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Scandic Emporio Hamburg: Reisen auf dem "Grünem Globus"

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Grünes Hotel in Hamburg Tauchgang auf Schwedisch

Tigergarnelen sind tabu, die Lobby ist mit Bambus verschalt: In ihrem neuen Haus in Hamburg setzt die Scandic-Kette mehr denn je auf Umweltschutz. Mit dieser Philosophie ist das schwedische Unternehmen Vorreiter in der Hansestadt - und nimmt die Kunden mit in die Verantwortung.

Durch die Fleete der Hamburger HafenCity schwimmt dieser Tage ein Elch. Den pelzigen Hals aus dem Wasser streckend, treibt das Tier durch die Wasserarme der historischen Speicherstadt - zumindest in einer Fotomontage. "Hamburg ist jetzt ein bisschen skandinavischer" lautet der Werbeslogan der schwedischen Hotelkette Scandic, die derzeit mit diesem Motiv für ihr neuestes Haus wirbt. Am Wochenende empfängt das Emporio seine ersten Gäste.

Was ein schwimmender Elch mit dem modernen Glaskasten zu tun hat, der sich nun neben Hamburgs traditionsreichem Konzerthaus, der neobarocken Laeiszhalle, erhebt? Für Steffen Seichter ist das aus Nordeuropa stammende Tier vor allem ein geeigneter Markenbotschafter. "Elche haben einen hohen Sympathiewert", sagt der Marketingchef des Scandic Hamburg Emporio. Und in Zeiten, in denen jedes Hotel anscheinend auch gleich ein Motto braucht, ist es wohl auch nicht schwergefallen, ein passendes für den neuen Standort an der Elbe zu finden. Die Wahl fiel - wenig überraschend - auf das Thema Wasser.

"Das Wasser-Motto soll zum Nachdenken anregen", sagt Seichter im Fahrstuhl, dessen blaue Beleuchtung mit jedem Stockwerk heller wird - wie bei einem Tauchgang im Ozean. Was sich Scandic auf die Fahnen geschrieben hat: eine Übernachtung im Hotel so ökologisch wie möglich zu gestalten. Auf den Zimmern, im Tagungsbereich, in der Lobby und im Restaurant, das - natürlich - den Namen H2O trägt.

Havel-Zander statt Tigergarnele

Wer sich hier etwas zu essen bestellt, bekommt eine Portion Umweltschutz gleich mit auf den Teller. "Tigergarnelen werden Sie bei uns vergeblich auf der Karte suchen", sagt Seichter. Scandic boykottiere die Erzeugung der Süßwassershrimps, da hierfür die Mangrovenwälder abgeholzt werden. Man setze stattdessen auf regionale Erzeugnisse. "Wir braten heimischen Havel-Zander, servieren zum Frühstück Obst aus dem Alten Land und beziehen den Honig von lokalen Imkern."

Seit Jahren gehört eine lokale Note zum guten Ton in der Gastronomie. Aber das Scandic geht ein Stück weiter: "Wir müssen unsere Gäste erziehen." Die Service-Mitarbeiter haben in Schulungen den Zusammenhang zwischen Ernährung und Klimaschutz erörtert. So könnten sie den Gästen notfalls erklären, warum nur Fische und Meeresfrüchte auf den Tisch kommen, die laut WWF-Einkaufsratgeber bedenkenlos verzehrt werden können. "Ein Stück weit entmündigen wir unsere Kunden", sagt Seichter, der wenige Tage vor der Eröffnung in Jeans, Chucks und Jackett durch die Gänge des Hotels hastet.

Auch die Gasherde wurden aus der Küche verbannt, weil sie einen fossilen Brennstoff verbrauchen. "Das passt nicht zu uns", sagt Seichter. Also stellte das Unternehmen auf energiesparende Induktionsherde um - ob die Köche wollen oder nicht. Als erstes Hotel in Deutschland nimmt das Scandic Emporio auch an dem Projekt Klimateller.de  teil. Einmal die Woche wird ein CO2-reduziertes Gericht auf der Karte stehen. Tabu sind dabei Rind-, Lamm- und Schweinefleisch sowie Produkte, für deren Herstellung große Mengen von Milch nötig sind, heißt es auf der Webseite der Initiative. Der Grund: "Diese Lebensmittel erzeugen wegen des Einsatzes von Düngemitteln, der Abholzung von Regenwäldern und der Ausscheidungen der Tiere besonders viele Treibhausgase."

Wohlstand neu definieren

Eine nachhaltige Firmenphilosophie verfolgen seit einiger Zeit auch im Tourismus immer mehr Unternehmen. Für den verantwortlichen Umgang mit natürlichen Ressourcen und soziales Engagement gibt es inzwischen Hunderte Siegel, unter anderem die EU-Blume und das Green-Globe-Zertifikat.

Mit Letzterem schmückt sich auch die Hamburg Tourismusmarketing GmbH. "Wir haben uns zertifizieren lassen, um mit gutem Beispiel voranzugehen", sagt Sprecher Sascha Albertsen. "Wer nachhaltig wirtschaftet, kann auch neue Zielgruppen ansprechen, Menschen, die Wohlstand neu definieren und durchgängig grüne Produkte kaufen wollen." Er meint damit sogenannte Lohas, Menschen, die sich für einen nachhaltigen und gesunden Lebensstil (Lifestyle of Health and Sustainability) entschieden haben.

"Weniger als zehn Prozent unserer Kunden sind Lohas", sagt Emporio-Marketingchef Seichter. Nachhaltigkeit beeinflusse noch nicht die Kaufentscheidung für ein Produkt, auch wenn immer mehr Konsumenten die ökologischen Anstrengungen von Unternehmen wertschätzten. Für die Hotelkette bedeutet ein geringer Energieverbrauch oder der Verzicht auf einen teuren Wellness-Bereich natürlich auch finanzielle Einsparungen. In Schweden passe wirtschaftlicher Erfolg und eine nachhaltige Unternehmensphilosophie eben gut zusammen, sagt Seichter: "Wir haben nur eine Welt, die müssen wir gut behandeln."

Mülltrennung und skandinavischer Schick

Mit verspielten Details und großen Buchstaben appelliert das Hotel an die Gäste, sparsam mit der Ressource Wasser umzugehen: "Gone water does not mill anymore" (auf Deutsch: Geflossenes Wasser treibt keine Mühle mehr an) mahnt etwa ein Schriftzug an einer Wand im siebten Stock. Bei einem Rundgang durch das Hotel wird klar, dass dies nicht nur Lippenbekenntnisse sind.

Wenige Tage vor der Eröffnung sind die Mitarbeiter damit beschäftigt, Hunderte bunte Mülleimer in den Zimmern zu verteilen. "Wir möchten, dass bereits unsere Kunden den Abfall trennen", sagt Seichter. Auf den grünen Biobehältern steht, dass der darin entsorgte Müll kompostiert und in Biogas umgewandelt wird. Alles, was in den roten Eimer kommt, werde recycelt, und im Papierkorb möge bitteschön nur Papier landen, damit daraus neues hergestellt werden könne.

Die für den Bau des Hotels verwendeten Materialien sind zu einem großen Teil ökologisch vertretbar. Die helle Holzverkleidung in der Lobby etwa besteht aus schnell nachwachsendem Bambus. 90 Prozent der Zimmerausstattung ist komplett recyclingfähig.

Abstriche im Design gibt es dabei keine: Das Scandic Hamburg Emporio wirkt skandinavisch schick (matte Keramikfliesen im Bad, Böden aus Naturstein und hellem Eichenholz) - und bietet auch Menschen mit Behinderungen jede Menge Komfort. 33 der insgesamt 325 Zimmer sind barrierefrei gebaut, sämtliche Gänge extra breit angelegt, so dass auch Rollstuhlfahrer ohne Probleme passieren können.

"Vorreiter in Hamburg"

Auch auf Allergiker wurde Rücksicht genommen: Teppiche gibt es nicht im Hotel. Und beim Reinigen der Böden wird kein Staub aufgewirbelt. Schläuche können einfach in dafür vorgesehene Löcher in der Wand gesteckt werden - die Saugkraft kommt durch den Unterdruck im Abluftsystem zustande - und der Schmutz wird in Müllsäcken im Keller gesammelt.

"Studien haben ergeben, dass zehn Prozent aller Menschen in Europa körperliche Einschränkungen haben", sagt Seichter - von Laktoseunverträglichkeit bis hin zur Querschnittlähmung. "Wir wollen auch diese Menschen bei uns begrüßen." Auch das ist mit dem sperrigen Begriff Nachhaltigkeit gemeint.

Als die Scandic-Umweltbeauftragte das neue Haus in Hamburg vor seiner Eröffnung inspizierte, stellte sie ihm ein gutes Zeugnis aus. So konsequent wie in keiner anderen Filiale sei das Nachhaltigkeitsprinzip hier verwirklicht, das das Unternehmen in 160 Hotels in neun Ländern verfolgt. "Scandic ist in Hamburg ein Vorreiter in dieser Hinsicht", sagt auch Silke Marie Schellhorn vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. "Das Haus hatte mit dem Neubau alle Möglichkeiten, sich auf das neue Umweltbewusstsein der Gäste einzustellen. Diese Chance hat es genutzt."

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