"Indian Summer" in Deutschland: Und täglich pfeift das Murmeltier
"Indian Summer" in Deutschland Wandern im Farbenrausch
Blutrot, glühendes Orange, sattes Gelb: Der Indian Summer in Nordamerikas Neuenglandstaaten ist bekannt für sein faszinierendes Naturschauspiel. Ein herbstlicher Farbenrausch lässt sich aber auch in Deutschland erleben. Wir stellen Ihnen acht Wanderziele in Deutschland vor, wo sich während eines Kurzurlaubs der Herbst von seiner buntesten Seite zeigt.
Der Nationalpark Hainich ist ein Stück Urwald mitten in Thüringen. Rotbuchen, Eschen und die seltene Elsbeere mit ihren feuerroten Blättern, aber auch Totholz, besetzt mit Pilzen und Moosen, prägen das größte zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands. In dieser Wildnis fühlen sich viele Vogelarten, seltene Fledermäuse, zahllose Käfer und sogar Wildkatzen wohl.
Wer diese herbstliche Farbenpracht von oben bestaunen möchte, der sollte dem Wald aufs Dach steigen, entlang des Baumkronenpfads wandern und vom Baumturm in 44 Meter Höhe die Aussicht genießen. Im Internationalen Jahr der Wälder 2011 lädt der Nationalpark Hainich zu vielen zusätzlichen Veranstaltungen ein. Besucher werden beispielsweise in die Geheimnisse der Wildkatzen eingeführt oder erfahren auf Rundgängen, wie man Speise- von Giftpilzen unterscheidet.
Auch die vielen Mischwälder des Odenwalds tragen im Herbst bunt gefärbte Blätterkleider. Hier steht auch Deutschlands höchster Mammutbaum mit etwa 50 Metern Höhe: Im malerischen Staatspark Fürstenlager im hessischen Bensheim ist er nicht zu übersehen. Zwischen heimischen Bäumen schillert dort auch das farbige Laub von Sumpfzypressen, Buschkastanien und Ginkgos. Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch des Felsenmeers bei Reichenbach. Die Wanderwege in dem sanften Mittelgebirge führen durch romantische Städtchen und vorbei an geheimnisvollen Schlössern.
Im Naturpark Teutoburger Wald und im Eggegebirge führen einsame Pfade durch farbenprächtige Buchen- und Ahornwälder. Besonders eindrucksvoll ist eine Wanderung auf dem etwa 70 Kilometer langen Eggeweg, der in Nord-Süd-Richtung dem Kamm des Eggegebirges folgt und viele Fernblicke bietet. Bei einer dreitägigen Wanderung kommt man vorbei an den Externsteinen, einer beeindruckenden Sandsteinformation bei Detmold, und man durchläuft das verwunschene Silberbachtal. Weit übers Land reicht der Blick vom trutzigen Aussichtsturm Bierbaums Nagel, den sein Erbauer für seine aus Kassel stammende Ehefrau errichtete, die unter schlimmem Heimweh litt. Und tatsächlich: Bei klarer Sicht ist der Herkules, das Wahrzeichen Kassels, in der Ferne zu sehen.
Gelb, rot und braun leuchten die weiten Buchenwälder im Naturpark Pfälzerwald in der Herbstsonne. Aber auch herbstlich gefärbte Eichen sowie die Eschen- und Erlenbruchwälder locken Wanderer in die Natur. Beeindruckend ist der Kontrast zum charakteristischen Buntsandsteingebirge mit seinen rot-braunen Färbungen.
Bei einer gemütlichen zwei- bis dreitägigen Rundwanderung auf dem Rodalber Felsenwanderweg im Gräfensteiner Land lässt sich der Zauber der Natur besonders intensiv erleben. Die 46 Kilometer lange Route führt vorbei an bizarren Felsformationen wie Sau-, Kuh- und Fuchsfelsen und windet sich durch das waldreiche Tal der Rodalb. Höhepunkte sind die Ausblickfelsen Alte Burg und Kanzel und natürlich die Bärenhöhle, die größte natürliche Sandsteinhöhle in der Pfalz.
Geheimnisvolle Urwälder und ausgedehnte Moore
Eine Wanderung im Ruppiner Land ist besonders zauberhaft, wenn sich die bunten Herbstblätter in den zahlreichen Seen spiegeln. Das gut markierte Wanderwegenetz lädt ein zu gemütlichen Spaziergängen, aber auch zu mehrtägigen Touren. Auf dem 250 Kilometer langen Ruppiner-Land-Rundwanderweg begibt man sich auf die Spuren von Theodor Fontane, der einst das Wandern in Deutschland gesellschaftsfähig machte. Der schönste Wegesabschnitt führt entlang des Uferpfades zwischen Neuruppin und Wustrau. Ein lohnender Abstecher sind die Fontane-Stadt Neuruppin und Oranienburg mit seinem Barockschloss.
Bunte Bergmischwälder spiegeln sich im glasklaren Wasser des Rachelsees und im großen Arbersee im Nationalpark Bayerischer Wald. Zusammen mit dem tschechischen Nationalpark Sumava ist ein fast 900 Quadratkilometer großes Gebiet der Wildnis überlassen. Der Luchs, das Wildtier des Jahres 2011, streift dort wieder frei umher, aber auch Rothirsche, Wölfe, Fischotter, Spechte und viele andere Waldbewohner fühlen sich zuhause.
Bei der sechstägigen Tour "Wildnis überwindet Grenzen" können Wanderer von Hütte zu Hütte ziehen, auf kleinen Steigen geheimnisvolle Urwälder mit ihren ausgedehnten Mooren und dunklen Seen erkunden. Alte Grenzpfade verbinden Bayern und Böhmen und erzählen von der langen, gemeinsamen Geschichte.
Tiefblauer Himmel, goldgelbes Ahornlaub, mächtige graue Felswände - für viele Wanderer ist der Naturpark Karwendel im Engtal das schönste Revier in den Alpen. Das gilt erst recht im Herbst, wenn im Talschluss die etwa 2000 bis zu 600 Jahre alten Bergahorne golden erstrahlen. Der sogenannte Große Ahornboden im Schutzgebiet gehört zwar offiziell zu Tirol, ist aber nur von Norden her über Garmisch-Partenkirchen oder Lenggries erreichbar. Abwechslungsreiche Bergtouren zu urigen Hütten und eindrucksvollen Gipfeln laden die Wanderer ein. Mit etwas Glück hört man Murmeltiere pfeifen und kann Gämse und Steinböcke aus nächster Nähe beobachten. Ein besonderes Erlebnis erwartet die Wanderer bei einer Tour zur Hirschbrunft.
Wer mächtige, viele hundert Jahre alte Eichen sehen will, der sollte sich zu einer Wanderung im Naturpark Spessart aufmachen. Bis zu 40 Meter hohe Eichen gibt es im Naturwaldreservat Eichhall, und auch im Naturschutzgebiet Rohrberg werden knorrige Eichen besonders geschützt. In den weiten Wäldern des Spessarts leben Biber, Waschbären, Siebenschläfer und sogar Luchse. Eine Vielzahl von Rundwanderwegen unterschiedlicher Länge, die mit bunten Tier- und Pflanzensymbolen markiert sind, führen durch viele lichte Buchenwälder - auch hier leuchtet die Natur im Herbst in Gelb, Rot und Orange.