Eisdorf, Schneeberg, Winterbach Die klingen ja cool!

Bei dieser Hitze versprechen ein paar kleine Orte große Abkühlung. Was ist dort los, wo Deutschland dem Namen nach richtig schön kalt ist? Fünf Menschen verraten ihre schönsten Freizeit- und Ausflugstipps für heiße Sommertage.

Artur Debat/ Getty Images

Samoa, Sansibar, Samarkand - nichts gegen euch, ihr Sehnsuchtsorte! Doch in diesen heißen Tagen tragen andere Orte die eindeutig verheißungsvolleren Namen. Sie liegen in Bayern, Rheinland-Pfalz oder Thüringen. Unser Autor hat sich dort umgehört, wo es dem Namen nach zur Zeit bestens auszuhalten ist - in Eisdorf, Kalt, Kaltennordheim, Schneeberg und Winterbach.

Winterbach, Baden-Württemberg, rund 7800 Einwohner: Remstalapfel eiskalt

Eismacherin Angelika Bruna und Michael Schmidt
Bruna-Eis

Eismacherin Angelika Bruna und Michael Schmidt

"Wir produzieren seit gut acht Jahren veganes Bio-Eis. In den vergangenen Tagen ist die Nachfrage ziemlich angestiegen. Unsere Spezialität ist das Remstalapfeleis aus Äpfeln von Streuobstwiesen. Nächste Woche haben wir in Winterbach unser Brunnenfest rund um den 1789 errichteten Neptunbrunnen im Ortszentrum - und ich sorge mit einem mobilen Eisstand für Kühlung.

Warum Winterbach so heißt? Eine Theorie ist: Der Bach, von dem unsere Gemeinde ihren Namen hat, der Lehenbach, führt mitten durch den Ort. Durch seinen hohen Mineralgehalt ist sein Gefrierpunkt niedriger, er friert im Winter nicht so schnell ein. Der Name Winterbach ist also vielleicht darauf zurückzuführen, weil man hier im Winter wärmeres Wasser als in der Umgebung finden konnte."

Angelika Bruna, Eismacherin

Kaltennordheim, Thüringen, 5908 Einwohner: Eislöcher und kaltes Bier

Eislöcher bei Kaltennordheim
Katja Schramm

Eislöcher bei Kaltennordheim

"Unser Klima hier ist tatsächlich kühl und rau. Die Menschen dafür umso warmherziger. Manchmal messen wir sogar die niedrigsten Temperaturen Thüringens.

Früher hieß unser Ort nur Nordheim, erst später kam das 'Kalten' hinzu. Die anderen Ortsteile um Kaltennordheim heißen übrigens Kaltensundheim, Kaltenlengsfeld und Kaltenwestheim.

Wer Abkühlung sucht, ist bei uns richtig: wir haben ein Schwimmbad, eine Eisdiele und in der Nähe etwas ganz Besonderes, die sogenannten Eislöcher: In einem Waldstück dringt kühle Luft aus einem Spaltensystem zwischen Basaltsteinen vulkanischen Ursprungs hervor. Hier ist bis in den Frühsommer noch Eis zu sehen, die Temperaturen sind ganzjährig deutlich frischer.

Aber der kühlste Ort ist sicher der Keller unserer Rhönbrauerei. Dort kann man sich auch von innen abkühlen. Da ich als Bürgermeister viel dienstlich im Auto unterwegs bin, ist mein Favorit das Rhöner Fahrtbier, das ist alkoholfrei und sehr erfrischend."

Erik Thürmer, Bürgermeister

Kalt, Rheinland-Pfalz, 463 Einwohner: "Nur noch Stehplätze im Freibad"

Freibad (Symbolfoto)
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Freibad (Symbolfoto)

"Bei mir dreht sich alles ums Wasser, ich gebe Schwimmkurse für Kinder im Säuglingsalter bis hin zu Senioren. Bei dieser Hitze ist es allerdings schwer, im Freibad im Nachbarort von Kalt Raum zum Schwimmen zu finden. Da gibt es fast nur noch Stehplätze, weil jeder Abkühlung sucht.

Kalt ist es in Kalt nicht. Wir sind klimatisch recht günstig gelegen, in der Nähe des Moseltals, da ist es eher warm. Unser Ort ist schon mehr als 800 Jahre alt, der Name stammt vom Wort 'Calethe' ab, die genaue Herkunft des Namens ist unklar.

Wenn es uns, den Einwohnern von Kalt - man nennt uns Kalter - zu warm wird, haben wir nicht viele Kühlmöglichkeiten. Es gibt ein paar hübsche Wanderwege, die im Schatten verlaufen oder natürlich den Kalter Bach, der durch den Ort fließt. Er ist aber sehr schmal und seicht, nicht wirklich geeignet zum Runterkühlen. Ich persönlich setze mich in der Gluthitze gerne in den Keller meiner Scheune neben dem Haus. Da ist es dann so, wie man es von unserem Ortsnamen erwarten sollte: richtig schön kalt."

Anne Fuchs, Betreiberin einer Schwimmschule

Schneeberg, Bayern, 1784 Einwohner: "Noch niemand ist verschmachtet"

Wanderweg im Odenwald (Symbolfoto)
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Wanderweg im Odenwald (Symbolfoto)

"Schnee finden Sie hier im Sommer natürlich keinen und im Winter selten. Wir liegen schließlich nur auf 170 Meter Meereshöhe. Der höchste Punkt der Gemeinde ist der Gipfel des Winterbergs mit 471 Metern.

Aber wir haben einige kühle Orte hier, weil wir mitten im Odenwald liegen. Viele Dutzend Kilometer schattige Wanderwege führen in alle Richtungen. Der Schelle-See liegt mitten im düsteren Wald und die erfrischend kalte Riesenhöhle war bis in die Neuzeit ein Versteck für Übeltäter und Verfolgte. Wilderer sollen hier auch erlegte Tiere und Waffen versteckt haben.

Generell herrscht bei uns moderates Klima. Ich sage immer: Bisher ist bei uns noch niemand erfroren aber auch im Sommer nicht verschmachtet. Ach ja, der Name: Schneeberg stammt vom mittelhochdeutschen Wort 'sneite' ab, also einer Schneise oder einem durch den Wald gehauenen Weg."

Erich Kuhn, Erster Bürgermeister

Eisdorf, Niedersachsen, 1296 Einwohner: Dicke Steinmauern zum Runterkühlen

Kirche in Eisdorf
Teicke

Kirche in Eisdorf

"Eisdorf wird erstmals im Jahr 953 urkundlich als 'Agestorp' erwähnt, das könnte auf ein Dorf am fließenden Wasser hindeuten, also die Söse, die durch unseren Ort fließt.

Eisdorf hat also nichts mit Eis zu tun. Wird es den Eisdorfern in der Sommerhitze zu heiß, bietet meine Kirche St. Georg mit ihren 250 Jahre alten dicken Mauern Abkühlung. Das Gebäude hält die Kühle des Winters und Frühjahres ganz gut.

Im Winter müssen wir kräftig heizen, dass es den Gottesdienstbesuchern nicht zu kalt wird. Aber die Menschen kommen natürlich nicht wegen der Temperatur in unser Gotteshaus, sondern wegen ihres Glaubens. Meine Frau hatte vergangenen Sommer überlegt, mal ein Eisbüfett zu organisieren, wenn es richtig heiß ist. Vielleicht klappt es ja diesen Sommer."

Wolfgang Teicke, Pastor

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ambulans 28.06.2019
1. also,
mein streng persönlicher geheim-tipp in so heißen zeiten wie jetzt ist: leutchen, lest krimis! nein, nicht die aus sozusagen "heißen" gegenden dieser welt - vielleicht aus der karibik, mittel- und südamerika (die USA-südstaaten nicht vergessen), den regionen rund ums mittelmeer, usw. - die heb ich mir lieber für schmuddelwetter und nen richtigen winter auf. nee - jetzt, zur zeit, hilft nur korrekte ware ausm hohen norden, skandinavien ist schon recht gut (aber manchmal ein bisschen arg blutig oder gar grausam). besser, nein richtig gut ist: island, diese schnuckelige kleine insel hoch oben im norden, wenns mal ein länderspiel im fussball gibt, ist die eine hälfte der bevölkerung aufm platz (spielen oder zuschauen), und die andere hälfte (gefühlt) schreibt krimis. so ne quote an - dazu auch noch guten - autoren hat m.w.n. kein anderes land; das sind sozusagen krimis mit nem eingebauten eiswürfel. island, du hast es gut ... dr. ambulans (alle kassen)
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