Ausflug in die Umgebung: Corona-bedingt vor der Haustür
Ausflug in die Umgebung: Corona-bedingt vor der Haustür
Foto: Cavan Images / plainpicture

Apps für draußen So können Sie Ihre Umgebung noch mal neu entdecken

Haben Sie auch das Gefühl, jeden Stein in Ihrer Nähe inzwischen zu kennen? Diese Apps helfen Ihnen, Ihre Umgebung bei Ausflügen mit neuen Augen zu sehen.
Von Anne Haeming

Seit zehn Monaten drehen wir Kreise rund ums eigene Viertel, brechen aus, so weit Beine oder Fahrrad tragen – und so langsam merken wir: Wir kennen alle Wege, jeden Stein, jedes Büschel Gras. Nirgends mehr Neues.

Wirklich nicht? Um vermeintlich ausgetretene Pfade in unbekanntes Terrain zu verwandeln, reicht es nämlich mitunter, sich ein bisschen digitale Hilfe zu holen. Etwa von der Crowdsourcing-Plattform Mundraub , die Menschen mit Obstbäumen verbindet, aber auch außerhalb der Erntesaison prima funktioniert, um neue Ecken auch in Städten zu finden: Wo wächst die nächste Esskastanie? An welcher Strecke stehen viele Wacholderbüsche? Lässt sich ein Ausflug zu vielversprechenden Hagebuttensträuchern planen, um sich ein paar Zweige für den Küchentisch abzuknipsen?

An Wintertagen mit Plusgraden hilft die Pingpong-Map , um öffentliche Tischtennisplatten zu finden – auch jene, die gut versteckt in Hinterhöfen stehen. Oder solche, die etwa in Füssen mit Blick  auf See und Berge rund um Schloss Neuschwanstein, am Elbufer in Dresden mit Blick auf die Waldschlößchenbrücke  oder in Rostock auf dem Spielplatz am Jachthafen  auf ein paar aufwärmende Partien einladen.

App-Hilfe: Strecken übernehmen oder Routen selbst planen

»Besonders Erlebnisse in der Natur haben während Corona einen höheren Stellenwert bekommen«, sagt der Gründer der Draußen-unterwegs-App Komoot, Tobias Hallermann. Mit ihrer Hilfe lassen sich die Strecken von anderen übernehmen – oder eigene Routen planen. Egal ob zu Fuß oder auf Alltags- oder Rennrädern.

Wie sehr es die Menschen nach draußen zieht, sieht Hallermann an den Nutzungsstatistiken. Noch im November seien die Zahlen auf August-Niveau gewesen. Die drei Touren, die 2020 laut seiner Statistik am häufigsten gefahren und gelaufen wurden, führen rund um den Chiemsee , zur Basteibrücke  in der Sächsischen Schweiz und um das Steinhuder Meer . Im vergangenen Jahr nutzten laut Hallermann 15 Millionen Menschen die App. Komoot mit Hauptsitz in Potsdam gibt es mittlerweile in 14 Ländern.

»Wir wollen den Leuten helfen, Neues zu entdecken«, sagt Hallermann. Selbst jene, die ein Dreivierteljahr nach Beginn des ersten Lockdowns dächten, sie würden alles rund um ihr Viertel kennen, hätten die Chance auf Neues: »Wir bekommen immer wieder Feedback von Nutzern, die mit Komoot direkt hinterm Haus neue Wege entdeckt haben, obwohl sie schon seit 20 Jahren dort leben.«

Kennen Sie die schon?

Für alle, die auf der Suche sind nach neuen Tour-Inspirationen in der Umgebung, haben wir hier fünf Komoot-Routen im ganzen Land zusammengestellt. Die Suchkriterien: Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Schwierigkeitslevel: leicht, Dauer: 1,5 bis 2 Stunden. Es ist schließlich Winter. Der jeweils erste Treffer in den Suchergebnissen zu Regionen wie Ruhrgebiet oder München landete auf der Liste:

Ruhrgebiet: »Blick auf die Ruhr« (zu Fuß)

Ruhr bei Bochum: Eine ebene Sache

Ruhr bei Bochum: Eine ebene Sache

Foto: Jochen Tack / imago images

Länge: 5,5 Kilometer; Dauer: etwa eine Stunde und 30 Minuten zu Fuß; Start der Rundtour ist die Stiepeler Dorfkirche im Süden von Bochum in der Nähe von Kemnader See und Ruhr, sie führt nach Westen und zurück zur Kirche; Link hier .

Ist viel los? Auf den Fotos, die in der App zur Tour veröffentlicht wurden, ist zumindest niemand zu sehen.

Landschaftsquotient: Man kommt direkt an den Fluss ran, daneben platte Felder, Brücken, sogar eine Schleuse – alles dabei.

Für wen ist die Tour besonders gut geeignet? Für alle, die gern im Flachen gehen. Achtung: Die unebenen Wege sind nichts für Spaziergänger mit Kinderwägen oder Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind.

Was macht diese Strecke zu einem Abenteuer? Der historische Leinpfad. Hier liefen einst Pferde, die früher Kähne auf dem Wasser zogen.

Wintertauglichkeit? Solange die Pflastersteine des Leinpfads nicht mit Eis überzogen sind, sollte es eine ungefährliche kalte Runde sein.

Hamburg: »Ahrensfelder Weg – Bohlenweg durch das Moor« (per Rad)

Bredenbeker Teich: Fernsicht und Baumhöhlengefühl gleichermaßen

Bredenbeker Teich: Fernsicht und Baumhöhlengefühl gleichermaßen

Foto: Senta Schuckert / 500px Plus / Getty Images

Länge: 22,7 Kilometer; Dauer: etwa eine Stunde und 30 Minuten mit dem Rad; Start ist die U-Bahn-Station Berne, dann verläuft die Runde Richtung Nordosten und zurück; Link hier .

Ist viel los? Die Tour ist per U-Bahn gut angebunden, hier und da wirken die Wege etwas eng, aber: Als Radfahrer fährt man ja zügig weiter.

Landschaftsquotient: Es geht durch Wald und Moor, über eine Allee und einen Bohlenweg, vorbei an Teichen und Seen. Es gibt also Fernsicht und Baumhöhlengefühl gleichermaßen.

Für wen ist die Tour besonders gut geeignet? Auch Familien mit Kindern und kleinerem Radradius kommen hier gut herum. Und wenn’s zu viel wird, kann man ja immer früher umdrehen.

Was macht diese Strecke zu einem Abenteuer? Die Reste der mittelalterlichen Burg Arnesvelde – ein paar Erdwälle, dazu ein Hinweisschild und ein Stein mit Inschrift.

Wintertauglichkeit? Bei den Bohlen vielleicht lieber absteigen, weil: Rutschgefahr. Aber klar, die Sommerbilder, die bei der Tour eingestellt sind, sehen schon auch sehr verlockend aus.

Sächsische Schweiz: »Basteibrücke – Kanapee – Blick auf die Elbe« (zu Fuß)

Bastei: Lohnt auch im Winter

Bastei: Lohnt auch im Winter

Foto: Moritz Haisch / EyeEm / Getty Images

Länge: 4,77 Kilometer; Dauer: etwa eine Stunde und 30 Minuten zu Fuß. Und auch wenn 200 Meter Höhenunterschied nicht nach viel klingt, beweist diese Tour, dass es auf die Art dieser 200 Meter ankommt; Link hier .

Ist viel los? Sagen wir so: Eine andere Basteibrückentour  war auf Platz zwei der meistgenutzten Komoot-Routen des Jahres. Diese hier ist als »leicht« einsortiert, und auch die Tourismusbehörde der Sächsischen Schweiz empfiehlt Winterwanderungen in dieser Gegend. Sie könnte also durchaus auch in diesen Wochen beliebt sein. 

Landschaftsquotient: Es geht 210 Meter runter und dann wieder hoch: Die Aussicht auf die typischen Elbsandsteinpfähle ist wirklich spektakulär, dazu der Blick auf die Elbe, eine Felsenburg und: die Weite.

Für wen ist die Tour besonders gut geeignet? Markiert als: »Leichte Wanderung. Für alle Fitnesslevel. Leicht begehbare Wege«.

Was macht diese Strecke zu einem Abenteuer? Abgesehen von den Ausblicken gibt’s einen zusätzlichen Bonus: Man setzt mit einer Seilfähre  über – und die fährt auch im Winter.

Wintertauglichkeit? Die Fähre fährt, die Tourismusbehörde empfiehlt den Ausflug auch für diese Jahreszeit: also los!

Mecklenburgische Seenplatte: »Tiefwarensee Stüde – Hafen Waren (Müritz)« (per Rad)

Waren am Müritzsee: Hauptsache Natur und Wasser

Waren am Müritzsee: Hauptsache Natur und Wasser

Foto: makasana / iStockphoto / Getty Images

Länge: 19,3 Kilometer; Dauer: etwa eine Stunde und 40 Minuten per Rad; Start von der zentralen Stadt Waren aus Richtung Norden rund um den deutlich kleineren Tiefwarensee, denn am Müritzsee, dem wohl bekanntesten der Müritzer Seelandschaft, entlangradeln kann ja jeder; Link hier .

Ist viel los? Waren an der Müritz hat immerhin knapp über 20.000 Einwohner. Aber sobald man aus der Stadt raus ist, abseits von Fähranleger, Binnenmüritz und Hafen, gibt’s vor allem Natur und Wasser.

Landschaftsquotient: Hier kommt zur Seenaussicht auch Kleinstadtatmosphäre dazu mit historischem Marktplatz und norddeutschem Fachwerk.

Für wen ist die Tour besonders gut geeignet? Der größte zu überwindende Höhenunterschied beträgt 27 Meter. Dazu vor allem befestigte Wege. Machbar.

Was macht diese Strecke zu einem Abenteuer? Die Fernsicht: Wenn man am Fähranleger in Waren steht und den Blick über die Müritz schweifen lässt, könnte es auch ein Ozean sein.

Wintertauglichkeit? Siehe nicht vorhandene Höhenmeter und gute Wege: immer noch machbar. Wenn auch die Verlockung, ins Wasser zu springen, im Sommer höher sein dürfte. 

München: »Aujäger« (per Rad)

Pupplinger Au: Fluss, Hügel, Wald und Wiesn für Rennradfahrer

Pupplinger Au: Fluss, Hügel, Wald und Wiesn für Rennradfahrer

Foto: Martin Siepmann / Westend61 / imago images

Länge: 74,9 Kilometer; Dauer: etwa drei Stunden und 15 Minuten per Rad. Diese Rennradtour durch die Pupplinger Au südlich von München empfiehlt Komoot-Gründer Tobias Hallermann persönlich – er hat sie selbst zusammengestellt; Link hier .

Ist viel los? »Eher wenig.«

Landschaftsquotient: »Es gibt von allem etwas – Fluss, Hügel, Wald und Wiesn.«

Für wen besonders gut? »Für Einsteiger.«

Was macht diese Strecke zu einem Abenteuer? »In zehn Minuten ist man raus aus der Stadt und radelt kurz darauf durch eine wunderschöne Au. Und man ist, zu meiner eigenen Überraschung, schnell in Klischee-Bayern – mit Fremdenzimmer-Schildern an Gaststätten und Werbung für bayerische Milch.«

Wintertauglichkeit? »Noch mehr Spaß macht's im Sommer.«