche steht. Neben hübschen Kirchen und Schlössern führt die kleine Flussroute  auf den etwas mehr als 100 Kilometern gleich zu vier Welterbestätten: zur Oberharzer Wasserwirtschaft mit seinen unzähligen Teichen und Wasserläufen, zum Bergwerk Rammelsberg und zur Altstadt von Goslar sowie zum Dom in Hildesheim. Rund die Hälfte der Strecke verläuft in oder an Naturschutzgebieten mit reicher Flora und Fauna, von Eisvogel bis Graureiher. Zwischen Wildemann und Langelsheim rollt man gemütlich auf einem ehemaligen Bahndamm.

Rottal-Radweg – von der Vils an den Inn

Bad Birnbach im Rottal

Bad Birnbach im Rottal

Foto: Kurverwaltung Bad Birnbach

Das Rottal gilt als das Herz des niederbayerischen Hügellandes. Der Fluss Rott ist jedoch nicht sonderlich lang, nur rund hundert Kilometer. Der begleitende Radweg  (115 Kilometer) von Velden an der Vils bis Neuhaus am Inn erweist sich deshalb als genau richtig für eine sportliche E-Bike-Tour oder eine gemütliche Zweitagereise.

Wer nicht im Bäderdreieck losradeln möchte, der nimmt zuerst die Rottalbahn (kostenfreie Radmitnahme) von Bad Birnbach oder Karpfham nach Neumarkt St. Veit, das »Tor zum Rottal«. Von hier könnte man mit dem Rad weiter zum Ausgangspunkt in Velden beziehungsweise zur Rottquelle in Wurmsham fahren, kürzer ist es, gleich in Neumarkt St. Veit die Rottal-Tour Richtung Osten zu beginnen. Die Landwirtschaft prägt bis heute das liebliche Flusstal, zu erkennen an den großen Rottaler Vierseithöfen. Mehr über diese bäuerliche Architektur und Kultur erfährt man im Massinger Bauernhofmuseum.

Zu den weiteren Highlights zählen die Städte mit historischer Inn-Salzach-Bauweise. Gemeint sind damit vor allem die Fassaden der Bürgerhäuser an den Stadtplätzen zum Beispiel in Eggenfelden und Pfarrkirchen. Einen Besuch wert sind zudem das Wasserschloss Schönau und am Radwegende das Schloss Neuhaus am Inn.

Eider-Treene-Sorge-Radroute – zwischen den Meeren

Der Wind ist an der Küste wie auch im Binnenland Schleswig-Holsteins allgegenwärtig, also auch an den drei Flüssen Eider, Treene und Sorge. Weil man auf dieser Rundtour mit reichlich Gegenwind rechnen muss, ist ein E-Bike eine komfortable Alternative. Über Tönning und in St. Peter-Ording gleitet man damit relaxed Richtung Westerhever. Über Eiderstedt – eine norddeutsche Bilderbuchlandschaft – sagt man, hier würden mehr Schafe und Kühe leben als Menschen.

Nur ein paar Pedalumdrehungen von der Touristenattraktion Leuchtturm Westerheversand entfernt geht es wieder durch sattgrüne Wiesen und Weideflächen in Richtung Husum. Von Husum aus zeigt man der Nordsee das Hinterrad und fährt hinein ins grüne Binnenland. Ein Tipp: noch einen Cappuccino trinken im pittoresken, aber überlaufenen Friedrichstadt, ehe es endgültig hineingeht in die weite Landschaft Schleswig-Holsteins. Man kurbelt durch verschlafene Dörfer mit reetgedeckten Häusern, vorbei an den Storchennestern in Bergenhusen hinüber ins Naturschutzgebiet Hohner See.

Nach dem Übersetzen über die Eider ist man in Dithmarschen. Zwischen den schier endlosen Weideflächen schimmert ab und zu ein Kohlfeld aus der Ebene hervor. Und weil sie so stolz auf ihr Gemüse sind, haben sie in Dithmarschen sogar die Deutsche Kohlstraße eingerichtet. Die gut ausgeschilderte Eider-Treene-Sorge-Radroute  im grünen Binnenland zwischen Nord- und Ostsee führt 240 Kilometer lang überwiegend über kleine Landstraßen, asphaltierte Feldwege und streckenweise rumpelige Plattenwege. Steigungen gibt es so gut wie keine.

Oste-Radweg – von der Nordheide bis zur Elbe

Der »Erfinder« des Oste-Radwegs, Klaus Feldmann, nannte seine Strecke die Seelenbaumelroute. In der Tat geht es von der Quelle des längsten Nebenflusses der Niederelbe recht ruhig und beschaulich Richtung Norden. Die meist flache, 145 Kilometer lange Radroute auf Deich- und Feldwegen durchquert Moor-, Geest- und Marschgebiete, die durch Eiszeiten geprägt sind, und führt vorbei an kleinen niedersächsischen Dörfern.

Ein Highlight on Tour sind die Fähren aller Art, die den Fluss überqueren, vor allem die nicht alltägliche Schwebefähre von Hemmoor-Osten. Der Nordteil des Oste-Radwegs  ist nämlich identisch mit dem Südabschnitt der Deutschen Fährstraße Bremervörde – Kiel und entsprechend beschildert. Ein kulinarischer Tipp: Unbedingt mal den Oste-Aal probieren und an einem Stinteessen teilnehmen. Der Stint ist ein kleiner, lachsartiger Fisch, der vor allem an der Niederelbe vorkommt.

Lenne-Route – von Winterberg bis zur Ruhr

Foto: S. Ziese / picture alliance / blickwinkel

Am Kahlen Asten bei Winterberg beginnt die Mittelgebirgstour quer durchs Sauerland. Tiefgrüne Wälder, romantische Wiesentäler und kleine Fachwerkdörfer bilden zu Beginn die Kulisse. Ab und zu thront eine Burg oder ein Schloss am Berg. Historische Fabrikanlagen und Museen, wie in Maste-Barendorf und Holthausen, geben Einblick in die Industriegeschichte und den Bergbau der Region.

Gegen Ende der 142 Kilometer langen Route führt der Lenneradweg  vermehrt durch Städte, und der Tourenradler bekommt einen Eindruck vom Leben im Ruhrgebiet. Für Erholung sorgt dann schließlich wieder das letzte Stück der Route. Auf ruhigen, gut beschilderten Wegen, abseits vom städtischen Treiben, erreicht man die Mündung der Lenne in die Ruhr. Der Großteil der Lenneroute ist asphaltiert. Die wenigen Abschnitte auf unbefestigten Wald-, Feld- und Uferwegen lassen sich gut meistern. Allerdings muss man auf einigen Teilstrecken auf die Landstraße ausweichen.

Nidda-Route – vom Vogelsberg bis zum Main

Nidda bei Frankfurt

Nidda bei Frankfurt

Foto: Michael Probst / AP

Mal wird die knapp 100 Kilometer lange Strecke als Niddaroute , dann als Niddaradweg oder auch Nidda-Uferweg bezeichnet. Es ist aber immer dieselbe Route gemeint, die gut ausgeschildert in Flussnähe von Schotten nach Höchst führt. Der Radweg führt durch so unterschiedliche Landschaftsräume wie den wald- und wasserreichen Hohen Vogelsberg, den Unteren Vogelsberg mit Hecken und Streuobstweisen, die Wetterau mit Äckern und Auen und schließlich in die Rhein-Main-Ebene, heute einer der am dichtesten besiedelten Kulturräume Mitteleuropas.

Viel Charme besitzen die Orte am Radweg, wie Staden und Bad Salzhausen, das kleinste Staatsbad Hessens. Typische Fachwerkarchitektur schmückt die Zentren von Nidda und Schotten. Und an der Wörthspitze, wo die Nidda in den Main mündet, überspannt eine Bogenbrücke den Fluss, dümpeln Hausboote im Wasser, und die Höchster Altstadt ist zu besichtigen. Nicht auslassen: eine Einkehr bei Äppelwoi und Handkäs.

Siegtal-Radweg – vom Rothaargebirge bis zum Rhein

Der Name Sieg hat hier nichts mit Triumph zu tun, sondern stammt vom keltischen »Sikkere« ab und bedeutet »schneller Fluss«. Das »schnelle Gewässer« entspringt auf 600 Meter Meereshöhe im Naturpark Sauerland-Rothaargebirge. Dort startet auch direkt der begleitende 162 Kilometer lange Siegtal-Radweg . Großteils erfolgt die Streckenführung auf Radwegen sowie ehemaligen, asphaltierten Instandhaltungswegen entlang der Sieg, nur im oberen Teil warten einige unbefestigte Streckenabschnitte.

Zunächst geht es bergab durch den waldreichsten Landkreis Deutschlands über Netphen und Siegen in den Westerwald. Dort windet sich die Sieg durch ausgedehnte Wiesentäler vorbei an Fachwerkdörfern und interessanten Orten wie Wissen und Hamm. Das Finale bestreiten die Radler im Rhein-Sieg-Kreis vorbei an Siegburg und Troisdorf bis hin zur sehenswerten, naturgeschützten Mündung in den Rhein bei Niederkassel-Mondorf.

Aischtalradweg – von Rothenburg bis nach Bamberg

Bamberg

Bamberg

Foto: Nicolas Armer/ dpa

Die Aisch verknüpft die berühmtesten historischen Städte Frankens und viele schnuckelige Dörfer auf einer Tour. Und zwar ohne allzu große Anstrengung für den Freizeitradler. Ein Höhenunterschied von nur rund 300 Metern auf 121 Kilometern, das heißt fast keine Steigungen in beiden Richtungen, gut ausgebaute Feldwege und wenig Verkehr brachten dem Aischtalradweg  das Prädikat »ausgesprochen familienfreundlich« ein.

Neben den kulturellen Highlights Bamberg und Rothenburg ob der Tauber lohnt sich auf jeden Fall auch ein ausgiebiger Stopp in den Altstädten von Bad Windsheim, Neustadt und Höchstadt. Die Region ist zudem berühmt für ihren Karpfen, den Aischgründer Karpfen, eine eigene Zuchtform, die viele als kulinarische Spezialität schätzen. Mit mehr als 7000 Teichen und Weihern, vor allem im unteren Aischgrund, beherbergt die Region eines der größten zusammenhängenden Teichgebiete Europas. Der Aischtalradweg ist einheitlich in beide Richtungen gut beschildert.

Armin Herb, srt/abl