Flughäfen Großer Andrang bei Corona-Tests für Reiserückkehrer

Die Nachfrage nach Corona-Tests an Airports ist so groß, dass sogar Urlauber anfragen, die gar nicht mit dem Flieger gereist sind. Die Vergütung der Tests halten Ärzte indes für einen "schlechten Scherz".
Allein in Bayern ließen sich 18.000 Reiserückkehrer testen

Allein in Bayern ließen sich 18.000 Reiserückkehrer testen

Foto: Bernd Wüstneck/ dpa

Infiziert zurück aus dem Urlaub? Kostenlose Corona-Tests für Reiserückkehrer sollen eine Ausbreitung des Virus verhindern. Viele Urlauber nehmen das Angebot an, der Andrang ist groß, melden Testzentren bundesweit.

  • Allein in Bayern haben sich etwa 18.000 Urlauber testen lassen.

  • Am Flughafen Hannover hat auch die Nachfrage nach freiwilligen Tests für Reisende zugenommen, die nicht in einem Risikogebiet waren. Für sie ist der Test nicht verpflichtend.

  • Am Frankfurter Flughafen haben sich an dem schon länger geöffneten Testzentrum bisher mehr als 40.000 Menschen testen lassen, teilte Deutschland größter Flughafen mit.

  • Auch an den Flughäfen Sachsens sind am Wochenende die ersten Corona-Tests für Reiserückkehrer gestartet. Wie viele Urlauber sich untersuchen ließen, ließe sich noch nicht sagen, aber die Angebote seien definitiv angenommen worden, hieß es im Sozialministerium in Dresden.

Seit Samstag können sich alle Einreisenden innerhalb von 72 Stunden nach der Ankunft in Deutschland auch ohne Krankheitsanzeichen kostenlos testen lassen. Das legt eine Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fest. Diese soll zum Beispiel in Teststellen an Flughäfen, in Gesundheitsämtern und Arztpraxen möglich sein. Die Kosten trägt der Staat. Spahn rief dazu auf, die neuen Testmöglichkeiten zu nutzen. "Wer von einer Reise zurückkommt, sollte sich testen lassen - freiwillig und kostenlos." Die steigenden Infektionszahlen seien ein Warnsignal.

Wo kann ich mich testen lassen?

Auf dem Frankfurter Flughafen liegt die Zahl der täglichen Testungen nach Angaben der Betreiber inzwischen bei knapp 2000: "Wir verzeichnen kontinuierlich steigende Zahlen." Ende Juni wurde dort das kommerzielle Zentrum eröffnet - es soll nicht das einzige bleiben.

Am Flughafen Hannover ist die Zahl der Getesteten allein am Samstag bereits um etwa 30 Prozent im Vergleich zu den Vortagen gestiegen, teilte der Betreiber mit. Es häuften sich auch Nachfragen nach Tests von Urlaubern, die gar nicht mit dem Flugzeug gereist waren.

Grundsätzlich sollen die Tests neben Flughäfen auch in Bahnhöfen und anderen Reiseknotenpunkten sowie in Gesundheitsämtern und Arztpraxen möglich sein. Die Servicenummer 116 117 gibt Auskunft über nahegelegenen Teststellen.

Wer zahlt?

Übernommen werden auch die Kosten für einen Wiederholungstest pro Person. Dass man ein Reiserückkehrer ist, kann man zum Beispiel durch einen Boarding-Pass, ein Ticket, eine Hotelrechnung oder andere Nachweise eines Auslandsaufenthalts belegen. Je nach Auslastung der Testzentren sollte das Ergebnis nach etwa 24 bis 48 Stunden vorliegen.

Bezahlt werden die Tests zunächst von den gesetzlichen Krankenversicherungen - das Gesundheitsministerium hat aber bereits signalisiert, dass der Bund die Finanzierung am Ende über einen schon beschlossenen höheren Milliardenzuschuss an die Kassen übernimmt. Pro Test setzt die Verordnung vorerst 50,50 Euro für Laborleistungen an, für Ärzte ist eine pauschale Vergütung von 15 Euro vorgesehen. An der Finanzierung der Tests auf Steuerzahlerkosten gibt es Kritik. Spahn argumentiert dagegen, dass niemand aus finanziellen Gründen darauf verzichten sollte. Unentdeckte Infektionen könnten teurer werden.

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Kritik von Hausärzten

Der Deutsche Hausärzteverband warnte vor erheblichem Aufwand bei der Umsetzung, wenn nun viele Reiserückkehrer mit einer 72-Stunden-Frist für Tests in die Praxen kommen. Im günstigsten Falle kriege ein Arzt Patienten noch irgendwo unter, sagte der Vorsitzende Ulrich Weigeldt. "Dann heißt es Schutzausrüstung anziehen, Abstrich nehmen und Aufklärungsgespräch über Hygienemaßnahmen, Validität der Tests und deren Konsequenz führen." Da wirkten die 15 Euro, die Hausärzte für einen Abstrich bekommen sollen, "wie ein schlechter Scherz".

Was, wenn ich aus einem Risikogebiet einreise?

Strengere Regeln gelten für jene Reiserückkehrer, die in Risikogebieten mit hohen Infektionszahlen waren. Welche Länder das sind, steht auf einer Liste des Robert Koch-Instituts (RKI) , zu der seit Freitag auch die drei spanischen Regionen Aragón, Katalonien und Navarra gehören. Aus der EU steht zudem Luxemburg darauf. Wer aus solchen Risikogebieten kommt, muss sich direkt für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben und beim Gesundheitsamt melden. Möglich ist auch, ein negatives Testergebnis vorzulegen, das höchstens 48 Stunden alt ist.

Bald soll für Rückkehrer aus Risikogebieten auch eine Testpflicht gelten - eine von Spahn angekündigte Anordnung soll im Lauf der kommenden Woche in Kraft treten. Wer aus einem Risikogebiet kommt, muss sich dann entweder innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise testen lassen oder binnen 72 Stunden nach der Einreise. Bis ein negatives Ergebnis da ist, muss man in Deutschland in häusliche Quarantäne. Nachgewiesen werden muss das Ergebnis binnen 72 Stunden beim Gesundheitsamt mit einer Testbescheinigung in deutscher oder englischer Sprache.