Kameha Grand Hotel in Bonn Vorhang zu, Mond an

Knallrote Flure, goldverzierte Riesenvasen, gigantische Kronleuchter: Wer es dezent mag, wird im neuen Bonner Luxushotel Kameha Grand kaum glücklich. Workaholics, Musikfans und passionierte Spieler dagegen dürfen sich freuen - über speziell für sie eingerichtete Suiten.

Aus Bonn berichtet


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Kameha Grand: Bonns neues Fünf-Sterne-Hotel
Am Anfang der Selbständigkeit stand vor etwa drei Jahren die HFG - die "Hotel-Ferbesserungsgesellschaft", die der damals neunjährige Sohn von Carsten K. Rath zusammen mit seinem Vater unbedingt gründen wollte. "Er hatte sich beklagt, dass er mich so wenig sieht", erinnert sich Hotelier Rath an den Vorschlag, "und wollte deshalb mit mir zusammen etwas Neues auf die Beine stellen." Rath hatte zuvor weltweit Erfahrungen im Gastgewerbe gesammelt.

Lust auf Neues hatte der Vater tatsächlich, jetzt ist sein neues Hotel fertig: Am kommenden Wochenende eröffnet der 42-Jährige in Bonn das Kameha Grand, ein 100-Millionen-Euro-Projekt mit 253 Zimmern und bemerkenswertem Blick auf die Bonner Rheinauen und das Siebengebirge.

Nicht weniger als "die klassische Grand-Hotellerie neu zu interpretieren" hat der Kameha-Gründer zu seinem Ziel erklärt. Natürlich hat er, lange vor seinen Gästen, schon vor ein paar Monaten zum ersten Mal in seiner neuen Nobel-Herberge übernachtet. Von Luxus und Designer-Suiten war damals allerdings noch nicht viel zu sehen: "Da lag ich im Schlafsack in unserem Musterzimmer, drumherum war alles noch eine riesige Baustelle." An Träume in dieser ersten Nacht kann er sich nicht erinnern, aber das ganze Projekt komme ihm manchmal auch jetzt, ein paar Tage vor der Eröffnung, immer noch wie ein Traum vor, sagt Rath. Und er strahlt - vor Stolz und Vorfreude.

Zwischen Wow und Kitsch

Tatsächlich ist das Kameha anders, schräg und für manche sicher auch gewöhnungsbedürftig: Als "neobarock und detailverliebt" bezeichnet sich das Haus selber. Mit riesigen Kronleuchtern und einem gläsernen Billardtisch, mit vier goldenen, meterhohen Vasen im Innenhof und mit knallroten Fluren (und einer Tiefgarage in derselben Farbe), mit einem dimmbaren Leuchtmond hinter den Betten und mit exquisiter Fotokunst in jedem Bad sorgt Designer Marcel Wanders für echtes Staunen - und immer wieder für Unsicherheit, ob man diese ungewöhnliche Gestaltung nun einfach überwältigend finden darf oder ob sich da nicht auch ein gewisser Kitsch-Faktor versteckt hält.

Egal: Raths Ankündigung, in seinem Fünf-Sterne-Haus direkt am Rheinufer werde man jede Menge Lieblingsplätze entdecken können, ist nicht zu hoch gegriffen. Vielleicht ist das ja auch der Grund dafür, warum ab Dienstag, noch vor der offiziellen Eröffnung, Bundestrainer Jogi Löw mit seinen Nationalkickern für fünf Tage im Kameha Grand absteigt. Hier will man sich auf das Länderspiel gegen Chile am Samstag in Köln vorbereiten.

Hotelgründer Rath sieht das als Vertrauensbeweis für sein Konzept, für dessen Entwicklung er sich intensiv mit der Geschichte der Hotellerie beschäftigt hat. "Große Hotels waren immer auch technische Antreiber und Innovatoren", sagt der 42-Jährige: Im Pariser Ritz habe es zum ersten Mal Elektrizität im gesamten Gebäude gegeben, das Berliner Adlon beeindruckte nicht nur Kaiser Wilhelm II. mit fließend heißem Wasser in allen Zimmern.

Grüne Haustechnik

Und jetzt eben das Kameha Grand, das auf den Faktor Nachhaltigkeit setzt - mit regionalen Produkten ("Bei uns gibt es kein Mineralwasser von den Fidschi-Inseln") und mit technischer Innovation. Mehr als 70 Prozent des Wärme- und Kältebedarfs werden von einer europaweit einzigartigen Geothermieanlage geliefert, oberflächennahes Grundwasser heizt das Gebäude im Winter und sorgt im Sommer für Kühlung. 400 Tonnen CO2 und 1700 Megawattstunden können so im Hotel und den umliegenden Gebäuden pro Jahr eingespart werden. Zusätzlich soll der für die Geothermieanlage benötigte Strom ab 2010 komplett aus regenerativen Quellen kommen.

Die grüne Haustechnik will Carsten K. Rath aktiv vermarkten: Wer will, kann die Anlage im Hotelkeller besichtigen oder sogar ein Dinner vor der Wärmepumpe buchen. Die anderen Technik-Gimmicks sind da eher Spielerei: Das E-Piano und der iPod in der Beethoven-Suite mit den schönsten Stücken des Meisters, der Flipper und die Wii-Spielekonsole in der Fair Play Suite, die perfekte Büroausstattung samt Videokonferenzsystem in der Hero Suite für den modernen Workaholic.

Auch von außen fällt das Kameha Grand auf: Die über 100 Meter lange Glasfassade und fast 5000 Quadratmeter Aluminiumplatten, erdacht von Architekt Karl-Heinz Schommer, erinnern manche an ein elliptisch-futuristisches Raumschiff, das im neuen Stadtteil "Bonner Bogen" gelandet ist. Für andere ist es eher eine überdimensionale Rheinwelle, die da ans Ufer schwappt.

So oder so: Wo früher die Portland-Zementfabrik werkelte, entsteht jetzt rund um das neue Luxushotel Bonns modernster Stadtteil - ein 300-Millionen-Euro-Projekt mit insgesamt 36.000 Quadratmetern Bürofläche und der entsprechenden Infrastruktur drumherum.

Regionale Akzeptanz als Nahziel

Die Erwartungen sind entsprechend hoch. Doch ein neues Fünf-Sterne-Haus ausgerechnet in der Krise, ausgerechnet in Bonn - ist das nicht ein sehr gewagtes Unterfangen? Carsten K. Rath lacht. "Nein", sagt der 42jährige, "Bonn ist die am meisten unterschätzte Stadt Deutschlands." Und die Krise habe er sich zwar nicht gewünscht, sie sei aber für ihn und seine 240 Mitarbeiter vor allem eins: Ansporn. Er wolle das Kameha zum "Wohnzimmer der Region" machen, denn die Top-Hotels hätten immer schon Grenzen überwinden können: "Da sitzt der Clochard neben der Grande Dame, und beide haben ihren Platz."

Als Testballons dienten zuvor zwei Edelrestaurants in Köln und Frankfurt, die Kamehameha-Suites. Und wenn sich das neobarocke Konzept auch im Hotel bewährt, könnte daraus sogar eine ganze Kette werden - mit Häusern und Ferienresorts weltweit. Doch Rath ist auch Realist, und deshalb formuliert er als eines seiner nächsten Ziele die "regionale Akzeptanz": Wenn die Bonner das Hotel annehmen und hier ihre Familienfeste feiern, dann werde die Top-Kundschaft sich dem Charme des Hauses ebenfalls nicht verweigern können.

Und für einen ganz besonders wichtigen Gast hat der Hotelier tatsächlich schon gebucht: Demnächst wird sein Sohn hier mit einer Übernachtungsparty seinen 12. Geburtstag feiern - natürlich in der Fair Play Suite.



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