Japan-Tag in Düsseldorf Mit Pauken und Karaoke

Wenn Cosplayer am Rheinufer wandeln und die Taiko-Trommeln dröhnen, ist wieder Japan-Tag in Düsseldorf. Mehr als 7000 Japaner leben hier - die mit Abstand größte Gemeinde in Europa.

Düsseldorf Marketing & Tourismus GmbH

Cosplayer präsentieren ihre Manga-Outfits am Rheinufer, an Origami-Ständen werden aus Papierblättern Schwäne gefaltet - es ist Japan-Tag in der Düsseldorfer Innenstadt. Sumo-Kämpfer machen sich bereit für eine Demonstration ihrer Künste, und Passanten lauschen mal guten, mal Mitleid erregenden Karaoke-Darbietungen.

Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt hat Deutschlands einzige Japan-Town und ist Japans Hochburg in Europa. Rund 7000 Japaner leben und arbeiten hier, die allermeisten sind Rheinländer auf Zeit und nur für kurze Zeit oder wenige Jahre in der Stadt. Ihre Kultur haben sie mitgebracht - und am Japan-Tag, in diesem Jahr am Samstag, führen sie den Hunderttausenden Besuchern in geballter Form vor, was typisch für ihre Heimat ist.

Ein grollendes Donnern im Hintergrund wächst langsam zu einem Bassgewitter heran. Taiko heißt die Kunst des Trommelns, bei der ganze Gruppen von entschlossen dreinblickenden Männern und Frauen in traditioneller Tracht auf die Pauken hauen. Laut muss es werden, nur dann würden die glückbringenden Drachen erwachen und zur Erde hinabsteigen. Nach Einbruch der Dunkelheit lässt ein gigantisches Feuerwerk fantastischen Figuren am Nachthimmel erschienen.

Klein-Tokio rund um das Hotel Nikko

Der Düsseldorfer Kaufmann Louis Kniffler gründete 1859 in der Bucht von Nagasaki eine preußische Niederlassung - "das war der Startschuss für die rheinisch-japanische Freundschaft", sagt Katja Stüben. Die freiberufliche Stadtführerin steht vor der Fensterfront der Buchhandlung Takagi und erklärt anhand einer ausliegenden Tageszeitung die Unterschiede zwischen den Schriftarten Kanji und Katakana.

Einige der Tourteilnehmer sind gebürtige Düsseldorfer. Über die asiatische Kolonie mitten in ihrer Stadt haben die meisten bisher nicht viel gewusst. Dabei gibt es in ihrer Stadt einen Japan-Club und das Japan-Center, japanischsprachige Schulen und Kindergärten, Ärzte, Supermärkte, Buchhandlungen, Friseure, Karaoke-Bars und mehr als 20 Restaurants, Sushi-Bars und Nudelhäuser: in "Klein-Tokio" rund um das Hotel Nikko an der Immermannstraße sowie in den Stadtvierteln Nieder- und Oberkassel.

Einiges davon zeigt Stüben auf ihrer "Sushi, Sake und Co."-Tour: das Hotel Nikko, die Bakery My Heart mit ihren Kastanienmusbrötchen, der Shochiku-Supermarkt mit mindestens hundert verschiedenen Sojasaucen und die Restaurantszene in der Klosterstraße. Und auf der anderen Rheinseite, in Niederkassel, das Eko-Haus. Das offizielle "Haus der Japanischen Kultur" ist ein spirituelles Lern- und Begegnungszentrum. Es besteht aus einem traditionellen Holzhaus und einer buddhistischen Tempelanlage mit den typischen geschwungenen Dächern sowie einem akkurat getrimmten Garten.

"Die Anlage verkörpert schon optisch das, was wir gemeinhin mit Japan verbinden", sagt Stüben. Der Buddhismus und der Shintoismus, der Glaube, der sich auf die alten japanischen Gottheiten bezieht, existieren für die meisten friedlich nebeneinander und werden auch - je nach Anlass und Gemütslage - ganz undogmatisch parallel praktiziert. "Für viele von uns ein Widerspruch - in Japan selbstverständlich", sagt die Stadtführerin.

Über 30 Jahre gibt es das Eko-Haus bereits, Veranstaltungen und Kurse wie Teezeremonien, Ikebana, Tanz, Koto, Kalligrafie, Japanisch, Filme sowie buddhistische Feiern stehen im Kalender. "Jedermann ist willkommen, unser Gartenfest mitzufeiern und auch an den buddhistischen Zeremonien im Tempel teilzunehmen. Viele Deutsche mit einem großen Interesse an Japan zieht es deshalb zu uns", sagt Mitarbeiter Michael Kuhl.

Fortuna Düsseldorf und die Japaner

Großes Interesse wiederum an der Kultur ihrer Gastgeber zeigen die Japaner: Im Szenestadtteil Flingern sitzt Gengo Seta in seinem Büro auf dem Vereinsgelände von Fortuna Düsseldorf. Der studierte Sportmanager bringt viermal jährlich das Stadionmagazin "Fortuna Aktuell" auf Japanisch heraus und betreut - einmalig in Deutschland - die japanischsprachige Vereinswebsite.

In Japan ist der "Düsseldorfer Jong" mittlerweile als TV-Experte gefragt und kommentiert dort Bundesligaspiele. Von Stadionführungen mit Schulkassen über Talent-Scouting in einer Heimat bis zur Jagd nach Sponsoren lebt der 35-Jährige für den Verein. In seiner Freizeit trainiert er selbst Kindermannschaften und rührt dabei ganz nebenbei die Werbetrommel für seinen Arbeitgeber.

"Fast alle Schüler der japanischen Schule in Düsseldorf sind inzwischen Fortuna-Fans, und die meisten bleiben es auch nach der Rückkehr nach Hause", sagt Seta. Sein nächstes großes Ziel bestehe darin, den Zweitligisten mit einem Spieler aus Japan zu verstärken, der das Team wieder in die erste Bundesliga schießt. "Dann ist die Identifikation der Japaner richtig da und die Arena voll mit unseren Leuten" - davon ist Seta überzeugt.


Information: Stadtführung "Sushi, Sake & Co.": Dauer etwa zwei Stunden, Gruppenpreis für max. 25 Personen 129 Euro, Tel. 0211/17202854.

Marco Wehr, srt/abl

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