Fotostrecke

Urlaubziele in Friesland: Watt ist wat

Foto: TMN / Ostfriesland Tourismus GmbH

Dreimal Friesland Watt will man mehr

In Friesland kann man einfach im Strandkorb sitzen und Fischbrötchen essen. Muss man aber nicht. Drei Ziele an der Nordseeküste, die Lust auf Kunst, Watt und Rhabarberkuchen machen.

Ostfriesland kennt jeder, da kommen die Witze her. Aber Friesland ? Wo ist das denn? Ausgerechnet östlich von Ostfriesland - kein Witz. Der gleichnamige Landkreis in Niedersachsen hat das Autokennzeichen "FRI". Die Kreisstadt heißt Jever und ist nicht ganz so bekannt wie das Bier, das dort gebraut wird, aber genauso friesisch herb. Eine Friesland-Tour mit drei Stationen:

Zum Start nach Dangast: Nordseebad mit Kunst

Dangast liegt direkt am Jadebusen, nördlich von Varel. Es hat einen kleinen Hafen, wo man aufs Wasser gucken kann, einen Strand, der gar nicht übel ist, und das 130 Jahre alte Kurhaus, eine Institution nicht nur in Sachen Rhabarberkuchen.

Radziwills Haus: Dangast zieht Künstler an

Radziwills Haus: Dangast zieht Künstler an

Foto: TMN

Expressionistische Maler wie Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff hatten Dangast schon vor dem Ersten Weltkrieg für sich entdeckt. Seitdem zog es immer wieder Künstler hierher, darunter auch einige Schüler von Joseph Beuys. Am Strand vor dem Kurhaus sind manche ihrer Kunstwerke zu sehen . Ein überdimensionaler Granit-Phallus gehört dazu. Der Künstler und selbst ernannte Wikingerkaiser Butjatha hat sich einen "Kaiserstuhl" an die Küste gestellt, sein Künstlerkollege Anatol Hatzfeld eine zwei Tonnen schwere Figur namens Jade im Watt platziert.

Wer sich intensiver mit den Künstlern beschäftigen will, kann dem Dangaster Kunstpfad  folgen oder dem Skulpturenpfad rund um den Jadebusen. An der Sielstraße steht das ehemalige Wohnhaus von Franz Radziwill , das heute ein Museum ist. Und gleich hinter der Haustür wartet Birgit Denizel, Kuratorin der aktuellen Ausstellung. Radziwill, einer der ungewöhnlichsten norddeutschen Künstler des 20. Jahrhunderts, hat von 1923 bis zu seinem Tod 1983 dort gewohnt.

"Die Tür hier hat er selbst bemalt", sagt Denizel in einem kleinen Zimmer im Erdgeschoss. "Er hat auch den Fußboden selbst gelegt, er war ja gelernter Maurer." In einem Schrank voller Geschirr stehen Teetassen und Kannen, die er auch für eines seiner vielen Stillleben als Vorbild genutzt haben könnte.

Neustadtgödens: Ein Bummel mit dem Koyer

Neustadtgödens gilt als das schönste Dorf Frieslands. Ungewöhnlich ist es auf jeden Fall. Und ungewöhnliche Führungen  gibt es hier auch. Dirk Arnskötter wartet am Landrichterhaus in der Brückstraße, das heute ein Museum zur Dorfgeschichte beherbergt.

Er hat hohe Lederstiefel an, hält einen Spaten zwischen den Händen und trägt zum Vollbart eine Schiffermütze - wie einst die Koyer. So hießen die Deichbauarbeiter hier an der Küste, die dafür sorgten, dass das Land nicht vom Nordseewasser überspült wurde und die Menschen vor Sturmfluten geschützt blieben.

Dirk Arnskötter: Eine Stadtführung vom Koyer

Dirk Arnskötter: Eine Stadtführung vom Koyer

Foto: TMN

Arnskötter weiß eine Menge über Deichbau, aber er erzählt bei seinem Dorfbummel auch viel über das Leben hinter den Deichen. Über die Zunftfahnen an den Häusern zum Beispiel, die in der Frühen Neuzeit den Beruf ihrer Bewohner anzeigten, über das Kaffeekannenmuseum mit Hunderten von Ausstellungsstücken, über die Blaudruckfärberei und über die Staustraße, auf der Händler ehemals Markt hielten und Kaufleute ihre Waren stapelten.

In der Kneipe am Ende der Staustraße wurden die Verträge begossen. "Neustadtgödens war lange ein sehr reiches Dorf", sagt Arnskötter. "Und das einzige in Europa, in dem gleich fünf Religionsgemeinschaften ihre Gotteshäuser errichten durften."

An allen fünfen kommt die Tour mit dem Koyer vorbei: Die evangelische und die katholische Kirche gibt es noch. In der früheren Mennonitenkirche aber ist heute ein Café untergekommen, und auch die reformierte Kirche wird schon lange nicht mehr als solche genutzt. Die Synagoge hat die Reichspogromnacht 1938 unbeschadet überstanden. Heute ist das Erdgeschoss für Ausstellungen reserviert, ab diesem Sommer zur Geschichte der Juden im Dorf.

Schillig: Watt bis über die Knöchel

In Friesland gibt es gleich mehrere klassische Badeorte. Hooksiel gehört dazu und ganz im Norden Schillig. "Great Barrier Reef 14693 Kilometer" steht hier auf einem Wegweiser, gleich daneben "Wattenmeer 0,2 Kilometer". Und das stimmt auch: Der breite Strand liegt direkt vor einem und dahinter das Watt.

Strand von Schillig: Kitesurfer und Wattläufer willkommen

Strand von Schillig: Kitesurfer und Wattläufer willkommen

Foto: TMN / Ostfriesland Tourismus GmbH

Schillig bietet typisches Nordseeurlaubsfeeling. Am Wasser sind Dutzende von Spaziergängern unterwegs, die jüngsten Gäste bauen Sandburgen mit Papa und Mama, andere lassen Drachen steigen, spielen Minigolf oder versuchen sich am Beachvolleyballnetz.

Aber Minigolfspielen kann man fast überall anderswo auch. Wattwandern nicht. Hille Behrens-Focke  steht mit Grabegabel und Kescher ausgerüstet an der Strandkasse am Sommerdeich und hat die Schuhe schon ausgezogen. Die Wattführerin empfiehlt, am besten barfuß mitzukommen. Bei ihrer Tour geht es in zwei Stunden übers Watt bis ans Wasser und zurück.

Zu sehen gibt es dabei zum Beispiel jede Menge Herzmuscheln in verschiedenen Farben. Hille Behrens-Focke hat eine in die Hand genommen: "Die Zahl der Querstreifen zeigt an, wie alt sie ist", erklärt sie. Unterwegs fängt sie mit ihrem Kescher Granat, wie die kleinen Krabben heißen, die es in Friesland an vielen Stellen im Fischbrötchen gibt. Und sie zeigt, wie schnell Herzmuscheln versuchen, sich wieder einzugraben, wenn man sie einmal aus dem Boden geholt hat. Der Wattwurm hat ebenfalls seinen Auftritt.

Die Kinder lässt die Wattführerin so lange mit den Füßen auf den Boden stampfen, bis sie bis weit über die Knöchel im Watt versinken. Solange man feststeckt, hat man Zeit, den Kitesurfern zuzugucken, die übers Watt bis zum Wasser laufen und sich dann dem Wind überlassen.

Andreas Heimann/dpa/abl
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.