Neuer "Guide Michelin" für Deutschland "Elitär war gestern"

Der "Guide Michelin" hat in Deutschland 309 Sternerestaurants ausgezeichnet, darunter 42 neue. "Es wird einfach besser gekocht", heißt es zur Begründung. Allerdings gibt es große Unterschiede je nach Bundesland.

AFP

Immer mehr Restaurants in Deutschland können sich mit Sternen des "Guide Michelin" schmücken. In der am Dienstag in Berlin vorgestellten Ausgabe des Hotel- und Restaurantführers werden 309 Gourmet-Restaurants aufgeführt, neun mehr als im Vorjahr. Dabei boomen aber nur die Häuser mit einem Stern. Bei den beiden höheren Kategorien mit zwei beziehungsweise drei Sternen gibt es je ein Restaurant weniger.

"Von den 309 Sterne-Restaurants sind 42 neue", sagte Pascal Couasnon, Geschäftsführer für den Bereich Food and Travel bei Michelin. "Viel Köche züchten ihr Gemüse selbst. Außerdem spielen lokale Produkte eine große Rolle."

Zehn Häuser erhalten drei Sterne, eins weniger als 2018, weil das La Vie in Osnabrück aufgegeben hat. Fünf Restaurants werden neu mit zwei Sternen ausgezeichnet, gleichzeitig verloren in dieser Kategorie sechs Restaurants einen oder sogar beide Sterne. Von den 261 Restaurants mit einem Stern sind 37 neu in der Liste.

Mehr junge Köche sorgen für Schwung

Den Aufschwung erklärt der Direktor des "Guide Michelin" für Deutschland und die Schweiz, Ralf Flinkenflügel, mit immer besserer Qualität in der Küche. "Wir haben unsere Kriterien nicht verändert. Es liegt einfach daran, dass besser gekocht wird." Je mehr gute Restaurants es gebe, desto mehr würden junge Leute ausgebildet, die eigene Restaurants eröffnen. "Es gibt immer mehr junge Köche, die frische Ideen haben und neuen Schwung in die deutsche Spitzengastronomie bringen."

Fotostrecke

8  Bilder
Neuer "Guide Michelin Deutschland": 309 Restaurants mit Michelin-Sternen

Hochburgen für Gourmets sind Millionenstädte wie Berlin, Hamburg und München. Aber auch kleine Orte wie Baiersbronn im Schwarzwald mit zwei Drei-Sterne-Restaurants und zwei Häusern mit einem Stern oder Andernach in Rheinland-Pfalz mit zweimal einem und einmal zwei Sternen sind Anziehungspunkte für Feinschmecker.

"Die Gäste möchten lockeres Ambiente"

Die Trends der vergangenen Jahre setzen sich nach Flinkenflügels Angaben fort. In Berlin etwa findet sich neu mit einem Stern das Coda Dessert Dining, in dem es eine Küche auf Basis der Patisserie gibt. Dort sitze man an der Theke oder an Holztischen. "Das ist völlig entspannt." Im Ernst - ein Berliner Restaurant, das ebenfalls neu mit einem Stern ausgezeichnet wurde - umrahmt die Theke den Kochbereich des kleinen Restaurants. "Die Gastronomen haben erkannt, was die Gäste möchten: gut essen in einem lockeren Ambiente", sagte Flinkenflügel. "Dieses Elitäre war gestern."

Gleich drei von fünf neuen Restaurants mit zwei Sternen liegen in Bayern, Sosein im mittelfränkischen Heroldsberg, Luce d'Oro im oberbayerischen Krün und Alexander Herrmann by Tobias Bätz im oberfränkischen Wirsberg. Außerdem zieren zwei Sterne jetzt das Ox & Klee in Köln. Das Purs in Andernach mit Koch Christian Eckhardt ist von null auf zwei Sterne gestiegen, was nach Flinkenflügels Angaben ungewöhnlich ist. Zuvor hatte der gebürtige Freiburger bereits zwei Sterne im Restaurant Villa Rothschild in Königstein (Hessen) erkocht.

Unter 309 Sterneköchen nur zehn Frauen

Obwohl zur Feier der neuen Michelin-Ausgabe zahlreiche Köche nach Berlin gekommen waren, stand am Nachmittag im Motorwerk nur eine Frau in der Gruppe vor der Presse: Dalad Kambhu aus dem Kin Dee in Berlin. Die 32-Jährige, die thailändisch kocht, kommentierte den Männerüberschuss mit der Aussage: "Wir haben da ein Problem. Das müssen wir ändern." Sie selbst fördere gezielt Frauen bei sich im Restaurant, das erstmals einen Stern erhielt.

Die Michelin-Macher listeten bei der Präsentation der 309 Sterneköche zehn Frauen auf - keine davon in der höchsten Klasse mit drei Auszeichnungen. Ganz oben unter den Frauen steht weiter Douce Steiner aus dem Hirschen in Sulzburg in Baden-Württemberg. Insgesamt sind Frauen im Gourmetbereich stark unterrepräsentiert. Harte Arbeitsbedingungen, der raue Ton in den Küchen und teils auch Vorbehalte der männlichen Starköche gelten als einige der Gründe.

Fotostrecke

17  Bilder
"Guide Michelin" 2019: Sterne für Frankreichs Spitzenköche

Die meisten Sterne-Restaurants in Baden-Württemberg

Die mit Abstand meisten Sterne-Restaurants gibt es in Baden-Württemberg (77), gefolgt von Bayern (52), Nordrhein-Westfalen (47) und Rheinland-Pfalz (27). Bei den Häusern mit drei Sternen liegen Baden-Württemberg, Bayern und das Saarland mit je zwei vorne. Keine Auswahl haben Feinschmecker in Thüringen und Sachsen-Anhalt, dort findet sich jeweils ein einzelnes Restaurant mit einem Stern. Ganz leer geht das kleinste Bundesland Bremen aus.

Wer ein besonders gutes Preis-Leistung-Verhältnis sucht, wird im ebenfalls neuen Restaurantführer "Bib Gourmand Deutschland" fündig. Dort sind 424 Häuser aufgelistet, 36 weniger als 2018.

Der "Guide Michelin Deutschland" kommt am 4. März in den Handel. Die ersten Michelin-Sterne in Deutschland wurden 1966 verliehen.

lie/dpa

insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Teutonengriller 26.02.2019
1. Rauer Ton hält Frauen ab
Der raue Ton ist kein Indiz für gute Küche , sondern für eine schlechte Küchenkultur. In einer Küche die so etwas zulässt sind nur Vollidioten beschäftigt.Alle Köche , die ich beschäftigt habe,kommen entweder kochen oder organisieren,aber waren bei Streß sofort überfordert. Außerdem waren die guten Köche nicht sauber
NewYork76 26.02.2019
2. Freue mich schon...
Ich freue mich schon bei meinem naechsten Deutschlandbesuch einigen Lokalen einen Besuch abzustatten. Der Michelin-Guide ist da immer ein sehr guter Ratgeber. Allerdings muss ich sagen, dass ich in den vergangenen Jahren von einigen 1-Stern Restaurants etwas enttaeuscht war. Zum Thema weibliche Starkoeche: Schafft es SPON vielleicht auch einmal einen Artikel ohne Gender-Keule zu schreiben?!? Es ist mir ehrlich gesagt vollkommen egal ob ein Koch oder eine Koechin in der Kueche steht. Es geht um die Kueche, nicht um die Koechin oder den Koch. Was kommt als naechstes? Zu wenig schwarze und lateinamerikanische Koeche in der Liste. Wie sieht es mit Ureinwohnern aus? LGBTQ? Langsam reicht es aber...
kumi-ori 26.02.2019
3.
Zitat von TeutonengrillerDer raue Ton ist kein Indiz für gute Küche , sondern für eine schlechte Küchenkultur. In einer Küche die so etwas zulässt sind nur Vollidioten beschäftigt.Alle Köche , die ich beschäftigt habe,kommen entweder kochen oder organisieren,aber waren bei Streß sofort überfordert. Außerdem waren die guten Köche nicht sauber
Da hat Ihnen vielleicht die Rechtschreibhilfe einen Streich gespielt. Leider kann ich Ihnen nicht folgen, obwohl mich Ihre Meinung als Profi interessiert hätte.
PeterAlef 26.02.2019
4. ...keine Ahnung, was los ist...
...vielleicht wäre es besser, die Restaurants zu listen, die KEINEN Stern haben. Vielleicht gibts ja noch Leute, die NICHT bei Witzigmann gelernt haben...
istnurmeinemeinung 26.02.2019
5.
Der raue Ton ist Teil des Arbeitsalltags in vielen größeren Küchen ist ein Versagen der Verantwortlichen. Aber ich denke, Koch ist ein anstregender Beruf mit oftmals miesen Arbeitszeiten. Gleiches gilt aber auch für viele Kranken- und Altenpfleger, hier mehrheitlich weiblich, also bin ich mir nicht sicher ob die Aussagen so ganz sinnig sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.